Coyote Mentoring: Pflanzen & Heilige Jagd

Wandspruch in der Jugendherberge

Der Wandspruch ist in der Jugendherberge Hoherodskopf im Eingangsbereich zu lesen – und könnte es ein besseres Motto für die Ausbildung zum Wildnispädagogen geben, die Beate und ich derzeit durchlaufen?

Zum dritten Modul haben sich die rund zwei Dutzend Teilnehmer, ganz überwiegend im Rhein-Main-Gebiet ansässig, am vergangenen Freitag auf der höchsten Erhebung des Vogelsberges eingefunden – bei frischem Wind, Wolken und bestenfalls 22 Grad Celcius. Für die Tunesien-Fraktion schon ziemlich kalt, für die Island-Fraktion gerade so erträglich…

Mit zwei großen (und einigen kleineren) Themen haben wir uns beschäftigt, und bevor ich diese kurz schildere, sei vorangestellt, dass es sich beim Konzept des Wildnispädagogen nach Art des „Coyote Mentorings“ nicht um eine Variante von Waldpädagogik, Umweltpädagogik, Erlebnispädagogik oder Bushcraft, Survival oder Waldbiologie etc. handelt.

Elemente von all dem mögen in der Wildnispädagogik vorkommen, doch ist deren Ziel keineswegs das Herunterbeten von Faktenwissen zu Fauna und Flora nach Art eines zweibeinigen Lexikons; und auch nicht auf Rüdiger Nehbergs Spuren zu wandeln. Ein Wildnispädagoge ist kein Biologie-Lehrer.  Er ist kein Survival-Spezialist. Er will vielmehr lebendige Natur-Verbindungen zu schaffen.

Ein Wildnispädagoge ist kein Biologie-Lehrer

Er will geistig-seelische wie auch körperliche Nähe samt Verständnis und Wahrnehmung zur Natur herzustellen bzw. andere dies zu vermitteln und sie auf dem Weg dorthin zu begleiten. Dazu dienen vorrangig Riten und Zeremonien (wie das Räuchern, neudeutsch: smudgen) , Techniken und Haltungen aus dem indianisch-indigenen Bereich Nordamerikas (ohne den Bezug zu ähnlichen Ansätzen in Europa oder Afrika zu verlieren).

Lexikalisches Wissen ist nicht verpönt, sondern nützlich, aber der erste Schritt besteht darin, das Lebewesen – ob Tier oder Pflanze – wahrzunehmen, und den Kontext, in dem es existiert, zu verstehen. Oder den Kontext, den es schafft. Wie sich seine Existenz auf all die anderen Existenzen im Wald auswirkt – und umgekehrt.

Verbundenheit mit allen Wesen

Es geht um die Wechselbeziehung und Verbundenheit aller Wesen untereinander: Wem ist schon bewusst, das Pflanzen und Tiere (inkl. Menschen) in fast symbiotischer Beziehung zueinander stehen? Was die einen ausatmen dient dem Einatmen der anderen…

Darauf hin mag man dann ein Fährtenlese- oder ein Pflanzenbestimmungsbuch in die Hand nehmen und sich präzisere Kenntnis aneignen – aber das geschieht dann auf Basis natürlicher Neugier und dem intrinsisch motivierten Interesse, sich die entsprechenden Informationen anzueignen. Man eignet sich etwa Bushcraft-Kenntnisse an, um den Widrigkeiten der Wildnis, dem Wetter zu trotzen – weil man bei allen Gelegenheiten draußen sein will.

Mit Pflanzen flüstern

Wenn wir uns also am vergangenen Wochenende mit dem Thema „Pflanzen“ beschäftigt haben, dann eben um erste Herangehensweisen zu erlernen: Einfache Raster, Pflanzen zu bestimmen und herauszufinden, welche Pflanzen man (weltweit!) als Unterwegs- oder Notnahrung essen kann; aus welchen Pflanzen bzw. deren Bestandteilen man wie einfache Schnüre herstellen kann.

Einfache Raster, welche Pflanzen als Heilmittel dienen können. Wie man mit ihnen – auch spirituell („Erkläre den Pflanzenleuten, warum du sie brauchst“…“Nimm nur das, was du wirklich brauchst“…“Häufe keine Vorräte auf“) – umgeht, um ihre Heilwirkung nutzen zu können.

Wurfholz

Wurfhölzer

Das gilt gleichermaßen für die Prinzipien der „Heiligen Jagd“ und dem selbstständigen Bau des ältesten Jagdwerkzeuges der Geschichte – dem Wurfholz (und entsprechenden Wurf-Übungen). Da geht es um das innere Verständnis dafür, was man der Natur entnimmt bzw. was sie bereit ist, einem zu geben – und in welcher innerer Haltung dazu man sein sollte.

Auf dieser Basis kann man dann herangehen, seine Fertigkeiten und Fähigkeiten auszubauen. Und das geht langsam – natürliche Prozesse, in denen man Wissen und Können tief erwirbt, gehen nahezu immer langsam. Coyote Mentoring bedeutet, sich intensiv den Kernroutinen zu widmen: Wie dem Sitzplatz, dem Umherstreifen, dem Imitieren,…

 

Zum dritten Mal auf der Allradmesse

Grünimog mit Wandbild-Markise

Das Wandbild des Krav Maga Centers Frankfurt als Markise am Grünimog


Einmal mehr im Fernsehen – zuletzt waren wir ja in einem französischen Spartensender zum Weinbau zu sehen gewesen (siehe Beitrag Weinprobe fürs französische Fernsehen). Tatsächlich muss es heißen: „einmal mehr gefilmt„, denn die tschechische Crew von turas.tv, die uns besucht hat, produziert (Video-)Filme für dieses E-Magazin rund um Camping-, 4×4- und Outdoor-Aktivitäten.

Wie so häufig, fungierte unser Grünimog als Kontaktbühne: Leute bleiben stehen, manche nähern sich und ein Gespräch beginnt – und dreht sich natürlich meist um unser 37 Jahre altes Fahrzeug aus Bundeswehr-Beständen; wo wir damit waren, was wir damit vorhaben, ob wir darin wohnen u.ä. So auch im Falle der netten tschechischen Interviewerin, die uns auf der wohl weltgrößten Offroad-Messe, der Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen bat, ihr doch ein paar Sätze zu unseren Plänen und Perspektiven in die Kamera zu sprechen.

Nomadenleben statt Eigenheimidylle

Sie selbst, meinte sie, müsse noch rund zwei Jahre warten, bis sie auf große Fahrt gehen könne – so lange müsse sie sich noch ihren Kindern widmen. Aber sie begeistert sich für Leute, die das modernen Nomadenleben der Eigenheimidylle vorziehen. Wir erzählten von unseren Fahrten nach Portugal, Marokko und Island, und bestätigten der Dame: Bei all dem geht es ums Reisen, gewiss. Aber mehr noch: um Freiheit.

Vergangenen Mittwoch waren wir auf der „Abenteuer & Allrad“ eingetroffen, hatten mit Müh‘ und Not noch einen Stellplatz für unser sechs Meter langes Fahrzeug nahe der Saale gefunden – und das obwohl der Veranstalter jedes Jahr aufs Neue inständig darum bittet, nicht vor Mittwoch Nachmittag anzureisen. Die ersten Fahrzeuge werden sich wohl schon dienstags auf der Camp Area eingerichtet haben – wer jedenfalls am donnerstäglichen Feiertag eintraf, hatte nur bei einem kleineren Fahrzeug noch eine Chance, sich irgendwo dazwischen zu quetschen.

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Coyote Mentoring: Am See, mit anderer Sicht

Wie sehr die Ausbildung in der Wildnispädagogik, im Coyote Mentoring, doch die Sinne schärft! Ich kletterte aus dem Fernreisemobil, und sofort erfasste mich ein kleiner Wind, der mich sanft umhüllte, und ich spürte ihn sofort. Ich höre immer die Elstern, immer die Elstern… und kann mittlerweile deren Ruf von dem der Eichelhäher gleich unterscheiden.

Der sanfte Wind aus Süden blies unstetig. Endlich zwei Eichelhäher! Erst habe ich sie gehört, und später kam auf einmal einer in mein Panorama-Sichtfeld hineingeflogen. Ich stocherte mit meinem Messer in der tierischen Hinterlassenschaft – für mich sah’s nach Reh aus (kleine Spitzen, Vertiefung, keine Haare drin; außerdem ließ das niedergedrückte Gras in der näheren Umgebung auf Schlafplätze schließen).

Nachts am See in Pford

Es gab köstliche Himbeeren an einer Baumreihe, und später unversehens der strenge Geruch! Der sich verlor, je mehr ich versuchte, im nachzuschnuppern.

Der Höhepunkt aber: das Froschkonzert in der Nacht, während ich mit einem Biber oder einer Bisamratte um die Wette… ich rannte am Ufer, er/sie schwamm im See nahe des Ufers. Schwäne schauten sich das an!

 

Coyote Mentoring: Feuer & Vögel

Feuer

Flammen züngeln – geschafft!


Feuer machen nach archaischer Art ist nicht wirklich einfach. Das erlebten wir beim zweiten Modul der Wildnispädagogik am vergangenen Wochenende bei den Versuchen, mit einem Feuerbohrset dem Zunderhäufchen ein Flämmlein zu entlocken…

Wie berichtet, nutzen wir Amphibiums-Reisenden unsere Verweilzeit im stationären Zuhause zu einer Ausbildung als „Coyote Mentor“ der Wildnispädaggik (dazu mehr im Beitrag Coyote Mentoring: Ein Kreis schließt sich). Nachdem Modul 1 vor allem eine grundlegende Einführung in die Thematik beinhaltete, stand Modul 2 im Zeichen von Feuer und Vogel.

Feuer machen. Und Vogelsprache zu deuten lernen. Bei letzterem geht es natürlich nicht darum, nach Art des Dr. Dolittle mit den Tieren zu sprechen, sondern die Lautmuster der Vogel zu erkennen und zu interpretieren. Denn die haben viel mit dem zu tun, was in der Umgebung des Vogels passiert; wer kommt, wer geht.

Vogelstimmen lassen das Geschehen im Jetzt erklingen und können ermöglichen, zu „sehen“, was in anderen Teilen des Waldes (oder der jeweiligen Umgebung) vor sich geht. Das wird dann in einem späteren Schritt zum Fährten lesen führen, bei dem man einen Blick in die Vergangenheit wirft…

Alle Wildtiere verstehen Vögel

Vögel lösen Alarme aus, wenn etwas in ihrer Umgebung von einer harmonischen Grundstimmung abweicht – ein Mensch, ein Boden- oder ein Lufträuber etwa: Vögel haben viele Feinde. Wie der Mensch üblicherweise durch den Wald stapft, löst er Störungswellen aus – wir lernen, wie man diese Störungen so klein wie möglich hält.

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Coyote Mentoring: am Sitzplatz

Sitzplatz in der Abenddämmerung


Das erste Modul unserer Ausbildung zum Wildnispädagogen nach Art des „Coyote Mentorings“ liegt rund eine Woche zurück. Wir brennen darauf, loszulegen und die erworbenen Kenntnisse anzuwenden. Vor allem natürlich, die Sitzplatz-Kernroutine zu etablieren.

Den Sitzplatz soll man zu allen Jahreszeiten, allen Tageszeiten, bei jedem Wetter mindestens einmal pro Woche eine Stunde besuchen. Seine Fauna und Flora kennen lernen, ja Freundschaft mit ihr schließen. Sich ihr vorstellen und fragen, ob man Gast sein darf. Mein Sitzplatz liegt inmitten einer Apfelbaumreihe auf den Feldern zwischen Mittelbuchen und Wachenbuchen.

Rucksack und Regenhose

Wenn man so will, der erste Besuch an meinem Platz im Laufe des “wilden” Jahres der Ausbildung zum Wildnispädagogen. Auch ein Test des bisher dafür zusammengestellten Equipments – besonders der neuen Engelbert-Strauss-Regenhose, als auch von Rucksack und Wetterfleck.

Die Regenhose hatte ihre erste Bewährungsprobe sehr früh zu bestehen, als ich im strömenden Regen auf dem Weg zu einer Senke hinunter auf Schlamm und Matsch gleich zweimal kurz hintereinander ausrutschte und mich im wahrsten Sinne des Wortes lang legte… schon war sie verschlammt und verdreckt. Der Rest meiner Kleidung eigentlich auch.

Mit den Krähen krähen

Ich bemühte mich leise und vorsichtig zu gehen. Aber bei solchem Regen bleiben wohl auch die meisten Tiere in ihrer Deckung; außer einigen wenigen Krähen war nichts zu sehen und zu hören. Wenn man von den Windrotoren absieht, die auf dem Hügelkamm auf Schönecker Gemarkung stehen und deren Flügel aus Regen, Dunst, Wolkenfetzen herauslugten.

Ich krähte selbst zweimal, erhielt aber keine Antwort.

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