Archiv für den Monat: November 2018

Nachbargemeinde Mittelmeer

Schlachtvieh auf dem Weg
Tiertransporte in Marokko: Schlachtvieh auf dem Weg

Wir feiern Weihnachten in diesen Tagen. Bevor es zum Konsumfest mutierte, war es ein christliches (für manche ist es das noch immer). In diesem Kontext spricht man gerne vom christlichen Abendland, das unsere Heimat darstellt. Außer Acht gelassen wird dabei, dass es sich bei Europa um ein griechisch-römisch-christliches Abendland handelt.

Europäische Identität, europäische Werte entstammen der europäischen Antike – Denken und Demokratie von den Griechen, Rechtsgültigkeit von den Römern, Humanität und Menschenliebe von den Christen. Wie und wo sind diese Werte entstanden? Griechenland samt seinen zahllosen Inseln liegt im östlichen, Italien im mittleren, und das Christentum hat seine Wurzeln im östlichen Mittelmeerraum (die Region, die wir heute den Nahen Osten nennen).

Das römische Reich als europäischer Kulturraum

Die Griechen waren in Richtung Kleinasien und Persien (heutzutage Türkei und Iran ) unterwegs und brachten von dort Kenntnisse und Kultur zurück. Die Römer als ihre Nachfolger eroberten und besiedelten Nordafrika – ihre Hinterlassenschaften finden wir etwa in Marokko (Volubilis), Libyen (Leptis Magna), von Ägypten ganz zu schweigen. Wer die Weihnachtsgeschichte der Geburt des Jesus Christus in Palästina erzählt, erzählt auch immer eine Geschichte von den Römern und ihren Statthaltern. Und durch welche Gegenden reiste Paulus?

Man muss nicht an die christliche Religion glauben, um anzuerkennen, dass das frühe Christentum die europäischen Werte bedeutend beeinflusst hat. In summa: Die europäische Identität ist im Mittelmeerraum entstanden; … eigentlich sogar in den süd- und südosteuropäischen Mittelmeer-Anrainerstaaten.  

Weiterlesen

Zurück in der Zivilisation II

Djamaa el-Fna in der Morgenstunde: Ruhe vor dem Sturm

Wer von den Frankfurtern geht privat zum Kaffee- oder Apfelweintrinken auf den Römerberg, wo Touristenscharen sich im historischen Ensemble auf und ab bewegen? Na also: Unser Bekannter in Marrakesch findet es auch keine gute Idee, sich ausgerechnet im Café de France am Djamaa el-Fna zu treffen…

Der „Platz der Gaukler“ mit ebensolchen, Händlern, Schlangenbeschwörern, Musikanten, Wahrsagerinnen, und vielen anderen mehr ist weltberühmt, vielfach beschrieben und besungen…; nachdem wir unser Fahrzeug auf dem üblichen Campingplatz am Stadtrand abgestellt hatten, sind wir am nächsten Tag natürlich dahin aufgebrochen. Man kann dem Touristenzentrum Marrakeschs nicht wirklich entgehen.

Umdrehen und weggehen

Nicht ohne zuvor Zeugen einer herzlichen Schreierei zwischen Campingplatz-Bediensteten und einem Taxifahrer zu werden. Wenn man in Marokko Taxi fährt, ist man tunlichst nicht blauäugig, sondern erkundigt sich zuvor nach dem Fahrpreis: Darin sind wir mittlerweile nach der vierten Marokko-Tour geübt, und es hat sich schon als erfolgreiche Taktik erwiesen, bei Uneinigkeit einfach zum nächsten Taxi zugehen und dessen Fahrer nach seinen Preisvorstellungen zu fragen.

Bei diesen Gelegenheiten wie beim Handel im Souk ist das meist die letzte Karte, die der Tourist ziehen kann: Nachdem das angeblich letzte Preisangebot steht, mit dem sich der Händler (oder Taxifahrer) schon vor dem existentiellen Aus stehend darstellt, sich umdrehen und gehen. Und, keine Sorge, der Händler kommt immer auf seinen Schnitt, selbst wenn der erfahrene Marokko-Besucher meint, er habe schon viel heruntergehandelt.

Nepper und Schlepper

Da geht es mehr um Spaß & Spiel beim Handeln. Spaß hat allerdings der Taxifahrer am Campingplatz nicht verstanden, sondern die Ausfahrt blockiert, sich vom Ruf nach der Polizei nicht beeindrucken lassen, einen Taxi-Konkurrenten angemault… zu guter Letzt haben die Leute vom Campingplatz uns regelrecht in ein anderes Taxi bugsiert und zu verstehen gegeben, dass immer mit speziell diesem Taxifahrer Probleme entstehen – er nehme überhöhte Preise und halte sich nicht an die vom Campingplatz für seine Gäste ausgehandelten Tarife.

Weiterlesen

Camping-Oase und Stausee-Kamele

IMG_4424

Keine Wüste ist eine ohne Oase. Nachdem wir nahe Assa aus dem Oued Draa entlassen wurden, gingen wir in dieser überraschend aufgeräumten und beinahe hübschen Stadt einkaufen, gaben dem Pferd zu trinken und sorgten dafür, dass seine Hufe neu beschlagen wurden…

… ein Milchkaffee im Straßencafé musste natürlich sein, und zum Abschied winkten uns die beiden Polizisten der Gendarmerie Royale, denen wir kurz erklärt hatten, welchen Weg wir genommen hatten, freundlich zu und riefen: „Ihr seid ja jetzt Marokkaner…“

(Also eigentlich haben an einer Tankstelle den Unimog getankt, den Wassertank aufgefüllt und den Luftdruck auf den Reifen wieder erhöht (dabei bekamen wir das wahrscheinlich weltbeste Couscous angeboten – nämlich eines, das nicht aus einem Restaurant stammte, sondern von Tankwart und Wäscher selbst fabriziert worden war und in der Waschhalle in der Ecke gefuttert wurde… es war natürlich Fleisch drin, also haben wir dankend und bedauernd abgelehnt.)

Vor dem Marjane-Markt stehen einige weiße Wohnmobile überwiegend französischer Herkunft, deren Besatzung ihre Kaufkraft in den Konsumtempel tragen. Und es stehen ein paar marokkanische Buben da, die zielsicher auch uns ansteuern und schnorren. Da haben ein paar Jungs der Umgebung gemerkt, dass man an diesem Ort recht erfolgreich die Hand aufhalten kann. Freilich – die Security des Marktes weiß auch dies, und es dauert nicht lange, da erteilt ein gestrenger Mitarbeiter Platzverweise.

Keine Wüste ist eine ohne Oase – wir finden unsere wenige Kilometer weiter, geradezu zufällig. Ein paar Kilometer außerhalb, ein paar Dörfer weiter, ein paar enge Straßen weiter, unter ein paar eng stehenden Palmen hindurch, an Lehmmauern vorbei. Ein Schild weist zum Camping Ainnakhla, und die Wahl dieses Ortes wird sich als Glücksgriff erweisen – oder eben: Im Universum gibt es keine Zufälle.

Besitzer Salah hat jahrelang in Deutschland gelebt, ist ein immer gut aufgelegter Mann, der einen wunderschönen Campingplatz samt Nebentrakten, Nomadenzelt in der Palmen-Oase Tighmert leitet und die nun wirklich allerbeste Gemüse-Tajine der Welt zum Abendessen in einem ebenso wunderschönen Esszimmer serviert.

Weiterlesen

Im Zeichen der Nomaden

IMG_8552 (2)

Beate vor Kamel-Knochen

In Tan-Tan beginnt nach allgemeinem Verständnis die Westsahara bzw. der Einstieg in die Wüsten bzw. Halbwüsten Marokkos auf dessen westlichen Flanke. In der Geologie wird fein differenziert in semi-aride, aride und hyper-aride Regionen, also Voll- und Halbwüsten und auch Trockensavannen. Generell: 80 Prozent aller Wüsten weltweit sind Fels-, Geröll-, Stein- und Schotterwüsten (“Hammada” oder “Serir”); die von Film, Funk & Fernsehen bekannten reinen Sanddünen (“Erg”) umfassen nur 20 Prozent.

Wozu das Oued Draa zählt, das wir innerhalb von vier Tagen auf einer Piste durchqueren, weiß ich nicht – man spricht von einem Trockenflusstal. Der Draa-Fluss, aus Richtung Ouarzazate kommend, versickert schon hunderte Kilometer östlich bei Mhamid im Sand. Wenn im Frühjahr nach der Schneeschmelze in den Bergen und gelegentlichem Regen das Wasser weiter gen Westen gelangt, so sucht es sich seinen Weg entlang des ausgetrockneten Laufes,… und manchmal auch einen anderen.

IMG_8549 (2)

Wüstenboden mit Rosen von Jericho gesprenkelt

Die Piste quert diesen Trockenfluss mehrfach, was dazu führt, dass häufig Gräben oder größere Abbruchkanten bewältigt werden müssen, bei denen der Pulsschlag schon mal ansteigt. Und manchmal verläuft die Piste eben auch nicht mehr, wo sie im Jahr zuvor noch war – was nach sich zieht, dass selbst bei einem vorhandenen GPS-Track man sich immer wieder die aktuell vorhandene Piste neu suchen muss, was mit teilweise abenteuerlichen Umfahrungen einhergeht.

Weiterlesen

Plastik-Recycling, Zucker-Hack & die Pistenkuh

See und Sand

See und Sand

Der Wüsten-Ort Tah ist in Sichtweite, doch bevor wir auf unserer nunmehr recht klaren Piste die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Teerstraße erreichen, kreuzt noch eine Kamelherde unseren Weg. Die Tiere sind allein unterwegs.

In Tah selbst kaufen wir Trinkwasser in – leider (geht nicht anders ) – Plastikflaschen. Unser ältliches Fahrzeug verfügt nicht über eine dieser modernen Wasserdesinfektionsanlagen, und auch wenn wir noch nie Hygiene-Probleme hatten, so sollte man doch vorsichtig mit dem angeblichen Trinkwasser sein, das einem an Camping- oder Stellplätzen angeboten wird. Wir kochen also das Wasser aus dem großen Tank ab – meistens in Form von Kaffee oder Tee – oder greifen zu Trinkwasser in PET-Flaschen.

Plastikflaschen-Recycling sinnvoller Art

Angesichts der aktuellen Diskussion um Mikroplastik in den Weltmeeren ein Sakrileg – und dennoch wiederum nicht, den in Marokkos ärmlichen Gegenden sind diese Plastikflaschen durchaus begehrt im Sinne eines sinnvollen Recyclings: Die Leute brauchen sie als Behälter für Öle jeder Art (ob für Mensch oder Maschine), Sprit (ob Diesel oder Benzin), für Oliven, für-was-auch-immer oder basteln Einfüllstutzen und anderes daraus. Weiterlesen