Archiv der Kategorie: Coyote Mentoring

Achtsamkeit in der Wildnis

Kämpfe um Leib und Leben sind existentiell, sie gehen in extremer Weise an unsere äußere wie an unsere innere Natur – Körper und Geist/Seele. Alltagskämpfe in Beruf, Familie und Freizeit zerren an den Nerven, “gehen an die Nieren”. Diesen Beanspruchungen und Herausforderungen kann man häufig nicht ausweichen; sie sind oft unvermeidbar. Es geht also darum, die inneren Ressourcen für vielfältige Krisen und Konflikte – also unsere Resilienz – zu stärken.

Schon immer hat die Natur der Erholung und Erfrischung gedient. Die Natur hat die Kraft, uns zu transformieren, unsere Möglichkeiten zu erweitern, die beste Version unserer selbst zu werden. Gehen Mönche und Mystiker nicht seit Jahrhunderten in die Natur, um sich von ihrer Stille und Weisheit inspirieren zu lassen?

Ein Achtsamkeitstraining in der Natur überträgt die bewährten Ansätze und Methodes des MBSR-Achtwochenkurses quasi in die freie Wildbahn. Jeder hat den Zugang zu Mutter Natur, indes geht dieser in unserer digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt mehr und mehr verloren. Stille und Zurückgezogenheit haben keinen Platz in unserer modernen, ruhelosen Welt. Achtsamkeitsübungen in der Natur bringen uns ihren Segnungen und ihrer Führung wieder näher.

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Wildnis-Training: Into the wild. For your self.

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„Ältester“ Oliver (links) mit vier der neun Teilnehmer.

Wir Menschen haben Jahrtausende in der Natur verbracht, mit dem notwendigen Respekt vor ihren Eigenheiten und Gefahren. Evolutionsbiologisch sind wir Teil der Natur und fühlen uns grundsätzlich wohl darin: Beim “Tag der Achtsamkeit in der Wildnis”, ausgerichtet vom Krav Maga Center Frankfurt/Rhein-Main, am vorvergangenen Sonntag ging es darum, dass die Teilnehmer in einer Art Tages-Retreat ihre Sinne schärfen und zu natürlicher Wahrnehmung und zu einem erweiterten Körpergefühl finden, zu mehr Selbst-Bezug, Selbst-Vertrauen und Selbst-Bewusstein.

Also geht es um die Entwicklung der eigenen mentalen Bedingungen – und man kann schlechterdings diese ausbauen und verbessern, wenn man sich selbst schlecht kennt und wenig Bezug zum eigenen Selbst hat.

Inner & outer tracking

Immer geht es dabei um Wahrnehmung – von äußeren Gegebenheiten wie dem inneren Geschehen: In der Wildnispädagogik spricht man von outer tracking und inner tracking – also der Spurensuche im Äußeren wie im Inneren. Und dabei geht es in diesem Kontext um die Entwicklung archaischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie sie den Naturvölkern noch zu eigen sind und die wir industriell er- und verzogene Menschen verloren haben.

Die eigenen Sinne zu entwickeln, das Spüren und Wahrnehmen auf ein höheres Niveau führen, am sechsten Sinn zu arbeiten – das kann man selbstverständlich in Natur und Wildnis besser als in urbaner Umgebung; auch wenn man das Gelernte eher im städtischen Umfeld anwenden mag. Weiterlesen

Wach in der Wildnis

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Reisen können in äußere Landschaften führen – und in innere. Eigentlich ist beides immer gleichzeitig der Fall. Im besten Fall kommen Touren in beide Regionen zusammen zustande. Doch das ist meist nur der Fall, wenn man sich der Wahrnehmung seiner inneren Landschaft bewusst widmet.

Der Wildnispädagoge spricht von „Wilderness Awareness“, dem bewussten Erleben von Natur und Sein in der Natur unter Einschaltung bzw. Aktivierung (für die meisten von uns gilt wohl: Re-Aktivierung) aller Sinne. Auch versucht man als Coyote Mentor bei seinen Schützlingen den Sinn fürs „outer tracking“ – die Spurensuche in der äußeren Landschaft – samt „inner tracking“, also der Spurensuche in der inneren Landschaft zu wecken.

Awareness und Mindfulness

Der Achtsamkeitslehrer kommt dem Wildnispädagogen an dieser Stelle entgegen, und spricht von einer Achtsamkeit, die zwar „awareness“ – also Bewusstheit – beinhaltet, aber mit dem englischen Begriff „mindfulness“ darüber hinaus geht: Achtsamkeit beinhaltet in diesem Kontext eine weitgehende Spurensuche im eigenen Inneren: Das Gewahrsein von Körperempfindungen als Ausdruck emotional-mentaler Regungen, von Geräuschen, von Gefühlsregungen und Gemütszuständen; etwa in Reaktion auf äußere Impulse.

Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit, die eigene Praxis in dieser Hinsicht zu pflegen. An einem kleinen See nahe eines wenig bekannten Ortes im Vogelsberg parkte ich mein mobiles Heim auf vier Rädern am Rande des Ufers, umgeben von Feld und Flur, Wasser und Wald, um ein kurzes persönliches Retreat zu zelebrieren. Ganz unter dem Motto: Me, myself and I. Weiterlesen

Zeitraubender Reise-Alltag

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Grünimog auf Campingplatz in Leonidio

Das Tropfen des Getriebeöls aus der Manschette am Schubrohr des Grünimogs erweist sich morgens als vernachlässigbare Größe. Es bereitet dennoch Sorgen, indes: Die Mückenplage während der Nacht war ernster zu nehmen. Nach einer weiteren Nacht mit kaum Schlaf kommt ein Mittel der Wildnispädagogik zum Einsatz.

Räuchern. Das so genannte smudging ist ein Ritual des Reinigens von bösen Geistern und dem Staub der Landstraße – und wir haben es auf dieser Tour bislang sträflich vernachlässigt. Vielleicht ist das der Grund für die Natur-Attacke?

Salbei & Beifuss vs. Moskitos

Salbei und Beifuß dienten schon bei indianischen Völkern dem (Aus-)Räuchern, und so entzünden wir die Kräuter in einer handtellergroßen Muschel, die zu diesem Zweck im Outdoor-Rucksack lagert. Die Schale mit dem glimmenden Kraut und den Rauchschwaden wird über Kopf und Körper, dann in alle Ecken und Winkel, Schubladen und Schapps des Wohnkoffers geführt.

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Was ist Coyote Mentoring?

Oliver beim Natur-Shooting

Oliver beim Natur-Shooting

Wenn wir reisen, reisen wir, um unterwegs und draußen zu sein. Um näher dran zu sein. Um das Unstete zu leben. Und das Weiterkommen.

Naturwissen und Verbindungen zur Natur wurden bei so genannten archaischen Jäger- und Sammlervölkern von Generation zu Generation weitergegeben. Leben und Lernen war eins, die Überlieferung erfolgte mündlich und als Vermittlung von Erfahrung – eine „Naturalphabetisierung“ in der Schule der Wildnis und des Überlebens. In dieser Welt spielten Texte und Lexika keine Rolle, wohl aber Älteste und Lehrer, die als praktische Vorbilder dienten und die wussten, wie man wichtiges Wissen vermittelt – nicht als trockenen Lehrstoff an der Schiefertafel oder auf dem Computerbildschirm.

Baum am Stausee

Baum am Stausee

Der Knowhow-Transfer erfolgt bei nativen Völkern durch Mentoren: Nicht Lehrer, die direktiv „Stoff“ vortragen und abfragen, sondern ein sanftes Hineinschubsen in eine Aufgabe, ein Erlebnis, eine Anforderung praktizieren. Im Vorübergehen quasi. Mentoren leiten ihre Schützlinge sanft an, bringen sie an ihre Grenzen und weisen verspielt auf das, was jenseits dieser liegt. Weiterlesen