Ranger in Retreat

Gerüst für Schwitzhütte, Ford Ranger mit Wohnkabinen-Aufbau, Schloss-Anlage nahe Hofheim in Unterfranken

Auskuppeln, Handbremse anziehen, Motor aus: Bleibt noch, das Zeltdach der Wohnkabine aufzustellen, was mit ein paar Handgriffen getan ist. Der Ranger nimmt vor Schloß Bettenburg, einem Seminarhaus & Meditationszentrum, Platz; genug Diesel für die Heizung ist an Bord, ebenso genug Strom in den fest verschraubten und den portablen Batterien, 20 Liter Wasser ebenso. Eine Woche Retreat in der kalten und dunklen Jahreszeit ist angesagt – dafür müssen diese Ressourcen reichen, ohne dass das Fahrzeug bewegt wird. (Unbeheizte) Duschen & WC sind in einem Nebentrakt des Schlosses.

Was auch bedeutet: Nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt, tagsüber fünf bis zehn Grad. Die Heizung könnte bei vollem Tank rund um die Uhr laufen, aber das würde die Versorgungsbatterie nach ein paar Tagen Stand und ohne Sonne bei dichten Wolken zur Erschöpfung bringen – denn die Heizung hat ein Gebläse, das elektrisch betrieben wird. Da das Zeltdach der Wohnkabine des Ford Rangers nicht aus isolierendem Stoff besteht, heizt man die warme Luft von unten sozusagen zum Dach hinaus…

Es geht mit (noch) weniger…

Also nutze ich die Heizung nur morgens um 5 Uhr, um aus dem dicken Winter-Schlafsack in die Klamotten zu schlüpfen, sich mit dem eiskalten Wasser das Gesicht zu waschen und bei ein paar Grad einen schnellen Kaffee zu kochen – das schafft auch wohltuende Abwärme vom Gaskocher – und zu trinken. Nachts gegen 22 Uhr geht’s ähnlich zu – schnell mal aufheizen und sich gemütlich schlafen legen; dann wird die Heizung abgestellt (nicht nur, dass das Gebläse strombetrieben ist, es macht auch ziemlich Lärm).

Demgegenüber herrscht an Bord vom Unimog mit seinem Wohnkoffer gerade zu ein komfortables Mobil-Leben. Und jenes mag mancher schon für ziemlich frugal halten. Und wieder einmal die Erfahrung: Es geht mit (noch) weniger; und ist dabei gar nicht sooo unbequem. Vielerorten auf der Welt haben die Menschen sehr viel weniger…

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An Südafrikas Nordseeküste

Nr. 5 am Arniston Seaside Cottage

An den Linksverkehr bei Rechtslenkung kann man sich schnell gewöhnen, tatsächlich fahren die meisten Menschen in Südafrikas Western Province fast schon hawaiianisch entspannt. Ein paar Offenbacher gibt’s immer und überall; und ich frage mich wiederholt, was die Marketing-Abteilung der Firma BMW wohl dabei empfindet, dass der bayerische Autobauer mit dem 3er ein Fahrzeug kreiert hat, dass überall auf der Welt rücksichtslose Vollgasdeppen anzieht. Wer von dieser Brut in Südafrika nicht so viel Geld besitzt, fährt – immer noch – lautstark Golf GTI.

Abgesehen davon findet sich in Südafrika das erstaunliche Phänomen, dass an Kreuzungen vier Stoppschilder stehen – und das nach Reihenfolge der Ankunft gefahren werden darf. Das funktioniert erstaunlich phänomenal reibungslos. Ebenso das yellow line driving – auf zweispurigen Straßen ist der Randstreifen mit einer gelben Linie abgegrenzt und darf befahren werden, wenn man schnellere Fahrzeuge überholen lassen will, ohne dass diese auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen. „Danke“ und „bitte sehr!“ werden dabei durch kurzes Antippen der Warnblinker bzw. der Lichthupe freundlich signalisiert. Aber, obacht!, auf dem Randstreifen steht schon mal ein Pkw oder Lkw oder kommen Fußgänger entgegen.

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Auf der Route 62 in die kleine Karoo

Swartbergpass
Swartbergpass-Straße

In Reiseführern wird die Route 62, die durch die Halbwüste der kleinen Karoo bis nach Port Elizabeth führt, gerne mit der US-amerikanischen Route 66 verglichen… liest sich nett, die Ortschaften, durch die sie führt, sind es auch – ansonsten: ein Marketing-Trick. In „Ronnies Sex Shop“ waren wir für ein schnelles Savannah Light, das reicht.

Die Route 62 führt u.a. durch die Weingroßhandlung Robertson, wo wir im Café Rosa ein kleines spätes Frühstück nehmen und uns über die Sinnsprüche im Gastraum und auf der Toilette freuen; diese lassen vermuten, dass dieses Café für eben jenes „am Rande der Welt“ als Vorbild gedient haben könnte, das Autor John Strelecky beschrieben hat. Den im Reiseführer empfohlenen Abzweig nach McGregor fahren wir nach und erreichen eine sich in die Berge windende Schotterpiste, die mal eine Straße zum auf der anderen Gebirgsseite liegenden Greyton werden sollte – aber dieses nie erreicht hat.

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Nr. 5 lebt: DAMPH-WP

Es ist heiß geworden, endlich. Vielleicht 36 bis 38 Grad… das gilt in der sommerlichen Karoo als, hm, warm. Der nicht neue, aber neu erworbene Land Rover 110 Defender, steht in der prallen Sonne; die Riffelbleche der seitlichen Trittbretter scheinen zu glühen. Aber mit dem aufgestellten Zeltdach passt er nicht unter die Schatten spendenden Schilfrohrdächer.

Willkommen im Fahrzeugpark des Amphibiums: Des 110ers interner Name lautet Nr. 5, weil er nach Daihatsu Copen & MG F (Kein Urlaub, sondern Leben), Unimog & Land Rover 90 Defender eben das fünfte ist. „Nr. 5 lebt!“, heißt es, und das tut er im südafrikanischen Stellenbosch, als wir ihn zum ersten Mal unter den eBay-Kleinanzeigen entdecken. 2004er Baujahr TD5: manch beinharter Old School-Land Rover-Fan legt da die Stirn in Dackelfalten – ihm gelten nur TD4 und TDi etwas.

Aber wir haben ja schon einen TD5 – nämlich den kurzen 90er Defender mit Soft Top, der uns auf unserer ersten Wüsten-Reise durch Marokko getragen hat (hier entlang…) und der seit Jahren mein Alltagsfahrzeug in Deutschland ist. Zwischen dem 90er und dem 110 besteht fahrzeugtechnisch von der Basis her – außer dem Radstand – kaum ein Unterschied; ich kenne mich also damit halbwegs aus.

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Kein Urlaub, sondern Leben

MGF Cabrio – Tour in Nordportugal

Spanien ist so etwas wie meine zweite Heimat. Meine Mutter lebt seit Jahrzehnten dort, zusammen mit ihrem spanischen Lebensgefährten (der wiederum so etwas wie mein Ersatz-Vater ist). Und mit diesem begann mein Faible fürs Reisen: Als ich etwa 17 Jahre alt war, fuhr er mit seinen drei Söhnen und mir als Teenager mit seinem VW 1600 Variant Kombi in einen mehrwöchigen Zelt-Urlaub gen Südfrankreich und Spanien.

Die übliche Tour, inkl. Auf- und Abbau der Zelte im Regen. Vermutlich kann ich aufgrund dieser Erfahrungen bis heute wenig mit Zelten anfangen und ziehe das feste Dach eines Reisemobils vor. Aber den Reise-Virus habe ich mir eingefangen, besonders wenn man von einem Ort zum anderen weiterzieht.

Zelten muss nicht immer ästhetisch sein

(Es gab damals eine TV-Serie namens „Die Globetrotter“ – ein Text- und ein Fotojournalist erleben Abenteuer bei ihrer Weltreise -, die auch nicht unwesentlich dazu beigetragen hat).

Das ist mehr als vier Jahrzehnte her, wir Schüler und späteren Studenten gingen in den „Spanier“ – eine Kneipe mit urwüchsigem galizischen Bahnhofscharme, in der geraucht und die Kippen auf den Boden geworfen wurden. Man konnte die Füße hochlegen, Café Carajillo trinken, Vino Tinto und dünnes San Miguel-Bier sowieso. Für unsere schmalen Geldbeutel waren die Tapas bezahlbar.

Der „Spanier“ – mit ihrem richtigen Namen haben wir die Kneipe nie genannt – war der Zufluchtsort von Ordnung und Disziplin der eigenen Familie. Man durfte da alles, was man dort nicht durfte, inkl. Füße auf den Tisch legen und den Esstisch dreckig hinterlassen. Im „Spanier“ gehörte das einfach dazu – dort ging es laut und lässig zu.

Und so ist es eigentlich immer geblieben. Ich war in vielen Ländern mittlerweile, aber Spanien wäre der Raum, in dem ich bliebe. Wo ich bleiben würde. Die zweite Heimat eben. Zwei Gegenden haben es mir dabei besonders angetan, die weit auseinanderliegen, in vielerlei Hinsicht, nicht nur geografisch: Galicien im Nordwesten, Andalusien im Süden.

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