Archiv der Kategorie: Geschichte des Tages

Bushmen: Ein primitives Volk?

Campsite No. 4 "Chimelo" in Okonjima
Ausblick der Campsite No. 4 „Chimelo“ in Okonjima

Die San haben eine gewisse Bekanntheit als „Kalahari Bushmen“ erlangt, in Namibia zählen sie zu den ursprünglichen Völkern. Bekannt geworden sind sie durch ihre ursprüngliche Lebensweise nahe und im Einklang mit der Natur – und ihre Ausdauer-Hetzjagden auf Beute-Tiere: Sie rennen über Stunden und Tage Antilopen zu Tode.

Eine solche Leistung hat uns als frühere „Ironman“-Triathleten und heutige Wildnispädagogen natürlich beeindruckt. Das so genannte Coyote Mentoring ist maßgeblich von der nordamerikanisch-indianischen Naturauffassung geprägt, aber auch von der anderer nativer Völker auf dem Globus: tatsächlich den San etwa (tatsächlich habe ich ein paar Versuche unternommen, mit einem selbstgebauten leichten Speer und einem Trinkrucksack querfeldein zu rennen).

BBC-Film über Ausdauer-Hetzjagd

In Okonjima besteht die Möglichkeit, mit zwei Guides einen zweistündigen Bushmen-Trail zu gehen und einiges über dieses faszinierende Volk zu lernen – und selbstverständlich lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen. Peter und Maliki sind kleine Männer, ob sie den Bushmen entstammen, bleibt unklar. Sie tragen zwei eingerissene, abgeschabte Tragesäcke aus Springbock-Haut bei sich, in denen sich die typischen Ausrüstungsgegenstände eines wandernden Bushman befinden (und beide besitzen ein modernes Smartphone, auf das sie dann und wann verstohlen starren).

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Verloren in der Weite

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Sand-Wüste

Manchmal passieren Ungereimtheiten. Es klopft morgens an der Tür, und jemand in einem blauen Marinepullover und blauer Stoffhose steht davor und meint, er wäre Polizist – er wolle Reisepass und Fahrzeugpapiere sehen. Das ist in Marokko gang und gäbe, und besonders in der Westsahara.

Südlich von Tan-Tan wird die Kontrolldichte durch Polizei und Militär deutlich größer, wir stehen in Foum el-Oued,also am Meer nahe Laayoune, und der Westsaharakonflikt verkörpert sich in Uniformträgern. Dieser hier weist sich nicht aus, er sieht nicht nach Surete National oder Gendarmerie Royale aus. Immerhin spricht er etwas englisch.

Reisen ist eine Gedulds-Übung

In Deutschland würde ich ihn nach einem Dienstausweis fragen. In fernen Ländern ist man auf das Wohlwollen der örtlichen Behörden angewiesen, man will sich das nicht leichtfertig verscherzen. Man mag sein Recht bekommen, zumal die Ordnungskräfte in Marokko angewiesen sind, die europäischen Touristen zuvorkommend zu behandeln. Aber Gezeter um Formalia kostet Nerven, und viel schlimmer: Zeit.

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Ein Freund im Wasser

Der See

Der See I

 

Schließlich habe ich ihn gesehen, meinen Freund. Seine Spuren hatte ich rundum den See entdeckt – schwer zu übersehen waren sie. Ein Wechsel führte zwischen Schilfhalmen und Gräsern aus dem Wasser an Land, ein ausgetrampelter Pfad zeugte von seinem Weg zu jungen Bäumchen, die er spitz zugenagt hatte. Wie kleine Pfähle, die auf eine mittelalterliche Folterprozedur warteten, ragten sie aus dem Boden.

Ich warte frühmorgens am Ufer des Sees. Der Nacht weicht zögerlich dem Nebel, aus dem Dunkel wird Dunst. Schwaden ziehen über den See; das Fernglas liegt in meiner Hand. Eine Lerche, die Tagverkünderin, wie sie Romeo bei Shakespeare bezeichnet, singt im Baum droben.

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Alltag unterwegs: Campingplatz

campingplatz ioanninaVor knapp 40 Jahren zog ein junger Vater mit seinen drei Söhnen im Kindesalter und einem 16-jährigen Jungen, Sohn eines befreundeten Nachbarn, los: Den VW 1600 Variant bis unter die Oberkante zusätzlich gepackt mit Zelt, Schlafsäcken, Luftmatratzen, Kocher, Gepäck, Lebensmitteln.

Ich war der Halbwüchsige, und zelten auf urwüchsigen Campingplätzen war die große Freiheit und das große Abenteuer. Heutzutage sind Campingplätze ADAC-prämiiert, verfügen über Hotel-Standard und sind dicht gedrängt mit hochpreisigen weißen Wohnmobilen befüllt – die TV-Satellitenschüssel darf nicht fehlen.

Infrastruktur des Campingplatzes

Das freie Stehen bzw. wilde Campen, steht nunmehr für Abenteuer und Freiheit. Am besten an schwer zugänglichen Plätzen, die die Weißwomo-Invasion nicht zu erreichen vermag. Und dennoch ist auf den Campingplatz nicht zu verzichten.

Dass der Preis für die Übernachtung auf dem Campingplatz (oder alternativ auf einem Stellplatz) entrichtet wird, hat vor allem mit dessen Ver- und Entsorgungseinrichtungen zu tun: Frischwasservorräte auffüllen. Grauwasser ablassen. Bordtoilette entleeren. Den Wohnraum mal gründlich von Sand, Staub und Schmutz reinigen. Wäsche richtig waschen. Ausgiebig duschen.

Campingplatz als Ausgangsbasis

All das geht unterwegs irgendwo irgendwie auch. Aber ein Campingplatzstopp – bei sechs Wochen on tour haben wir zweimal für je eine Übernachtung auf einem Campingplatz gestanden – lässt all das in einem Rutsch erledigen. Ab und zu muss das sein.

Nachdem wir in Ioannina schon eine Nacht am See wild gecampt haben, zieht es uns aus einem weiteren Grund nunmehr auf den Campingplatz dieser Stadt mit einer 112.000 Einwohnern und einer Universität: Der Grünimog hat ein Brems- oder Kupplungsproblem – und das Campingplatzpersonal kann bestimmt etwas über Mercedes-Mechaniker bzw. Lkw-Werkstätten in der Umgebung sagen.

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Wanderungen an Vikos & Voidomatis

Vikos-Schlucht vom Ochia-Punkt gesehen

Vom Ochia-Aussichtspunkt gesehen, einer Art mauerbefestigter Balkon mit angeschlossener reisebusfester Parkbucht, fällt die Vikos-Schlucht rund 900 Meter in die Tiefe… so senkrecht vor den Füßen und Augen, dass auch trittsicheren und schwindelfreien Menschen das Kribbeln die Beine in den Magen hochschießt.

Vom Ort Mononendri führt ein anfänglich unbequem gepflasterter Weg hinunter. Zu diesem Zeitpunkt möchte der Wanderer glauben, so ginge es weiter steil hinunter und am Schluchtgrund das Flüsschen gleichen Namens entlang weiter. Aber die etwa zehn Kilometer zwischen Mononendri und dem Ort Vikos haben es durchaus in sich.

Es gibt einige Passagen zu klettern, zu kraxeln, zu krabbeln, ebenso wie schmale, bröckelige, geröllige Stellen, während der Pfad sich vorwärts windend mal höher, mal tiefer, mal am Schluchtgrund verläuft. Fünf bis sieben Stunden sind dafür zu kalkulieren. Verlaufen kann man sich nur schwerlich dabei; schon gar nicht, wenn man eine Wanderkarte des gesamten Gebietes in einem der Touri-Tinnef-Läden in Mononendri erwirbt.

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