Archiv der Kategorie: Geschichte des Tages

Verloren in der Weite

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Sand-Wüste

Manchmal passieren Ungereimtheiten. Es klopft morgens an der Tür, und jemand in einem blauen Marinepullover und blauer Stoffhose steht davor und meint, er wäre Polizist – er wolle Reisepass und Fahrzeugpapiere sehen. Das ist in Marokko gang und gäbe, und besonders in der Westsahara.

Südlich von Tan-Tan wird die Kontrolldichte durch Polizei und Militär deutlich größer, wir stehen in Foum el-Oued,also am Meer nahe Laayoune, und der Westsaharakonflikt verkörpert sich in Uniformträgern. Dieser hier weist sich nicht aus, er sieht nicht nach Surete National oder Gendarmerie Royale aus. Immerhin spricht er etwas englisch.

Reisen ist eine Gedulds-Übung

In Deutschland würde ich ihn nach einem Dienstausweis fragen. In fernen Ländern ist man auf das Wohlwollen der örtlichen Behörden angewiesen, man will sich das nicht leichtfertig verscherzen. Man mag sein Recht bekommen, zumal die Ordnungskräfte in Marokko angewiesen sind, die europäischen Touristen zuvorkommend zu behandeln. Aber Gezeter um Formalia kostet Nerven, und viel schlimmer: Zeit.

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Ein Freund im Wasser

Der See

Der See I

 

Schließlich habe ich ihn gesehen, meinen Freund. Seine Spuren hatte ich rundum den See entdeckt – schwer zu übersehen waren sie. Ein Wechsel führte zwischen Schilfhalmen und Gräsern aus dem Wasser an Land, ein ausgetrampelter Pfad zeugte von seinem Weg zu jungen Bäumchen, die er spitz zugenagt hatte. Wie kleine Pfähle, die auf eine mittelalterliche Folterprozedur warteten, ragten sie aus dem Boden.

Ich warte frühmorgens am Ufer des Sees. Der Nacht weicht zögerlich dem Nebel, aus dem Dunkel wird Dunst. Schwaden ziehen über den See; das Fernglas liegt in meiner Hand. Eine Lerche, die Tagverkünderin, wie sie Romeo bei Shakespeare bezeichnet, singt im Baum droben.

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Alltag unterwegs: Campingplatz

campingplatz ioanninaVor knapp 40 Jahren zog ein junger Vater mit seinen drei Söhnen im Kindesalter und einem 16-jährigen Jungen, Sohn eines befreundeten Nachbarn, los: Den VW 1600 Variant bis unter die Oberkante zusätzlich gepackt mit Zelt, Schlafsäcken, Luftmatratzen, Kocher, Gepäck, Lebensmitteln.

Ich war der Halbwüchsige, und zelten auf urwüchsigen Campingplätzen war die große Freiheit und das große Abenteuer. Heutzutage sind Campingplätze ADAC-prämiiert, verfügen über Hotel-Standard und sind dicht gedrängt mit hochpreisigen weißen Wohnmobilen befüllt – die TV-Satellitenschüssel darf nicht fehlen.

Infrastruktur des Campingplatzes

Das freie Stehen bzw. wilde Campen, steht nunmehr für Abenteuer und Freiheit. Am besten an schwer zugänglichen Plätzen, die die Weißwomo-Invasion nicht zu erreichen vermag. Und dennoch ist auf den Campingplatz nicht zu verzichten.

Dass der Preis für die Übernachtung auf dem Campingplatz (oder alternativ auf einem Stellplatz) entrichtet wird, hat vor allem mit dessen Ver- und Entsorgungseinrichtungen zu tun: Frischwasservorräte auffüllen. Grauwasser ablassen. Bordtoilette entleeren. Den Wohnraum mal gründlich von Sand, Staub und Schmutz reinigen. Wäsche richtig waschen. Ausgiebig duschen.

Campingplatz als Ausgangsbasis

All das geht unterwegs irgendwo irgendwie auch. Aber ein Campingplatzstopp – bei sechs Wochen on tour haben wir zweimal für je eine Übernachtung auf einem Campingplatz gestanden – lässt all das in einem Rutsch erledigen. Ab und zu muss das sein.

Nachdem wir in Ioannina schon eine Nacht am See wild gecampt haben, zieht es uns aus einem weiteren Grund nunmehr auf den Campingplatz dieser Stadt mit einer 112.000 Einwohnern und einer Universität: Der Grünimog hat ein Brems- oder Kupplungsproblem – und das Campingplatzpersonal kann bestimmt etwas über Mercedes-Mechaniker bzw. Lkw-Werkstätten in der Umgebung sagen.

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Wanderungen an Vikos & Voidomatis

Vikos-Schlucht vom Ochia-Punkt gesehen

Vom Ochia-Aussichtspunkt gesehen, einer Art mauerbefestigter Balkon mit angeschlossener reisebusfester Parkbucht, fällt die Vikos-Schlucht rund 900 Meter in die Tiefe… so senkrecht vor den Füßen und Augen, dass auch trittsicheren und schwindelfreien Menschen das Kribbeln die Beine in den Magen hochschießt.

Vom Ort Mononendri führt ein anfänglich unbequem gepflasterter Weg hinunter. Zu diesem Zeitpunkt möchte der Wanderer glauben, so ginge es weiter steil hinunter und am Schluchtgrund das Flüsschen gleichen Namens entlang weiter. Aber die etwa zehn Kilometer zwischen Mononendri und dem Ort Vikos haben es durchaus in sich.

Es gibt einige Passagen zu klettern, zu kraxeln, zu krabbeln, ebenso wie schmale, bröckelige, geröllige Stellen, während der Pfad sich vorwärts windend mal höher, mal tiefer, mal am Schluchtgrund verläuft. Fünf bis sieben Stunden sind dafür zu kalkulieren. Verlaufen kann man sich nur schwerlich dabei; schon gar nicht, wenn man eine Wanderkarte des gesamten Gebietes in einem der Touri-Tinnef-Läden in Mononendri erwirbt.

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Abbruch in Albanien

MG-Bunker am Strand

MG-Bunker am Strand

Der Ausflug nach Albanien währt nur kurz. In einem kleinen Bergdorf mit engen Kurven bei steilem Anstieg muss ich den Unimog hin und her manövrieren. Als ich ihn am Ortsausgang parke, ist deutlich ein pfeifendes und blubberndes Geräusch am linken Vorderradgelege zu hören.

Achsöl läuft den Reifen runter. Zumindest solange der Allrad-Antrieb eingeschaltet ist. Dabei verlieren wir Druckluft. Wir kommen der Sache nach eingehender Begutachtung nicht wirklich näher – und beschließen, in Richtung Griechenland umzudrehen. Angetrieben nur mit der Hinterachse, was auf normalen Wegen kein Problem ist, auch wenn sie in schlechtem Zustand sind.

Pannen-Problem in Albanien

Aber: In Albanien spricht kaum jemand englisch. In Griechenland sprechen viele Menschen ein gutes Englisch und häufig ein noch besseres Deutsch. In Griechenland sieht man viele MAN- und Mercedes-Lkws, fährt an Militär- und Feuerwehrstützpunkten vorbei, auf dessen Höfen Unimogs zu sehen sind.

Eine Panne in Griechenland, so stetig unsere Einschätzung, dürfte dort einigermaßen gut in den Griff zu kriegen sein. In Albanien kann man auf solcherlei nicht unbedingt spekulieren. Ich mache Fortschritte als Selfmade-Kfz-Mechanikerslehrling; aber für größere Probleme reicht das nicht.

Albanien, generell, ist als Offroad-Paradies in Europa bekannt – aber für kleine Fahrzeuge wie Land Rover und Toyota. Für die Gelände-Lkws weisen zu viele spektakuläre Strecken Schwierigkeiten hinsichtlich Durchfahrts-Breite oder -Höhe auf. So hat beispielsweise die in der Fernreisen-Szene relativ bekannte Pistenkuh ihr Standard-Fahrzeug, einen Steyr-Truck, bei ihrer Albanien-Tour zuhause gelassen und extra für kleines Geld einen Hyundai Galloper erstanden.

Eigentlich wollten wir erkunden, wie weit und wohin wir mit dem Unimog kommen. In den Pyrenäen hatten wir schon einige atemberaubende Engstellen gemeistert bzw. hatten Vertrauen in die Fahrkünste des Lenkers und das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Einweiserin sowie die Manövrierfähigkeit des Unimogs bei sehr begrenzten Platzverhältnissen gewonnen.

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