In Betta wird es sich begeben, dass ich nachts mich mit einem Riesenvieh von Hund unterhalte und Beate morgens einen Gemsbock streichelt. Betta heißt tatsächlich Betta, liegt irgendwo auf dem Weg von Lüderitz gen Walvis Bay an der C27 (in Helmeringhausen links abbiegen), und könnte als Paradebeispiel für diese „somewhere in the middle of nowhere„-Orte herhalten, die in Hollywood-Western als Kulisse dienen – bis hin zu Rindern, Viehgattern und im Wind sirrenden Propellern auf schmalen Metallfüßen; plus Gas Station.
Hudson-Wrack am Eingang der Geisterschlucht bei Klein-Aus
Der Weg zur Fish River Lodge ist one-way – also geht es gen Lüderitz erst einmal den gleichen gewundenen 4×4-Trail zurück, auf dem wir zum Canyonrand gelangt sind. Nach rund acht Kilometern biegen wir links ab auf die D463, eine breite Schotterpiste – solcherlei Strecken gelten in Namibia schon als gut ausgebaute Landstraße. Auf ihr rollen wir durch dramatische Landschaft nach Norden.
Wie immer ist Aufmerksamkeit beim Fahren angebracht, auch wenn man weithin allein zu sein scheint: Das Reifenmaterial wird auf Schotter belastet, ein platter Pneu ist jederzeit möglich. Außerdem steigt die Herzfrequenz vor Kuppen ein wenig – wir sind mittlerweile routiniert & souverän im Linksverkehr unterwegs, die Einheimischen sind es sowieso; aber immer wieder gibt es Frontalcrashs, weil unerfahrene Touristen viel zu schnell unterwegs sind, obendrein auf der verkehrten Fahrbahnseite.
Fish River Lodge – Karas
Karas – Klein-Aus
Klein-Aus – Lüderitz
Die Einheimischen wissen auch, wann zu welcher Jahreszeit welche Wildwechsel anstehen, und in welcher Beschaffenheit die Piste derzeit ist, wo sie mehr oder weniger ausgewaschen ist, wo sie mehr oder weniger Wellblech und Abrisskanten aufweist, wie die Kurve hinter einer unüberschaubaren Kuppe verläuft, und wann der „Grader“ das letzte Mal den Schotter planiert hat.
Der Fish River Canyon gilt als einer der touristischen Höhepunkte in Namibia, auch bei den Reise-Anzeigen in der „ADAC-Motorwelt“ wird er genannt. Da wir nicht unbedingt gerne dort sind, wo sich andere auf den Füßen rumtrampeln, haben wir ihn bei unserem Namibia-Besuch im Januar bewusst ausgelassen. Andererseits haben in Südafrika teil-ansässige Freunde sehr von der Fish River Lodge am oberen Canyon-Rand geschwärmt…
Manche Orte muss man einfach gesehen haben; im Falle der Fish River Lodge zumindest für eine Übernachtung, denn dort kann man nicht campen und die Unterkunft ist so traumhaft schön wie alptraumhaft teuer. Was nicht nur am Aspekt der Profitmaximierung liegt, sondern auch an ihrer Abgelegen- und schweren Zugänglichkeit: Alles muss aufwändig über lange Pisten und gewundene Kilometer in Pick-up Trucks transportiert werden. Das hat, ähemm, den Vorteil, dass es kein Ort für Massen- oder Billigtourismus ist.
Von Okambara aus lässt sich die Distanz nicht in einem Rutsch fahren, also legen wir einen Übernachtungsstopp in der Kalahari Anib Lodge ein. Auf der nebenstehenden Karte lässt sich erkennen, dass wir dabei auf einer Neben-Piste durch die Kalahari-Wüste fahren, die als solche gerne bezeichnet wird, aber im Wesentlichen keine ist – sondern eher Halbwüste oder Trockensavanne. In der Wikipedia heißt es dazu:
Die Kalahari (auch Kgalagadi) ist eine Dornstrauchsavanne, teilweise auch Trockensavanne, wird aber gelegentlich wegen des vorherrschenden Sandes als Wüste bezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kalahari
Wenn man sich mit den geografischen Begriffen Voll- und Halbwüste, Dornstrauch- und Trockensavanne, Steppen etc. beschäftigt, wird man feststellen, dass auch unter Fachleuten die Begriffe uneinheitlich genutzt werden. Wann und wie und wo tatsächliche Wüsten beginnen, wann und wie und wo Savannen und Steppen – das versuche ich seit Wochen auch mit Hilfe von Fachbüchern herauszufinden…
Was willst du denn an deinem 60. Geburtstag machen? Hat Ehefrau und Fellow Traveller Beate gefragt. Noch einmal nach Namibia, lautete die Antwort, also meine. Im Januar erst waren wir zu unserem Erstling in der früheren deutschen Kolonie gewesen (siehe hier… und hier… und hier… und hier… und hier… und hier…)
Na denn, noch mal.
Namibia-Kundige wissen, dass man nach dem langen Übernachtflug von Frankfurt nach Windhoek nicht übernächtigt ins (Miet-) Auto steigen und hunderte Kilometer Schotterpiste angehen soll: Da sind tatsächlich schon viele Touristen, die ihr Können und ihre Kenntnisse, was ein allradgetriebenes Fahrzeug und was nicht, überschätzt haben, nicht mehr nach Hause gekommen.
Beim Automieter gibt es Windhoek eine traurige Toten-Tafel an der Wand – und auf die, die es leicht oder schwer verletzt überlebt haben, kamen saftige Rechnungen für zerstörte Fahrzeuge zu. An Bord der Autos sind GPS-Recorder, die gnadenlos aufzeichnen und Insassen wie Vermietern vermelden, wer sich an die rigorosen Tempolimits nicht hält.
“Mal sehen, ob er dieses Mal mehr als 50 Kilometer weit kommt”, habe ich zum Werkstattmeister frotzelnd gesagt. Hätte ich wohl nicht tun sollen: Das Schicksal erweist sich ob solcher Unbotmäßigkeit als ungnädig und führt ein heftiges Krachen herbei.
Ein Krachen, von dem später der hinter meinem Unimog herfahrende Nachbar sagen wird, dass es so laut gewesen sei, dass er in seinem Ford Ranger zusammengezuckt sei. Ein Krachen, das so ungewöhnlich gewesen sei, dass er zum Mobiltelefon griff und die beste Ehefrau von allen, also meine, sofort anrief, um ihr mitzuteilen, dass das große grüne Ungetüm soeben auf den Parkplatz der örtlichen Sparkassenfiliale eingebogen und dort ausgerollt sei…
Stillstand an der Sparkasse
Tatsächlich hatte es keine 500 Meter nach Motor-Start gedauert, bis beim Schaltvorgang besagtes Krachen zu vernehmen war, und danach sich die Gänge nur noch schwer, klemmend, krachend oder gar nicht einzulegen waren… Kurz hatte ich noch Hoffnung, aber dann musste mitten auf der Hauptstraße eine schnelle Entscheidung getroffen werden: Weiterrollen und nach Stillstand mitten auf der Pendlerachse ein veritables Hindernis zu bilden oder das Lenkrad nach links rumzureißen und auf den Sparkassen-Parkplatz einzuschwenken.
Seit den 80er Jahren in Hanau, und damit Hessen, obendrein mittendrin in der sich formierenden Alternativbewegung – und rund 40 Jahre später erst vom Herzberg-Festival gehört? Dem wohlbekannten (Alt-)Hippie-Treffen in der Nähe von Fulda, also keine 100 Kilometer entfernt von Hanau? Auch das kann passieren, so offensichtlich wie peinlich…
Das Burg-Herzberg-Festival, auch Bonsai–Woodstock, ist ein Musik- und Literaturfestival der Hippie-Kultur im Breitenbacher Ortsteil Gehau. Das Burg-Herzberg-Festival ist mit 12000 Besuchern das größte Freiluft-Hippie-Festival Europas.
In den 80er Jahren habe ich einmal mit einem damaligen Freund einen Urlaub auf der Balearen-Insel Menorca verbracht, und zwar in einer kleinen Bucht mit kleinen und großen Höhlen: Dort, wie bei einem Einkaufsausflug in die Hauptstadt Mahon eine deutsche Touristenfamilie auf die Antwort zur Frage, wo wir denn untergebracht seien, „die nackerten Leut‘ wohnen“ meinte… Tatsächlich liefen auf der anderen Seite der Bucht wenig bis gar nicht gekleidete, gesund braun gebrannte Menschen jüngeren Alters samt Kindern herum, an deren Füßen befestigte Glöckchen klingelten.