Wie wäre es, der Realität trotzig ins Gesicht zu sehen? Versuche mal das Experiment, auf nachstehende Frage so zu antworten, als ob es ein Bewerbungsgespräch wäre: Wo sehen Sie sich in vier Jahren? Antwort vielleicht: …
- CDU/AfD-Regierung
- gemäß dem, was Politikwissenschaftler & Militäranalytiker sagen: Putin ante portas (intensivierter hybrider oder gar voller Krieg; Sabotage von Strom-, Wasser-, Wärme-Bereitstellung, sowie (öffentlichen) Verkehrsstrukturen; Raketen-/ Drohnen-Einschläge, weil Deutschland Aufmarschgebiet und Logistik-Hub für eine Front im Osten wäre…)
- mehr Hitze, Dürre, Trockenheit, Missernten (damit auch Lebensmittelmangel bis hin zu Hungersnöten in Europa wie weltweit), Unwetter, Stürme, Überschwemmungen…
Was wird in zehn Jahren sein? Was in 20 Jahren?
Auf Reisen erlebt man viele Dinge direkt, über die man sonst nur etwas in den Nachrichtenmedien sieht/hört/liest. Die Rezeption bleibt bei letzterem Zugang zwangsläufig distanziert, die Reaktion auch. Unmittelbar konfrontiert sieht vieles anders aus, und das führt manchmal dazu, das bigger picture wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund hier der vierte von fünf Teilen einer kleinen Serie zu blooming statt dooming.
Also, was kann man tun? Erste, schlechteste Lösung: Kopf in den Sand stecken. Sondern vielleicht anfangen, Denken & Verhalten zu anzupassen.
(Wer mal einige Zeit in einer Studenten-WG gelebt hat, hat ja Erfahrung und damit Vorteile. Stichworte: mangelnde Ressourcen, fragwürdige Hygiene, Improvisieren von Essen, ermüdende Diskussionen, Kooperation… Eigentlich hat man damals schon was gelernt, was man wieder anwenden kann. ;-) )
Wie wäre es damit, mal etwas loszuwerden: Tätigkeiten oder Besitz, die Aufmerksamkeit und/oder Geld beanspruchen, oder die irgendwie unwürdig sind – um Platz für Wichtigeres zu schaffen? Fähigkeiten & Fertigkeiten etwa, gute Beziehungen vielleicht?
Autonomie und drei Optionen
Es geht schließlich darum, Autonomie zu gewinnen. Wir haben viel an staatliche und Wirtschaftssysteme ausgelagert. Aus Südafrika zumindest ist mir bekannt, dass die dortigen Systeme so korrupt oder heruntergewirtschaftet sind, dass die Begüterten, die es sich leisten können (!), ihre eigenen Strukturen aufbauen – etwa solarbasierte Offgrid-Stromerzeugung etwa; eigene Wasser-Bohrlöcher (auch in Städten).
Zu Wasser(-Aufbereitung) & Wärme lässt sich einiges selbst organisieren und für Notfälle etablieren: Bitte konsultieren Sie den Outdoor- und Campinghändler ihres Vertrauens! Zumindest ein Plan für „was wäre, wenn…“) entwickeln. Auch hier gilt: Wenn Wasser & Wärme ausfallen, wäre es hilfreich, wenn man schon Kenntnisse, Mittel & Möglichkeiten parat hätte. Und nicht erst im eingetretenen Fall auf die Idee kommt. Stress entsteht immer durch Ausweglosigkeit – eine Regel, die ich in meiner NLP-Ausbildung gelernt habe, lautet: Habe immer mindestens drei Wahloptionen. Damit beginnt Handlungsfreiheit.
(Man kann derzeit sehr viel von den Menschen in der Ukraine lernen – bei Eiseskälte ohne Heizung, Strom, Wasser leben.)
Man könnte auch mehr Selbstständigkeit in puncto auf sich selbst als Bio-System gewinnen: Mehr über Ernährung wissen (und dieses Wissen anwenden), mehr über medizinisch relevante Themen, mehr über Gesundheitsprävention (Qi Gong, Tai Chi, Yoga etc.), mehr über seine körperlich-geistig-seelischen Vorgänge & Zusammenhänge und über Stress-Bewältigung (etwa über einen MBSR-Kurs oder diverse Entspannungstechniken).
Keep it simple & stupid
Kurzum: Lernen, sein Schicksal mehr in die eigene Hand zu nehmen – in puncto Ernährung, Gesundheit, Energie-Bereitstellung. Bei Touren im afrikanischen Busch fällt mir immer wieder auf, mit wie wenig Elektrizität ich auskomme – im Vergleich mit Zuhause, wo der Strom selbstverständlich aus der Steckdose kommt. Unterwegs geht es nur um die Kühlung von Lebensmitteln und den portablen Mini-Universalcomputer, den man „Smartphone“ nennt und der Kommunikation & Korrespondenz, Navigation & Orientierung, Fotografie & Video, sowie Medienkonsum bedient.
Oder: Wie wäre es mit dem Experiment, nur so viel Wäsche zu nutzen, wie man Handwaschen kann und/oder auf den Wäscheständer geht? Oder mit dem 3-T-Shirt-Prinzip? Eins wird getragen, eins ist in der Wäsche, das dritte trocknet gerade. Solcherlei als Übung – man kommt dann schon auf ähnliche Ideen, die sich auf andere Felder übertragen lassen.
Kooperation und Tauschhandel
Man könnte aber auch üben, anders an Dinge heranzugehen. Zum Beispiel: Mir erscheint, dass ein paar von unseren überzähligen Fahrrädern zu verkaufen, sinnvoll ist: Wir nutzen sie nicht, aber vielleicht sind sie für jemanden nützlich, sie beanspruchen Platz in unserer Garage, mit dem Erlös könnte ich die Reparatur zweier anderer Räder gegenfinanzieren etc. Freilich: Heutzutage kriege ich bei all dem Überfluss der Wegwerfgesellschaft kaum 300 Euro für ein gut ausgestattetes Crossbike mit Qualitäts-Komponenten. Dabei geht es um tolle Allround-Räder, genauso schnell wie geländegängig.
Aber: In einem nicht allzu fernen Übermorgen werden diese Räder kostbare Gegenstände sein, wenn sich Leute die Spritpreise und vieles andere nicht mehr werden leisten können und sich gezwungen sehen, zu radeln. Und wenn es kein Geld mehr geben sollte, werden unsere Crossbikes hervorragende Tauschobjekte darstellen – mit einem Wert, der über die jetzt erzielbaren jeweils maximal 300 Euro weit hinausgeht.
(Übrigens wird in der Prepper-Szene durchaus diskutiert, dass das ideale Bugout-Vehicle kein grosshubiger Verbrenner ist – sondern ein gutes Fahrrad mit einem windschlüpfrigen Anhänger (so was: https://www.amazon.de/taXXi-Fahrradanh%C3%A4nger-Tiefergelegter-Lastenanh%C3%A4nger-Transportanh%C3%A4nger/dp/B0C4C32VF8).
Ebenso: Gemeinschaften bilden, an den Nachbarschaftsstrukturen arbeiten. Egal, ob man die Leute mag oder nicht oder ob sie auf der eigenen Wellenlänge liegen. Im Krisen- & Katastrophenfall wird jeder auf jede angewiesen sein; komplett solo übersteht das niemand. Überlegen, welche Fähigkeiten existieren – banales Beispiel: Jäger. Nicht weil er jagen und schiessen kann bzw. über Schusswaffen verfügt, sondern weil er/sie einiges über (Lebensmittel-)Hygiene weiß. Muss man nämlich – wegen Wild aufbrechen – für den Jagdschein lernen.
Sei kein Opfer
Selbstverständlich: Wenn man gute Beziehungen zu Feuerwehrleuten THW’lern, Rettungs- & Krankenhauspersonal hat – wunderbar! In englischsprachigen Texten zum Thema wird weniger von einer abrupten Katastrophe, die von heute auf morgen eintritt, sondern eher von einem „long decline“ geschrieben, denen man mit „small groups„, „skill circles„, „household co-ops“ als „pockets of salvation“ begegnet.
Letztlich ist es wie in der Selbstverteidigung: Es werden Menschen überwiegend angegriffen, die ein leichtes Opfer zu sein scheinen. Leute, die einen selbstbewussten, gar „militanten“ Eindruck machen, eher weniger. Ein Land, das über ein starkes Militär und eine resiliente Bevölkerung verfügt, ist kein leichtes Opfer. Siehe Finnland. (Anekdotisch, und damit natürlich nicht sozialwissenschaftlich untermauert: Bei meinen vielen Krav Maga-Trainingslagern in Europa und Israel habe ich viele Menschen aus allen europäischen Regionen kennengelernt. Die einzigen, die mental den Russen Paroli bieten konnten, waren – die Finnen. Warum wohl?)
Fortsetzung folgt…
