Vagabunden sind in der Stadt

Im Pyrenäen-Dorf Ansó

Von Bardenas Reales sind haben wir dann die Schnauze unseres Fahrzeuges wieder in Richtung Hochpyrenäen gelenkt, genauer in Richtung Ordesa-Nationalpark. Zwei reizvolle Täler liegen dabei auf dem Weg: das Valle de Ansó und das Valle de Hecho – und auf einer kleinen Gebirgsstraße kann man vom einen ins andere wechseln.

In Ansó übernachteten wir auf einem kleinen Campingplatz und sahen uns am Folgetag das Dorf an, das zu den hübschesten in Spanien zählt (erklärte zumindest ein Schild am Ortseingang). Auch Hecho widmeten wir einen Rundgang und kauften etwas Käse auf dem Markt. Unser Reiseplan ließ freilich keinen längeren Aufenthalt zu – wir wollten das Ordesa-Tal noch an diesem Tag erreichen.

Die Ver- und Entsorgungssituation des Unimogs ließ uns auf einem Campingplatz nahe Torla übernachten – gegenüber dem frei und unabhängig Campieren ist das schon ein ziemlich krasser Kontrast.

Reinhard Mey hat mal ein Lied mit dem Titel „Musikanten sind in der Stadt“ (oder so ähnlich) verfasst – und da geht es um den Gegensatz zwischen wilden, frei vagabundierenden Menschen und den ängstlichen, ortsfixierten Städtern. „Musikanten sind in der Stadt“, d.h.: Bürger, bringt eure Töchter in Sicherheit!

Unter Wohnmobileigenheimbesitzern

Und „Töchter“ steht in dem Zusammenhang, so würde ich interpretieren, für den um sein Eigenheim, seinen Parkplatz vor der Tür, seinen Jägerzaun und seine mühsam erworbenen Besitztümer bangenden Bürger schlechthin, während die „Musikanten“ für Lebenslust, Freiheitsliebe und Unabhängigkeit stehen.

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Unter Geiern

Grünimog in Bardenas Reales

Grünimog in Bardenas Reales

Canfranc – der Name ist Eisenbahn-Freunden gewiss ein Begriff. Nahe der französischen Grenze steht auf der spanischen Seite nahe des Cols du Somport ein riesiger Bahnhof in den Pyrenäen, der in den zwanziger Jahren mit Prunk und Pracht protzte.

Näheres dazu erzählt uns ein Wikipedia-Artikel (… hier klicken). Auf dem Weg von Plum Village unweit des französischen Bergerac nach Spanien übernachteten wir auf einem Wanderparkplatz südlich des Somport-Tunnels und legten dann einen mehrstündigen Zwischenstopp in Canfranc-Estacion (ein ziemlich touristisch überlaufener Ort) ein.

Fotografie-Objekt erster Güte: Bahnhof Canfranc

Vor vielen Jahren hatten wir bereits den Bahnhof in den Bergen besucht, und in einer ausführlichen Fotosession den Verfall dokumentiert (wie viele ambitionierte Fotografen vor und nach uns auch – wie mein früherer Main-Echo-Kollege Stefan Gregor) – und wie vor vielen Jahren gab es Zugang zu dem eigentlichen Bahnhofsgebäude in Renovierung nur mit Ticket und Guide. Aber die verfallenen Außenanlagen inkl. Waggons konnte man nach bester Urban Exploring-Manier erkunden.

Kaum etwas hat sich in der Zwischenzeit geändert – nur die Holzwaggons waren völlig zerborsten. Wir konnten eigentlich kaum neue Bilder produzieren und beließen es bei ein paar wenigen. Frisches Urban Exploring gab es dann in einem pueblo abandonado:
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„Joy“ und „Happiness“ in Plum Village

Lotus-Teich: no mud, not lotus!

Plum Village ist ein magischer Ort, doch seine Magie besteht nicht im Ort, sondern in den Menschen, die diesen Ort beleben. Es sind die Nonnen und Mönche, die ihn zu etwas Besonderem machen; es sind die Menschen, die ihn besuchen und mit den „Profis“ und engagierten Laien mit einem fröhlichen Leben erfüllen.

Im Zuge meiner Ausbildung zum MBSR-Lehrer habe ich einige (Schweige-)Retreats besucht, die wesentlich strenger in ihren Regeln und wesentlich genauer in ihren Abläufen organisiert waren. Ein Meditations-Retreat in Plum Village, so mein Eindruck, ist besonders für Neulinge in der Materie geeignet. Das Gefühl hatte ich auch bei meinem kurzen Aufenthalt im vergangenen Oktober (siehe: Retreat in Plum Village)

Es ist aber, so weiß ich nach nunmehr einer Woche Aufenthalt im „New Hamlet“, besonders für die geeignet, die buddhistisch orientierte Schweige-Retreats (in Deutschland) häufig als unerfreulich sauertöpfisch-gramvolle Veranstaltung erleben.
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Die Katharer-Burg

Grünimog am Col de Montsegur

Was das Reisen mit dem Grünimog zur Freude macht, ist die eigentlich permanente gegenteilige Erfahrung zu derjenigen vor wenigen Tagen in Freiburg (siehe: Grünologie und Ökologie): Viele Menschen treten neugierig bis begeistert an das Fahrzeug, unterwegs sehen wir viele „Daumen hoch“-Zeichen vom Straßenrand oder in überholenden Fahrzeugen.

Dabei bilden wir meist das Hindernis auf der Landstraße. Wir genießen freien Blick nach vorne, hinter uns entsteht ein Stau: Wir sind mit 70 bis 80 km/h unterwegs, mehr geht nicht. Aber der Sympathie-Bonus ist offensichtlich so groß, dass niemand schimpft.

Nachdem wir Freiburg verlassen haben, schlagen wir ab Mulhouse in Frankreiche eine Route ein, die uns möglichst mautfrei gen östliche Pyrenäen bringt. Das trägt uns natürlich zwei Übernachtungen auf Lkw-Rastplätzen ein – die erste war schlecht gewählt, weil zu nahe an der Straße und daher zu laut, die zweite ein Glücksgriff, weil nahezu idyllisch gelegen, und wir waren während der Nacht nahezu allein.

Um schließlich Toulouse zu umfahren, wechseln wir kurz auf die Autobahn (14,90 €), dann säumen wieder unendliche Sonnenblumenfelder die Landstraße. Mautfreie französische Nationalstraßen sind gut ausgebaut, und bei einem Fahrzeug mit 80 km/h Spitzengeschwindigkeit spielt es keine Rolle, ob es die auf einer Autobahn oder einer autobahnähnlichen Landstraße mühsam erreicht. Ortsdurchfahrten und die häufigen Kreisverkehre indes halten auf und nerven.

Katharer: mittelalterliche minimalistische Christen

Unser Ziel ist Ruine einer Katharer-Burg aus dem Mittelalter in Montsegur. Auf dem Pass parken wir neben einem konventionellen Wohnmobil, dessen junge Familie lässt sich begeistert den Unimog von außen und innen zeigen und gibt uns noch ein paar Tipps für die Weiterfahrt. Au revoir!

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Grünologie und Ökologie

Brasilianische Band beim Hochzeits-Fest


Freud‘ und Leid liegen, so sagt der Volksmund banal, nah beieinander. Bevor wir zu unserer Pyrenäen-Tour aufbrachen, besuchten wir am vergangenen Samstag zwei unserer Island-Mitfahrer – Claudia und Sibylle begingen ihren 20. Hochzeitstag mit einem schönen Fest im Wirtshaus Reichsbachtal, am Falkenstein im Taunus.

Auf der direkten Weiterfahrt einen Tag darauf besuchten wir eine Freundin und Quasi-Kollegin von Beate, bei der man sowohl zufällig wie kürzlich vier Tumor-Metastasen im Kopf gefunden hat, und den eigentlich dazugehörigen Primärtumor nicht. Die Bestrahlung beginnt bald, doch wie man sich mit einer solchen Diagnose fühlt, vermögen Worte nicht zu beschreiben. Meine jedenfalls nicht.

Rast im „Süden“

Nachdem wir uns verabschiedet hatten und unser siebeneinhalb Tonnen schweres Ungetüm wieder aus den engen und zugeparkten Wohnstrassen der Mannheimer Gartenstadt bugsiert hatten, lenkte ich den Unimog gen Süden, gen Freiburg. Dort parkten wir das Fahrzeug mit H-Kennzeichen im grünologischen Stadtteil Vauban nahe des Retaurants „Süden“, in dem ich während meiner Ausbildung zum MBSR-Kursleiter einige Essens-Zeit verbracht hatte.

Um die Ecke wohnen einige alternative Fuzzies und stehen auch einige schräge Wohn-Fahrzeuge rum, was mich zu der – irrigen – Annahme veranlasste, der Grünimog würde nicht anecken.

Öko-Oberlehrerin in Freiburg

Weit gefehlt, nach dem Parken belehrte uns eine Dame in oberlehrerhafter Manier, dass unser Fahrzeug ja zwei Parkplätze belege (wen wundert’s bei sechs Meter Länge; außerdem gab’s genügend freie andere), warum wir denn nicht mit dem ÖPNV oder wenigstens mit einem kleineren Auto gekommen seien.

Dass wir ja nur auf der Durchreise waren, interessierte sie wohl weniger. In Freiburg, das Gefühl beschlich mich schon früher, wird man leicht mal angeranzt, wenn man nicht grün-ökologischen Puritanismus praktiziert.

Ressourcensparendes Reisen

Dass wir unseren Strom mit Hilfe der Solarmodule auf dem Dach autark produzieren, dass wir angesichts beschränkter Gas- und Wasservorräte an Bord sehr ressourcensparend unterwegs sind (etwa unser Wasser häufig doppelt und dreifach nutzen, bevor es den Abwassertank verläßt), dass wir generell mit allen Materialien weiter- und wiederverwendend umgehen, dass wir angesichts beschränkter Ladekapazitäten auch in Sachen Kleidung und Ausrüstung minimalistisch unterwegs sind…

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