Al Gharb – im Westen Andalusiens

Nunmehr Algarve. Al-Gharb al-andalus haben die Mauren diesen Landstrich im (Süd-) Westen der iberischen Halbinsel genannt. Und das heißt es tatsächlich – “im Westen Andalusiens”, so die Übersetzung von “al-gharb al-andalus”.

Aber nicht gleich an die Küste – ab und zu muss es im Reisemobil einen Ver- und Entsorgungstag geben, und dazu fährt man entsprechend ausgestattete Stell- oder notfalls auch Campingplätze an. Als Freisteher scheuen wir die sonst eher – der Grünimog fühlt sich zwischen Wohnmobil-Eigenheimen, die in Reihenhaus-Manier geparkt sind, nicht so wohl.

Wasser fassen und Café trinken in Monchique

Wir mussten Wasser auffüllen, also eine Übernachtung auf einem recht schön gelegenen “Autocaravan”-Platz in der Serra de Monchique, mit tags darauf anschließendem Besuch dieses Bergstädtchens, als Kurort bekannt für seine Thermalbäder. Die aber schienen wir ausgestorben.

Dann aber wechselten wir zum Praia da Marinha bei Portimao, um dort wiederum zwei Tage zu bleiben – einfach Strandtage mit meditativen Sonnenauf- & untergängen samt Spaziergängen.

Dabei entdeckten wir eine geheimnisvolle, leer stehende Villa – wunderschön gelegen und gestaltet (und nicht schwer zu entdecken). Was mochte da passiert sein? Geld ausgegangen? Baugenehmigung entzogen? Ein Familiendrama? Erbstreitigkeiten?

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Costa Vicentina: von Klippen und Stränden

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„Bridge over troubled water“

Genug der Städte! Nach Santiago de Compostela, Ourense, Porto und Lissabon nun raus dahin, wo wir wirklich hinwollen als frisch gebackene Wildnispädagogen & Coyote Mentoren – in die Natur!

Von Lissabon ging es über Setubal gen Santiago do Cacem, vorbei an der an sich beeindruckenden Lagune von Santo André – zu schlecht das Wetter, um sie genießen zu können, und zu groß die Hoffnung, es könne mit jedem Kilometer weiter südlich besser werden.

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An der Ilha do Pessegueiro

Südlich der Vasco-da-Gama-Stadt Sines wollten wir einen Platz finden – angeregt von anderen Dauer-Reisenden und/oder Digitalen Nomaden, die über sich, ihre Fahrzeuge und ihre Standorte via Instagram, Facebook oder eigenen Blogs verhalten Auskunft geben. Denn es gibt eine Art “Kodex”, nicht die GPS-Koordinaten schöner Stellplätze bekannt zu geben – zu häufig kommt es vor, dass alsbald Horden von Weißware-Wohnmobilen mit Spießbürgern aller Länder am Steuer und Satellitenschüsseln auf dem Dach einfallen und die bunten, lockeren Menschen in umgebauten farbenfrohen Bussen, Lkws und auch Unimogs vertreiben.

Man ist also angehalten, mit vagen Angaben auszukommen, anhand von Satellitenbildern u.ä. vor Ort zu navigieren und eben selbst zu entdecken und zu erforschen, welcher Weg wo hinführt und ob an dessen Ende eine Überraschung lauert… kann eine Enttäuschung sein oder die Umkehr, weil man zu hoch, zu breit für den Weg ist; oder Glück zu haben und allein an einem wundervollen Strand zu stehen.

Uns verschlug es schließlich am 5. Januar nach der Ilha do Pessegueiro, nahe einer alten Seefestung und einem einsamen, nahezu leeren Strand-Restaurant, in dem wir abends darauf einen superben Meeresfrüchte-Eintopf genießen sollten. Geschützt im Rücken von Felsen und dem Kastell, mitten in den alten Laufgängen , gingen wir vor Anker. Unimog-Schnauze und Blick gen Meer zu gerichtet.

Dort blieben wir einfach. Man kann auch ziemlich viel damit zu tun haben, nichts weiter zu tun zu haben. Bzw. nichts weiter zu tun als im Hier & Jetzt und den Elementen zu sein.

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Beate mit „Paratrooper“-MTB

Aber ganz ohne Aktivität geht’s nicht – immerhin hatten wir unsere erst kürzlich erworbenen Klapp-Mountainbikes an Bord, die wir zum ersten Mal on tour dabei hatten und die einer Erprobungsfahrt harrten. Die hatte es dann in sich! Rund 32 Kilometer hin und zurück nach Vila Nova de Milfontes, und das in den Dünen, im Gestrüpp, selbstverständlich immer gegen den Wind… Da wurden die Beine schwer. Passagen im tiefen Sand mussten wir schieben.

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Wildnis-Leben – am Strand und in Lissabon

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Oliver beim Wurfholz-Training

Wir sind vor vier Tagen in der Nähe von San Pedro do Moel angekommen. In der Nacht mit diesem unglaublichen Vollmond, so dass wir erst einmal den erst-besten Parkplatz oberhalb der Dünen wählten, um uns am kommenden Morgen besser zu organisieren…

Was gelang, und so standen wir nach einem Erkundungsspaziergang einige hundert Meter weiter nahezu alleine auf einem Strandparkplatz, zu dem ein schmaler Sandweg führte – den hatte allerdings auch ein schwarzes Lkw-Wohnmonster passieren können.

Wir nahmen es aber in Kauf, da es rund hundert Meter entfernt parkte; auch wenn es den Eindruck machte, in der “Mad Max”-Trilogie eine Rolle gespielt zu haben. Manch eine(r) hält unseren Grünimog schließlich auch für ein Ungetüm – auch wenn es sich dabei um die biederbürgerlichen Nachbarn in der heimischen Wohnsiedlung handelt. Deswegen nennen wir ihn zwischenzeitlich auch das Unigeheuer

Mal moderat sonnig, diesig, windig – nach dem ersten Strandspaziergang widmete sich Beate einem ihrer Bastelprojekte, nämlich einen Schuhlöffel zu schnitzen. Während ich am Strand meine Jagd-Holz-Wurf-Technik, die ich bei unserer Ausbildung zu Wildnispädagogen gelernt hatte, weiter entwickelte…

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Beate beim Schuhlöffel-Bau

Man schläft so gut bei Meeresrauschen! Am nächsten Morgen steuerten wir den Grünimog gen Lissabon – über die portugiesische Haupstadt, sicherlich einer der schönsten Städte Europas, gibt es viel zu sagen und zu schreiben. Und das ist andernorts so viel und gut getan worden, dass ich dem keine eigenen Worte beifügen möchte; eine Google-Suche mit dem Stichwort führt schnell zu Ergebnissen – als Beispiel mag ein Reise-Artikel aus der ZEIT dienen (Drei Tage in Lissabon).

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Berge, Brücken und Brecher

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Möwen-Start an Metallbrücke in Porto

Wir stehen jetzt endlich am Meer. “Endlich”: Liegt dieser Stoßseufzer daran, dass wir Menschen zu 70 Prozent aus Wasser bestehen? In der Danksagung des Coyote Mentorings danken wir dem Wasser, aus dem Mutter Erde zu zwei Dritteln besteht. Wir sind dem Wasser näher, als wir glauben, und sind auch aus diesem gekommen, irgendwann mal.

< Und wenn man Douglas Adams und dem “Anhalter ins All” glauben darf”, hätten wir dieses niemals verlassen dürfen. >

Psychohistorisch gesehen prägt uns das wohl, genauso wie die Zeit in der Nährflüssigkeit der Gebärmutter. Berge sind eindrucksvoll, und willkommene Metaphern für Erhabenheit und Unerschütterlichkeit angesichts von Stürmen; nicht von ungefähr gibt es in der Achtsamkeitslehre die Berg-Meditation.

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Mond am Meer

Durch mancherlei Berglandschaft sind wir auf dieser Fahrt von Deutschland, Frankreich und Spanien nach Portugal gekommen – jede war erlebnisintensiv. Doch nichts gleicht dem Meer. Unser Blog heißt nicht von ungefähr “Das Amphibium” – eine verquere Anspielung auf eine Existenz gleichermaßen zu Wasser und zu Land. Und wenn es im Untertitel um “Luft” geht, dann könnte dies als Metapher nicht nur aufs Fliegen, sondern auch auf Berge gemünzt sein, gewiss.

Auf dem Weg nach Santiago de Compostela kam ich mit dem Grünimog an den Pyrenäen vorbei, passierte das Baskenland und die Biskaya-Küste Kantabriens und Asturiens – bis das Auf und Ab der Autobahn in die galizische Mittelgebirgslandschaft überging. Rund 2300 Kilometer von morgens bis nachts, rund ein Dutzend Stunden kontinuierlich am Lenker des maximal 80 km/h schnellen Unigeheuers jeweils drei Tage lang.

Zweimal Weihnachtsfest

Beate verbrachte Heiligabend mit ihrer Mutter, wollte er aber gerne einmal eine traditionelle katholische Weihnachtsmesse in der mächtigen Kathedrale der Pilgerstadt erleben. Und da für die Spanier der 25.12. der eigentliche Weihnachtsfeiertag ist, passte das: Punktlandung im wahrsten Sinne des Wortes – Der Flieger war pünktlich, der Taxifahrer schnell; wir trafen uns an vereinbarter Stelle und flitzten durch die Altstadtgassen zur Kathedrale.

Ein Besuch bei meinen Eltern, die schon seit mehr als 30 Jahren in der galizischen Provinzhauptstadt Ourense leben, schloss sich für zwei Tage an (samt Gang durch die Tapas-Bars und dem Trunk einer heißen Schokolade in meinem Lieblingscafé – dem Jazz-“Café Latino”), bevor wir einige Kilometer ins Bergland der galizisch-portugiesischen Grenzregion zu einem Granit-Haus auf weitläufigem Grundstück samt Zauberwald in Familienbesitz wechselten.

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Zufluchtsort in den Bergen

< Wenn ich eine ferne Zufluchtsstätte nach Art des Nicolai Hel in Trevanians Roman “Shibumi” suchen würde, würde ich sie hier finden (Hel findet sie in der literarischen Fiktion in einem Schloss in den baskischen Bergen der Pyrenäen). >

Wir verbrachten einen vergnüglichen Abend mit der örtlichen Hausverwalterin samt deren Familie in deren Haus am anderen Ende des nahegelegenen Dorfes, das vor nicht allzu vielen Jahren erst einen Stromanschluss bekam und in dem die Internetverbindung mehr als wackelig ist. Man muss eine sehr detaillierte Landkarte haben, um den Namen zu finden.

Wir lösten uns nur schwer von Bäumen, Sträuchern, Moosen und Flechten und der Wildnis der Landschaft, in dem es nicht nur Wildschweine, sondern auch Wölfe gibt (siehe etwa: “Die scheuen Wölfe von Nordspanien”). Einmal mehr galt es Serpentinen zu bewältigen, für uns immer mit Spannung verbunden, seit einmal die Bremsen des 37 Jahre alten Grünimogs bei einer Bergabfahrt im marokkanischen Atlas versagten.

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Coyote Mentoring: Säugetiere & Spuren

Mäusebussard in der Fasanerie Falknerei

Nach Stunden theoretischen Lernens  und praktischen Übens (im strömenden Regen) verriet uns unser Wildnispädagogik-Lehrer und –Mentor Axel Trapp dann, dass die Kunst des Trackings nicht nur darin bestehe, gute Fragen zu stellen, sondern auch darin, zu akzeptieren, dass nicht alle Fragen beantwortet werden könnten.

Willkommen zum vorletzten Wochenendmodul der Wildnispädagogik. Willkommen auch im nunmehr vertrauten Umfeld am Hoherodskopf im Vogelsberg, rund um die Jugendherberge. Willkommen zu Themen wie “Säugetiere”, “Spuren lesen” oder auch “Glutbrennen” (was wegen Regens ins Wasser fiel – mit Glut Gefäße oder ähnliches brennen geht eben nur, wenn das Feuer eine Chance hat).

Mikado-Spiel zum Messen

Spuren zu lesen geht über Fährten (also Trittsiegel von Tieren) zu suchen, hinaus. Spuren sind an Bäumen zu finden, etwa Fraß und Scheuerstellen, Haarbüschel und Fellreste, man findet Spuren in abgeknickten Zweigen und auf dem Boden in Form von Losung. Um Spuren aller Art zu lesen, braucht man eine wache Aufmerksamkeit und geschulte Sinne, um Trittsiegel einschätzen zu können, eine kleine Ausrüstung: u.a. Zollstock, durchsichtiges Lineal, ein Mikado-Spiel.

Damit misst man ein gefundenes Trittsiegel. Zuvor muss man es natürlich finden, und ungefähr erkennen, um was es sich da eventuell handeln mag: Sohlengänger wie Bären, Dachse oder Igel (kurze Beine, mäßiges Tempo), Zehengänger wie Hunde und Katzen, sowie Zehenspitzengänger wie Reh, Hirsch, Wildschwein.

Dazu hatte ich ja schon auf meinen früheren Coyote-Exkursionen etwas gelernt, und so hielt ich ausschah nach „Pfote“? „Schale“? „Huf“? Danach wird es etwas krickelig – es geht um das Messen des Abdrucks in Länge und Breite, Schrittlängen und Spurbreiten, Spurgruppen- und Zwischengruppenlängen, sowie die Gangarten Schritt und Trab samt ihren eventuell gegebenen Eigenschaften wie zurückbleiben, Fuß in Fuß oder übereilend.

Und das wiederum in Relation zum vermuteten Tier – dass ein hetzender Hund sich grundsätzlich anders bewegt wie hoppelnder Hase dürfte auch dem Laien klar sein. Wer ging wann warum wohin? – das lässt sich durchaus mit einer einigermaßen deutlichen Fährte, den genannten Hilfsmitteln, logischem Denken und viel, viel Erfahrung schließen. In der Kombination von all dem kann man etwa herausfinden, dass ein mittelgroßer Hund in schnellem Tempo entlang gekommen sein muss. Und manchmal können eben nicht alle Fragen beantwortet werden.

Ökologie des Spurenlesens

Wir widmen uns dem Coyote Mentoring, also interessiert uns nicht nur die Fährte als solche, sondern auch, in welchem Umfeld und Kontext sie entstanden ist. Wie steht sie im Verhältnis zur Umgebung? Was wissen wir über die Umgebung – ihre Auswirkung auf das Tier bzw. die Auswirkungen, die dieses Tier auf die Umgebung hat?

Daher fertigen wir Journale mit Skizzen an: Karte der Umgebung, Szene der Fährte, Trittsiegel als solches und die Rahmen-Parameter wie Wind, Wetter, Temperatur, Sonnen-/Mond-Stand, Boden, Wasser, andere Fauna und Flora. Das alles gehört zur Ökologie der Fährte. Das Tier, das sie hinterlassen hat, war ganz gewiss nicht zufällig da.

Krav Maga+MBSR+Coyote Teaching = Sea-Air-Land-Camp 2.0?

Da wir zu Coyote Mentoren ausgebildet werden, durfte natürlich die Organisation Gruppen aus kleinen oder großen Erwachsenen entlang des Acht-Schilde-Modells nicht fehlen – schließlich sollen und wollen wir unser Wissen weitergeben, zumindest die vielen Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen in unserer Gruppe; denn ein Motto der Wurzeltrapp Wildnisschule lautet: Gebt den Kindern die Natur zurück!

Ob Beate und ich ein entsprechendes Angebot für Erwachsene, Teens und Kids unserer Krav Maga-Schule ausarbeiten werden, wird sich zeigen – aber eine Neuauflage des schon einmal von uns veranstalteten „Sea-Air-Land“-Camps in Lanzarote unter wildnispädagogischen Aspekten können wir uns gut vorstellen. Schon damals ging es ja ums Archaische…

Archaisch auch das Herstellen von Schalen, Gefäßen oder Löffeln mit Hilfe von Glut, das Kochen mit heißen Steinen, das Backen von Brotfladen in Glut bzw. Asche (hatte ich schon mal bei meinem Survivalkurs vor 30 Jahren bei Volker Lapp gelernt; und hatten wir in der marokkanischen Wüste erlebt) und das Lehm-Garen in der Glut. Sollten wir praktisch machen, blieb aber eine Theorie-Lektion – im Regen nicht möglich, aber zuhause nachvollziehbar; mehr dazu demnächst.

Zwar lautete das Thema für unsere Steckbriefe dieses Mal „Säugetiere“, aber wir sind und bleiben vom Greifvogel-Thema infiziert… und daher nutzten wir den Feiertag am 31. Oktober, um im Wildpark Fasanerie in Hanau-Klein-Auheim uns die letzte Flugshow der Falknerei in diesem Jahr anzusehen (siehe Bild oben), und bei Marion Ebels abendlichem Wolfsspaziergang dabei zu sein. Und um das Thema „Säugetiere“ doch noch präsent zu haben, schauten wir uns außer den Wölfen auch Luchse, Wildschweine und Damwild an…