Anlegen in Tanger, ab nach Chefchaouen

 

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Detail eines Restaurants in Chefchaouen.

Wir kommen abends in Chefchaouen, der “blauen Stadt” an. Viele Häuser sind blau gestrichen, daher der Name.

Kaum angekommen, brechen wir schon zum Abendessen auf, gegen 19 Uhr wird es dunkel. Das Essen entspricht dem, was Vegetarier wie wir in den nächsten beiden zweieinhalb Wochen ständig zu uns nehmen werden, wenn wir nicht selbst kochen: Couscous mit Gemüse oder Tajine mit Gemüse, letzteres meist ziemlich weich gekocht. Marokko ist nicht unbedingt ein Land für Leute, die Pflanzenkost pur bevorzugen.

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Auf See

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Mitglieder der Reisegruppe an Bord der Fähre nach Marokko.

An Bord ist eine isolierte Campingdecke von Vorteil, denn man verbringt viel Zeit auf Deck mit reden, kennenlernen der anderen Teilnehmer, fachsimpeln, lesen, in der Sonne liegen. Also das, was die meisten Europäer unter den Passagieren tun.

Ebenso wichtig ist, seine Nahrung – am besten in einer Kühlbox – mitzubringen. Das Essen im Bord-Restaurant ist genauso teuer wie schlecht; wenn man ein bisschen auf seine Euros achten muss, lohnt es sich, seine Verpflegung für zweieinhalb Tage einzukaufen und mit in die Kabine zu nehmen. Picknick an Deck in der Sonne macht jedenfalls viel Spaß und ist kostengünstig.

Erster Teil der Einreiseprozedur – an Bord

Wir haben nach den Strapazen der Anreise – 900 Kilometer wollten gestern bei einer dröhnenden Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer in langen Stunden bewältigt werden – bis halb zehn Uhr geschlafen; um sechs Uhr morgens vom Anlegen in Barcelona geweckt, wo weitere Autos und Passagiere lautstark an Bord kamen. Immerhin: In weniger als fünf Stunden ging es weiter; wir sind einen längeren Aufenthalt im Hafen der Hauptstadt Kataloniens gewohnt.

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Ablegen in Genua

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Geparkt am Treffpunkt oberhalb Genuas: Fahrzeuge der Reisegruppe

Es geht nach Marokko. Zum dritten Mal. Zum zweiten Mal mit unserem mehr als 30 Jahre alten Unimog. Der dürfte mittlerweile H-Kennzeichen tragen, das Gutachten dafür liegt daheim. Bevor er die bekommt, wollen wir noch testen – von den Berliner Reise- und Fahrzeugtechnik-Spezialisten von eineweltreisen.org hat er einen zeitgemäßen Gas-Herd und Kältespeicher-Kühlschrank bekommen, vor allem aber einen neuen Motor.

Der alte Saugdiesel, mit dem wir uns im vergangenen Jahr in Marokko arg langsam den Atlas hochgequält hatten, wurde durch einen neuen ersetzt – der einen Turbo draufgeflanscht bekam. Der pustet ihm kräftig zu und lässt ihn so ruhiger und geschmeidiger arbeiten. Die Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h hat sich kaum verändert, wohl aber Anzugs- und Durchzugsverhalten.

Erste Probefahrten hat die Maschine anstandslos absolviert, auch den 500 Kilometer langen Transfer von Berlin ins heimische Rhein-Main-Gebiet. Nun aber geht es auf die erste längere Strecke – 900 ruhige Autobahn-Kilometer nach Genua. Auch die verläuft problemlos.

Unterwegs mit Eine Welt Reisen

Wir sind – wie im vergangenen Jahr zum nahezu gleichen Zeitpunkt – beim Fernreiseseminar von eineweltreisen.org dabei. Damals fuhren wir mit, um unseren Unimog im damaligen Zustand – kurz zuvor vom Vorbesitzer übernommen – unter den Live-Bedingungen einer strapaziösen Tour kennenzulernen. Nunmehr geht es um die zwischenzeitlich erfolgten Umbauten in der Wohnkabine und in puncto Antrieb.

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Rückreise rund um Kap Hoorn

Sturmvogel im Begleitflug

Deception Island liegt schon weitab achtern. Die unvermeidliche Rückfahrt steht an: Wir können ausschlafen, kein 6.30 Uhr Weckruf. Auch kein Frühstück und Mittagessen, dafür ab 10 Uhr Brunch. An Bord eines Schiffes fühle ich mich immer wohl.

Wir erleben an Bord der „MS Expedition“ jetzt das, was uns auf dem Hinweg erspart blieb: raue See. Nichts wirklich Schweres oder gar Stürmisches, sondern eher das an und für sich in dieser Gegend Übliche. Tatsächlich kommt bei schaukeliger Fährt gar die Sonne durch. Wir scheinen abermals vom Glück begünstigt; so können wir noch viel Zeit auf Deck verbringen. Jede Minute zählt, solange wir noch in der Antarktis sind – diese verlassen wir nach Überqueren er imaginären Linie der antarktischen Konvergenz bei 50 Grad südlicher Breite.

„Ambassadors of Antarctica“

Das Schiff stampft und rollt, Scopolamin-Pflaster sind heiß begehrt. Vormittags wird eine weitere Folge der BBC-Serie „Frozen Planet“ gezeigt, die sich mit dem Herbst im ewigen Eis beschäftigt (www.bbc.co.uk/frozenplanet). Außerdem stehen drei „Lectures“ an: Über den Antarktis-Pionier Ernest Shackleton, den Klimawandel und die ersten Frauen in der Antarktis.

Die „Lectures“ sind von seriöser wissenschaftlicher Qualität. Es wird ein ernsthafter Versuch unternommen, die Touristen zu Botschaftern („Ambassadors“) zum Wohle der Antarktis zu machen. Die Reiseteilnehmer erfahren im Lauf der beiden Rückfahrt-Tage in der Drake Passage viel über historische, geologische, klimatologische und biologische Aspekte der Antarktis. Wohl kaum einer wird von Bord gehen, der nicht die Antarktis als eine einmalige, schützenswerte Sphäre sieht, die besser unberührt bleibt.

MS Expediton vor Kap Hoorn

Am zweiten Tage nähern wir uns allmählich dem südamerikanischen Festland. Das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn liegt in dieser stürmischen Weltgegend: Zahllose Schiffe liegen hier auf dem Meeresgrund, zahllose Seeleute verloren ihr Leben. Laut Wikipedia:

Schätzungen zufolge wurde die See vor Kap Hoorn mehr als 800 Schiffen und mehr als 10.000 Menschen zum Verhängnis und zum größten Schiffsfriedhof der Welt.

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Kayak-Kampf an Neptuns Blasebalg

See-Löwen in Whalers Bay, Deception Island

Die „MS Expedition“ steuert nach Norden, in Richtung Deception Island, schon Teil der South Shetlands: Eigentlich ist das dortige Port Foster der mit Wasser zugelaufene Caldera eines Vulkanes, der bis heute aktiv ist. Sieht man auf die Insel aus der Vogelperspektive, dann sieht sie wie ein Ring aus. Es gibt eine schmale Einfahrt, genannt Neptune’s Bellows. Da sich bei stetigen Winden das Wasser durch diese hinein- und hinauspresst, geht’s da recht kabbelig zu.

Bei wolkenverhangenem Himmel und spürbarem Wind & Wellen-Effekt legen wir mit den Kayaks ab. Ein Glück, dass die fünf Exkursionen der vorherigen Tage von einem ruhigen Meeresspiegel geprägt waren, so dass wir Erfahrung mit dem Paddeln im antarktischen Wasser gewinnen konnten. Was uns jetzt erwartet, ist ein Wellengang, der es in sich hat. Aber Kayak-Guide Beth traut uns was zu, folglich geht’s raus aufs düstere Meer inmitten schwarz-weißer Berge – Schnee-, Eis-, Lava-bedeckt.

Mit dem Kayak kommt man seewärts an Stellen, die häufig von Land her unzugänglich sind, und so können wir uns verschiedenen Robben–Arten an Land und zu Wasser nähern, besonders bei einer Art „Planschpool“ in Port Foster: Wie in einem Kinderplanschbecken tummeln sich dort spielerisch die schlanken Leiber. Anderthalb Stunden sind wir draußen, dann nehmen Wind und Wellen deutlich zu und die schleunige Rückkehr wird angeordnet.

Leichter gesagt als getan. Jetzt merken wir, auf welch schmalen Grad wir die ganze Zeit im antarktischen Gebiet operieren. In den Kayaks sind wir in unseren Survival Suits den Elementen nahezu schutzlos ausgeliefert – die einzige Sicherheit besteht in dem wissen, dass die Kayaks zwar kentnern, aber nicht untergehen können. Die Boote taumeln im Wellengang auf und ab, der Wind sprüht uns Gischt entgegen, mühsam können wir Kurs halten.

Koloss und Kayaks

Ein Kampf beginnt: Wir müssen energisch paddeln, um das Mutterschiff zu erreichen. Die Strömung treibt uns immer wieder zurück, in der Nähe von Neptun’s Bellows ringen die Wassermassen gegeneinander und lassen uns hin und her driften. Langsam kommen wir der „MS Expedition“ näher – und müssen nun in gebührenden Abstand, aber in Schlagweite zum Schiff auf das Einschleusen warten.

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Rendezvous mit Pinguinen und Walen

Gentoo Pinguine in Port Lockroy

Zugegeben: Die Antarktis mag nur Nummer Drei sein. Der Mond mag lebensfeindlicher sein, die große Unterwasserwelt unseres blauen Planeten auch. Auf Mond und unter Wasser ist das menschliche Leben nur mit Hilfe technischer Geräte möglich. Aber auch in der Antarktis ist das Gefühl allgegenwärtig, nur ein kurzfristig geduldeter Gast und von Hilfsmitteln extrem abhängig zu sein.

Die Antarktis ist kein Ort, an dem man sein oder bleiben kann. Das schützende Mutterschiff, das Sicherheit und Wärme spendet, wird selbst während der antarktischen Sommermonate nur für Stunden verlassen – eingepackt in dicke und vor dem Unbill plötzlicher harscher Wetterumschläge schützende Klamotten.

Penguin Post Office in Port Lockroy

Egal ob zu Fuß an Land inmitten der Gentoo Pinguine unterwegs, an Bord der Zodiac-Schlauchboote beim Transfer oder beim Kayaken in verwinkelte Ecken der Antarktischen Halbinsel – immer ist das Gefühl geliehener Zeit, begrenzten Aufenthalts übermächtig. Es gibt keine Möglichkeit eines Bleibens.

Manchmal sieht man ein paar simple Behausungen an Land: Port Lockroy etwa ist eine britische Post Station samt angeschlossenem Museum, die im Winter geschlossen ist. Fünf Monate im Sommer ist sie mit wenigen Menschen besetzt, die den Post- und Shopbetrieb aufrecht erhalten. Man bekommt von Ihnen einen Stempel des „Penguin Post Office“ in den Reisepass – auch wenn dieser Stempel im internationalen Reiseverkehr natürlich nicht gültig ist.

Wenn die Menschen zu Beginn des Winters abrücken, übernehmen die Pinguine endgültig das Kommando. Port Lockroy ist nichts weiter als ein rosa Felsen im Wasser, auf dem zwei Hütten stehen und der von den Pinguinen regiert wird. Und ihren rosa Stoffwechsel-Hinterlassenschaften – und so glitschen die Menschen auf den besudelten und beschmierten Felswegen umher, inmitten der gar nicht scheuen Pinguine.

Diese putzigen Tiere sind diejenigen, die im antarktischen Winter bleiben und den Stürmen trotzen. Wer nicht Pinguin ist, sieht zu, dass er wegkommt. Es gibt nur Luft- und Wasserbewohner; die possierlichen Pinguine sind die einzige Spezies, die den antarktischen Winter in der Höhe des Südpolarkreises an Land zu überstehen weiß. Aber nicht alle überleben.

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