Archiv der Kategorie: Land

Anderswo ist es vielleicht besser

Dahin, wo’s besser ist…

Die Festung Europa abschotten? Vor denen aus Afrika?

Aber von „denen“ stammen wir doch ab. Wäre nicht vor vielen vielen vielen Jahren jemand in Ost- oder Südafrika, wo die Menschheit entstanden ist, jemand auf die Idee gekommen, dass es anderswo besser sein könnte, so würden wir Europäer gar nicht existieren.

Irgendwo im südlichen Afrika sind die ersten Menschen zur Welt gekommen, und von dort haben sie sich nordwärts bewegt. Als sie in der rechten oberen Ende des Kontinents angekommen waren, sind die einen nach rechts abgebogen, nach Osten, Richtung Asien. Die anderen sind nach links abgebogen, nach Westen, nach Europa. Von denen stammen wir ab; wenn die nicht gewandert wären, auf der Suche nach etwas Besserem, würden wir gar nicht da sein.

Einsamer Wanderer: Zebra auf der Suche nach Wasser an der Etoscha-Pfanne.

Aufgrund Hörensagens haben sich Wanderungsbewegungen schon immer ergeben. Die Spanier hatten vom Hörensagen gehört, dass es Eldorado, das Land voller Gold, gebe. Da sind sie dann hingefahren, das haben sie versucht zu erreichen, da wollten sie hin – da war was Besseres. Wenn europäische Eroberer und Siedler sich auf den Weg nach Nord- oder Südamerika gemacht haben, war es – für sie – nie ein Problem, dass sie auf der Suche nach was Besserem waren.

Und damit verbindet sich der Punkt, dass der Wohlstand, den wir heute genießen, auf der Ausbeutung und Ausplünderung andere Kontinente beruht. Das fing damals an. Und heute kommen welche von denen, von denen wir eigentlich abstammen, und wollen etwas von dem zurück, dass unsere Vorfahren ihnen genommen haben.

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Barfußlaufen in der Natur: Füße sind Gehfühler

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Was macht’n du mit dem Gummischuh? Pinguin zupft an dickem Antarktis-Stiefel.

Gute Bekannte sind echte Barfußläufer. Das heißt, sie laufen immer und überall barfuß, auch im Winter. In der Wüste. In der Kirche. Manchmal ziehen sie rudimentäres Schuhwerk an, aber das ist selten.

Sie haben dafür ihre eigenen Gründe. Innerhalb der mittlerweile entstandenen Bewegung des Barfußlaufens gibt es viele verschiedene Varianten. Allen ist gemeinsam, dass ihre Adepten überzeugt sind, dass das Laufen in Schuhen weniger den Füßen gut tut, als vielmehr dem Einkommen der Mode- und Sport-Schuhfabrikanten.

Sensoren in den Sohlen

Es scheint genügend medizinische/physiologische Evidenz zu geben, dass es eine Vielzahl von Sensoren in den Fußsohlen gibt, die letztlich den gesamten Körper, sein Gleichgewicht, seine Beweglichkeit, seine Gesundheit mit beeinflussen. Und damit beziehe ich mich nicht nur auf die Darlegungen der Fußreflexzonen-Massage.

Ich glaube, zum ersten überraschenden Kontakt mit Barfußgang bin ich im Zuge der Ausbildung zum Kettlebelltrainer gekommen – wiewohl es keine begeisternde Aussicht ist, dass einem eine 20-kg-Eisenkugel auf die nackten Zehen plumpsen könnte, bestand der Ausbilder darauf, dass wir die Kettlebell barfuß bewegen – viel besser sei das für das Körper- und Bewegungsgefühl.

Großer Zeh – vom Greifen zum aufrechten Gang

Die Füße ununterbrochen in enges Schuhwerk zu pressen, scheint dem Körper nicht gut zu tun. Vor allem die großen Zehen sollten sich frei bewegen können – Als wir als Affen auf den Bäumen lebten, diente der große Zeh dem Greifen. Beim später erfolgenden aufrechten Gang ist er einer der wichtigsten Stabilisationsfaktoren.

Weswegen viele Schuhe, die die Zehen aneinander quetschen, womöglich schick, gleichwohl aber ungesund sind. Und je dicker und gepolsterter die Sohle, was vermeintlich Verletzungen vorbeugen und Schmerzen vermeiden soll, umso schlechter. Der Fuß, das Fußgelenk, die gesamte darauf aufbauende Bein- und Körperstruktur, werden in ihrer Funktionalität beeinträchtigt (siehe: NBT-Podcast Transcript: Run for Your Life: An Ancestral Health Approach to Running).

Trägt man ununterbrochen Hand-Schuhe?

Radikale Vertreter des Barfußlaufen halten schon minimalistische Schuhe, sogenannte Barfußschuhe, von denen es mittlerweile viele verschiedene Varianten von vielen verschiedenen Herstellern gibt, für ein Übel. Sie propagieren: unten ganz ohne!

Und die Verletzungsgefahr?

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Bushmen: Ein primitives Volk?

Campsite No. 4 "Chimelo" in Okonjima
Ausblick der Campsite No. 4 „Chimelo“ in Okonjima

Die San haben eine gewisse Bekanntheit als „Kalahari Bushmen“ erlangt, in Namibia zählen sie zu den ursprünglichen Völkern. Bekannt geworden sind sie durch ihre ursprüngliche Lebensweise nahe und im Einklang mit der Natur – und ihre Ausdauer-Hetzjagden auf Beute-Tiere: Sie rennen über Stunden und Tage Antilopen zu Tode.

Eine solche Leistung hat uns als frühere „Ironman“-Triathleten und heutige Wildnispädagogen natürlich beeindruckt. Das so genannte Coyote Mentoring ist maßgeblich von der nordamerikanisch-indianischen Naturauffassung geprägt, aber auch von der anderer nativer Völker auf dem Globus: tatsächlich den San etwa (tatsächlich habe ich ein paar Versuche unternommen, mit einem selbstgebauten leichten Speer und einem Trinkrucksack querfeldein zu rennen).

BBC-Film über Ausdauer-Hetzjagd

In Okonjima besteht die Möglichkeit, mit zwei Guides einen zweistündigen Bushmen-Trail zu gehen und einiges über dieses faszinierende Volk zu lernen – und selbstverständlich lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen. Peter und Maliki sind kleine Männer, ob sie den Bushmen entstammen, bleibt unklar. Sie tragen zwei eingerissene, abgeschabte Tragesäcke aus Springbock-Haut bei sich, in denen sich die typischen Ausrüstungsgegenstände eines wandernden Bushman befinden (und beide besitzen ein modernes Smartphone, auf das sie dann und wann verstohlen starren).

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Okonjima: Auf der Suche nach Saskia

Leopard in Okonjima
Leopard in Okonjima

Sind Frauen so? Saskia jedenfalls lässt sich lange bitten; wir sind ihr stundenlang hinterher gefahren, haben gelauscht, geschaut, keine Spur. Ihretwegen haben wir Bäume gestreift und Büsche umgefahren, dass das Holz nur so krachte – aber nur das Knistern im Funkempfänger verriet, dass sie nahe sein könnte.

Unser Fahrer schwenkt eine Art postmoderne Wünschelrute immer wieder in die Luft, und meint schließlich, dass die Dame weniger als hundert Meter entfernt sein müsse. Was ziert sich Saskia nur so?

Leopardin Saskia auf der Jagd
Leopardin Saskia auf der Jagd

Und dann sehen wir sie, wie sie träge blinzelnd an einem Baum liegt – und sich von dem massigen Touristen-Toyota mit rund zehn Sitzplätzen nicht im mindesten stören lässt. Nicht aussteigen, warnt Aaron, unser Guide: Solange wir im Auto sind, hält uns die Leopardin für zu große Tiere. Passt nicht ins Beuteschema – aber ein einzelner Mensch auf zwei Beinen ist nicht viel mehr als eine kleine Antilope.

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Etoscha: Rhinos, die auf Menschen starren

Giraffe mit Vorfahrt
Giraffe mit Vorfahrt

Endlich wieder rätselhafte Geräusche nachts! An der Skelett-Küste übertönt die Brandung alles, aber im Landesinneren erklingt eine Kakophonie von Luft- und Bodentieren. Die Klänge im hessischen Spessart weiß ich mittlerweile zu unterscheiden, aber die der Wüstenwelt Namibias sind so viel umfangreicher und vielfältiger…

Die Schotterpiste im Skeleton Coast Park bringt uns ab Torra Bay in Richtung Kamanjab; sie führt auf und ab entlang vieler Landschaftsformen ins Landesinnere, und am Rande künden große Kackhaufen aus Pflanzenmaterialien von großen Tieren. Aber keine Elefanten sind zu sehen…

Ein anderes großes Tier steht indes auf einmal gemütlich kauend am Straßenrand, und das wird die erste von vielen gemütlich kauenden Giraffen am Straßenrand sein, denen wir vor und im Etoscha Nationalpark in den kommenden drei Tagen begegnen werden. (In diesem Zusammenhang: Giraffen hinterlassen erstaunlich kleine Hinterlassenschaften.)

Derweil wirbeln wir Staub auf der breiten Schotterpiste auf – am Rand sind dann und wann ärmliche Wellblech-Hütten zu sehen, bei denen man vielleicht lieber nicht wissen möchte, wie es ihren Einwohner gelingt, im harten und heißen Wüstenleben zu (über-)leben. Die Einkommensunterschiede sind groß in Namibia.

Allein mit den Stachelschweinen

Unser Dachzelt schlagen wir zuerst nahe Kamanjab im abgelegenen Porcupine Camp auf – ein Schild, das von „Kaffee & Kuchen“ kündet, weist den Weg auf rund 300 Hektar, die Katrin Haenisch, geboren in Namibia, nahezu alleine im Alter von mehr als 70 Jahren (und nach einem Schlaganfall etwas steifbeinig) bewirtschaftet. Die Tochter hat das anstrengende Leben schon vor Jahren aufgegeben und ist mit ihrem Mann nach Swakopmund in die Stadt gezogen. Aber Katrin Haenisch bleibt – bis zum Ende.

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