Archiv für den Monat: August 2016

Dettifoss, Dimmuborgir, Hljodaklettar, Husavik

Myvatn

Myvatn-See

Von unserem Standplatz-Schrottplatz ging es gestern zunächst Dettifoss, dem Wasserfall Islands schlechthin, dem voluminösesten Europas überhaupt. Zuvor schaute sich unsere neunköpfige Truppe noch ein paar Dämpfe aufgrund heißer Quellen in der Umgebung des Myvatn („foss“ = „Wasserfall“, „vatn“ = „see“) an; ich nicht, weil ich beim Unimog geblieben bin, dessen Motor ich habe laufen lassen. Ich hatte einfach keine Lust auf die Vorförderpumpen-Prozedur, um ihn wieder anlassen zu können. Es war ohnehin alles gerammelt voll mit Besuchern…

Auf der Fahrt zum Dettifoss haben wir Dimmuborgir, eine Art Lava-Garten mit wie Trolle aussehenden Fels-Formationen, sowie eine bekannte Felsspalte mit Höhlen aus blau schimmernden Wasser besucht (Anm.: Name wird nachgereicht).

Den Dettifoss muss man gesehen haben, klar. Vor allem ist er gut besucht, auch klar. Aber schön ist er nicht, er sieht ziemlich schmutzig aus. Immerhin ist er gewaltig, und das schien mir in Videos besser als in Fotos erfassen zu sein. (Anm.: Video-Zusammenschnitt wird nachgereicht).

Nach kurzer Pistenfahrt kamen wir gestern abend auf der Hljodaklettar-Campsite in einem Tal an, fanden ein schönes Fleckchen für unsere drei Lkw’s – ruhig war es sowieso, kaum andere Geländewagenfahrer, Pkw-Fahrer, Mountainbiker oder Wanderer da.

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Standplatz auf Hjodaklettar-Campsite

 

Heute hatten alle Lust auf Muße, auf spätes Aufstehen, auf langsames in-den-Tag-kommen, der von Sonnenschein geprägt war. Schließlich brachen wir zu einer Wanderung rund um die Lava- und Basaltfelsen von Hljodaklettar auf:

Das Ende der (gemeinsamen) Reise naht (die letzte Woche wird jede Lkw-Besatzung alleine in einer Region eigener Wahl verbringen): Wir fuhren an der Küste entlang nach Husavik, wo wir uns in den Hafen stellen und dort auch übernachten, nachdem die Diesel-Leitung des Unimogs erneut deutlich geleckt hat (was Beate durch einen Diesel-feuchten Tank beim Fahren im Außenspiegel bemerkte).

Gelernt: Reparaturarbeiten mit Problemcharakter immer in der Nähe von hilfefähiger Infrastruktur vornehmen! In einem Fischereihafen etwa nimmt man kleinere Mengen tropfenden Öls nicht so krumm; jemand, der schrauben kann und Schrauben hat, ist vermutlich auch nicht weit. Schluss mit dem improvisierten Abdichten durch Klebeband heißt es allerdings: Ich montiere mit Andrés Hilfe eine neue Diesel-Leitung unter Verwendung von Schlauchschellen. Ab jetzt hält’s!

Dann essen wir mal nicht an Bord unserer Fahrzeuge, sondern in einem netten Hafenrestaurant Husaviks nahe der geparkten Lkw’s.

Morgens, mittags, abends: Getriebeöl und Diesel

unbenannt-650Jedem hilft jedem: Überquerung eins Fluss-Laufes.

Nach wenigen Kilometern Piste erreichen wir eine Siedlung namens Höll – einem Ort, der eigentlich nur aus einer Autogarage besteht… Das kommt in Island öfter vor: Auf der Landkarte sieht man viele – vermeintliche – Ortsnamen, die überwiegend nur einzelne Höfe sind. Zu denen führen lange Anfahrten, am Pistenabzweig selbst ist ein Briefkasten zu sehen, in der Ferne dann die Gebäude.

Die Autogarage in Höll steuern wir an, weil André – zurecht – die Vermutung hegt, dass man ihm dort ein Schweißgerät ausleihen könne. An seinem Fahrersitz ist eine Strebe gebrochen. Auch in diesem Fall erleben wir die große Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Isländer – der Garagenbesitzer überläßt uns ohne weiteres sein gut sortiertes Werkzeugsortiment.

Getriebeöl – der neue Herrenduft

Während Andrè schweißt und die zerstörte Winde am Heck seines IFA von Trümmerstücken säubert (siehe: Happy Birthday! Ich habe den Unimog versenkt!), machen wir anderen uns daran, die völlig verdreckten, verschlammten und verknoteten Bergungsgurte zu säubern und voneinander zu trennen. Was mit einigen Mühen einhergeht. Ich prüfe mal wieder den Stand des Getriebeöls – ohne daran zu denken, dass die das Verteilergehäuse (wie die Achsen) des Unimog unter Druck stehen, und erhalte so eine Getriebeöldusche von oben bis unten (ein hartnäckiger Geruch, der aus den Klamotten erst nach mehrmaligem Kochen zuhause herausging).

Bei der Weiterfahrt durchqueren wir weitere Lava-Mondlandschaften, dann erreichen wir das Gletscher-Eis vom Hofsjökull. Es gilt abermals, eine kleine  Stein-Brücke über einen Fluss zu bauen (siehe Bild oben), bevor wir auf Treibsand und Uralt-Eis herumbalancieren können.

Nee! Darf nicht wahr sein! Der Unimog springt nach Rückkehr nicht an, es gibt ein Problem mit der Diesel-Zuführung – und ab jetzt werde ich in den nächsten Tagen vor jedem Anlassen die Motorhaube öffnen, um erst einmal via Vorförderpumpe Diesel in die Leitung und die Einspritzpumpe zu bekommen… es wird sich herausstellen, dass mehrere Leitungsschläuche übereinander liegen und sich während der endlosen Schüttelfahrten gegenseitig durchgescheuert haben.

Nahe einer einsamen Schutzhütte in Sichtweite des Hofsjökull-Gletscher am Tvifell schlagen wir unser Nachtlager auf. Kein Mensch weit und breit.

Unterm Auto statt im Hot Pool

Nach einer ruhigen Nacht heißt es dann für heute: Morgens schrauben, mittags schrauben, abends schrauben. Getrieb-Ölstand und leckende Diesel-Leitung prüfen bzw. reparieren. Während die Frauen in einem Natur-Hot Pool baden und sich die Haare waschen, hantiere ich mit Getriebe- und Diesel-Öl…

Wir erreichen die Sprengisandur-Piste wieder, machen Halt an zwei Wasserfällen und preschen durch die fast schon vertraute Mondlandschaft aus Lava und Lavasand. Nachstehend Bilder vom Aldeyarfoss, an dem man wie durch einen Querschnitt geomorphologische Einsichten gewinnen kann:

Speziell der Aldeyarfoss mit seinen Basaltsäulen war beeindruckend; um jenseits der offiziellen Beobachtungspunkte näher heranzukommen, war eine kleine Kletterpartie notwendig. Zum Aldeyarfoss trauten sich schon wagemutige Pkw- und SUV-Fahrer; der Besuch des  zweiten Wasserfalls – des Godafoss („Wasserfall der Götter“) – brachte uns abermals zurück in die Asphalt-Welt der Reisebusse und Touristenpulks. Da fühlt man sich gut in dreckigen Klamotten, weil man ja ein Abenteurer ist, mit so einem Amarok-Unimog. ;-) …und  deplaziert, und ernüchtert, wieder in der Zivilisation zu sein.

WIr fahren weiter zum traumhaft schönen Myvatn-See, wo wir tanken, Wasser und Luft an einer Tankstelle auffüllen, von zahllosen nicht-stechenden Mücken (deswegen heißt der See „Mücken-See“) umgeben sind, und schließlich standesgemäß auf einem Schrottplatz übernachten – nachdem wir von unserem eigentlich anvisierten Standplatz vor einem Schwimmbad (das geschlossen hat; kann sich die Gemeinde nicht mehr leisten) von einem Naturpark Ranger vertrieben wurden. Kann passieren; freie Übernachtungen sind immer davon geprägt, dass man nicht weiß, ob und wann man eventuell zur Weiterfahrt oder zum Ansteuern eines Campingplatzes aufgefordert wird.

unbenannt-707Ausblick auf Garage & Schrottplatz

Immerhin: Auch auf diesem Schrottplatz gab es ein paar prächtige Kfz-Pretiosen zu bewundern… Uns er Unimog hat sich da wohler gefühlt, als hinter dem Schwimmbad. Wir auch. Abendausklang: Ich habe die durchgescheuerte Diesel-Leitung mit Res-Q-Tape zu reparieren versucht, während André mit Anne in einem Fitness-Studio duschen und Beate mit Katharina spazieren war.

 

Happy Birthday! Ich habe den Unimog versenkt!

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Kein Unimog-Auspuff – rauchender Schlot in Hveravellir.

Regen, Nebel, starker Wind: Ab 75 km/h bzw. 9 Beaufort gilt dem Deutschen Wetterdienst eine Windbewegung als stürmisch…vermutlich waren wir gestern Morgen davon noch weit entfernt, auch wenn es sich nach Sturm angefühlt hat. Die ganze Nacht hat der Unimog geschwankt, der Wind um die Ecken des Autos geheult, der Regen aufs Dach getrommelt.

Off-Day in Kerlangarfjöll somit: Wir verbringen einen kalten Tag warm im Bett und vor Büchern und Laptop. Der leckende Wellendichtring ist ernst zu nehmen – da sollte was passieren. Nach einer Internet-Recherche durch Unimog-Foren und –Schrauberseiten – Glück, dass wir tatsächlich mal eine akzeptable Internet-Verbindung haben; ist selten der Fall in diesen Tagen – nehmen wir Kontakt mit unserer Unimog-Werkstatt im heimischen Langenselbold auf; Firmenchef Klaus Martin hilft sofort und unbürokratisch und schickt uns Infos und Explosionszeichnungen des Antriebsstranges per MMS aufs Smartphone.

We love Icelanders

Jon Harkur Olafsson wird sich als ein ferner Freund erweisen. Der Mann arbeitet im Kundendienst beim Mercedes-Händler Askja in Reykjavik und ordert für uns Wellendichtring und Gaspedalfedern. Und obendrein schickt er diese Teile uneigennützig an eine Lkw-Werkstatt in Akureyri im Norden Islands, die er extra für und recherchiert hat – denn in diese Richtung sind wir unterwegs; nach Reykjavik zurück zu fahren würde das Ende der (gemeinsamen) Reise bedeuten. Einmal mehr erweisen sich die Nachfahren der Wikinger als großartige Menschen.

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#Abgehakt: Thingvellir, Geysir, Gullfoss

Strokkur-Geysir in Geysir“Strokkur”-Geysir in Geysir.

Es gibt so etwas wie das Goldene Dreieck Islands – zumindest was die Attraktionen und damit verbundene Besucherströme betrifft: Thingvellir, Geysir, Gullfoss liegen relativ nahe beieinander und sind mit Bussen, offroad oder onroad, von Reykjavik zu erreichen. Der dritte oder vierte Tag in der Zivilisation nach der ersten Hochland-Woche führt uns in die Welt der Bus-Touristen – wir erleben volles Haus in Thingvellir, der Versammlungsstätte der Alten Gemeinschaft Islands, dort wo die Häuptlinge und Clansfürsten des Mittelalters zusammen kamen, um Recht und Gesetz zu diskutieren und zu sprechen. Einen König oder eine übergeordnete Kontrollbehörde (neudeutsch: “Law Enforcement”, vulgo: Polizei) gab es freilich nicht.

Ziemlich voll hier. Außerdem rüffelt uns eine Park Ranger-Frau in recht hysterischer Weise. Über ein Stück Moos zu fahren, sei für einen Isländer schlimmer als wenn jemand die Nationalflagge verbrenne, wütet sie u.a. – da haben wir aber schon andere erlebt (und werden noch ganz andere erleben), und mir persönlich sind die eigene wie alle anderen Nationalflaggen komplett wurscht. Auch scheint sie Deutschland für einen Hort der Regel- und Ordnungslosigkeit zu halten – interessante Perspektive, die die Dame mal mit einem Marokkaner diskutieren müsste.

Der wahre Geysir heißt Strokkur

In Geysir, so heißt der Ort tatsächlich, gibt es genau diesen zu bewundern. Geysir ist ein Ortsname, der sich als Synonym für eine intermittierende Heißwasser-Fontäne in viele Sprachen der Welt geschlichen hat. So wie “Tempo” für Taschentücher, “Uhu” für Klebstoff. In Geysir gibt’s mehrere Geysire, einer davon wird alle paar Minuten aktiv und heißt mit richtigem Namen “Strokkur”. Einige blubbern nur vor sich hin…

Wir übernachten auf dem Parkplatz vor den Geysiren, obwohl’s eigentlich verboten ist – niemand kommt, um uns zu verscheuchen. Die Möglichkeit, dass doch noch zu später Stunde jemand kommt, um einen des Platzes zu verweisen, macht das freie Stehen manchmal unangenehm. Aber auch das ist Island, anderswo in der Welt geht es da lockerer zu.

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That’s Iceland!

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Im Gebiet um Pörsmörk.

Von unserem Übernachtungsplatz nahe eines flachen Flussbettes aus gehen wir einen Canyon mit Bachlauf hoch, um einen kleinen, versteckten Wasserfall zu erreichen. Über den mäandernden Bach führt keine Brücke, wir müssen einen Weg aus Steinen suchen – was sich als schwierig erweist. Leider ist auch dieser Ort kein Geheimtipp mehr, müssen wir erfahren, als eine Busladung Island-Reisender uns folgt und deren Fahrer in Gummistiefeln beginnt, seinen Gästen einen Weg über das kalte Nass zu bauen.

Immerhin lernen wir dabei einen Trick: Statt eine “Brücke” hoch zu bauen, trägt er an geeigneter Stelle ein paar aus dem Wasser ragende Brocken ab, so dass ein Abfluss entsteht. Damit ragen nach einer Weile ein paar andere Brocken umso mehr aus dem Wasser – und so beginnt sich eine “”Brücke” zu formen. Beate und ich haben freilich derweil unseren eigenen Übergang weiter unten gesucht und sind am Abhang entlang auf der anderen Bachseite hochgekrabbelt.

Auf einer Campsite einige Pisten-Kilometer weiter halten wir – Zelte verlieren sich zwischen Bäumen und Sträuchern, Offroad-Busse und erstaunliche “Super-Jeeps” mit ausklappenden Trittsteigen für (Vorsicht! Klischee-Bildung!) dicke US-amerikanische Touristen parken vor der Hütte – auch erstaunlich, dass mancher Fuß-Reisende Lade-Kapazitäten für den Bier-Vorrat hat, der im Bächlein gekühlt wird. Beate und ich wiederum haben als proteinreiches, fettarmes und nahezu kohlenhydratloses Energiefutter für unterwegs den Trockenfisch entdeckt, der sich allerbestens in die von uns praktizierte Ernährungsweise nach der “Warrior Diet” integrieren lässt.

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