Wie man im Klima-Kollaps blüht statt glüht – Teil I

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, und so hat ein weit reisender Freund erzählt, dass Jakarta im Meer versinkt. Mit eigenen Augen gesehen! Der Freund ist nicht der Grünsten einer, aber seitdem er die Mauer gesehen hat, die man vor Jakarta ins Meer gebaut hat, und auf die bei steigendem Pegel immer mal ein weiterer Meter drauf gebaut wird, ist er vom Klimawandel überzeugt.

So ist das mit dem Unterschied der Wahrnehmung von Charts & Grafiken & Tabellen und den Geschehnissen vor Ort. Denn der Freund ist sehr wissenschafts-faktenorientiert und kennt die Zahlen.

Die Hölle bricht aus

Gut in Zahlen und Wissenschaft ist auch Gaia Vince; und wer wissen möchte, was auf ihn/sie/es in den kommenden Jahren & Jahrzehnten zukommt, dem/der sei die Lektüre ihres Buches „Nomad Century. How to survive the climate upheaval“ sehr ans Herz gelegt. Danach liest man Michael T. Klare: „All hell breaking lose“ – wie sich die US-Armee auf die kommenden Klima-Kriege & -Konflikte vorbereitet. (Vielleicht „vorbereitete“: Das Buch erschien, bevor Trump zum zweiten Mal an die Macht kam.)

Auf Reisen erlebt man viele Dinge direkt, über die man sonst nur etwas in den Nachrichtenmedien sieht/hört/liest. Die Rezeption bleibt bei letzterem Zugang zwangsläufig distanziert, die Reaktion auch. Unmittelbar konfrontiert sieht vieles anders aus, und das führt manchmal dazu, das bigger picture wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund hier der erste von fünf Teilen einer kleinen Serie zu blooming statt dooming.

Man darf annehmen, dass unter den Pentagon-Planern eher wenige naturromantische Grünlinge und Klima-Aktivisten zu finden sind; wenn die den Klimakollaps ernst nehmen, wird es Zeit für alle anderen, ihn ernst zu nehmen. Und mehr muss dann auch nicht lesen und wissen.

Deep Adaptation statt Camo-Ammo-Prepping

Ganz gewiss ernst nimmt Prof Jem Bendell (-> You don’t escape this. You can’t avoid losing things. You can gain what’s most important und -> Die letzten Bestellungen bitte) den anstehenden Klima-Kollaps mit der von ihm entwickelten Deep Adaptation-Agenda (-> https://en.wikipedia.org/wiki/Deep_Adaptation) und seinem Buch Breaking Together. Im Kern stehen dabei die vier „R“:

  • Resilience: what do we most value that we want to keep, and how?
  • Relinquishment: what do we need to let go of so as not to make matters worse?
  • Restoration: what could we bring back to help us with these difficult times?
  • Reconciliation: with what and whom shall we make peace as we awaken to our mutual mortality?

Deep Adaptation ist keine Neu-Auflage von apokalyptischen oder post-apokalyptischen Camo-Ammo-Prepper-Phantasien nach Mad Max-Manier, sondern „seeks to develop so-called collapse-readiness (ie, creating an equitable system for distribution of life essentials such as food, water, energy, and health care) and collapse-transcendence (fostering psycho-social-spiritual-cultural shifts to accept and live through collapse with some composure and stability).“ (siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Deep_Adaptation). Für die bekannte US-amerikanische, buddhistisch orientierte Umweltaktivistin Joanna Macy hat Deep Adaptation etwas mit „to ensure a softer landing, to minimize suffering, and to save what can be saved…” zu tun.

Dooming & Blooming

Jem Bendell wiederum sieht im unausweichlichen Kollaps eine Chance auf eine andere Art von Wachstum: Rückbesinnung zu dem, was wirklich wichtig ist. Entwicklung von Fähigkeiten & Fertigkeiten, die wirklich wichtig sind. Er nennt das Gentle Prepping bzw. dooming & blooming. Gentle Prepper und Homesteader (wie The Pirate Ben & Happy Dooming!) sind Bloomer, weil sie versuchen, mit wenig auszukommen bzw. sich von wenig abhängig zu machen, Dinge wieder zu verwenden, so weit wie möglich autark und selbstgenügsam zu sein.

Eine Situation wie jüngst die des großflächigen und langandauernden Stromausfalls in Berlin würde diese Leute nicht bange machen; sie können auf ihre eigenen Kräfte vertrauen, damit fertig zu werden. Mehr noch: Indem sie keine Hilfe staatlicher Stellen oder von Hilfsorganisationen brauchen, nehmen sie dererlei Kapazitäten nicht in Anspruch, die dann weniger gut Vorbereiteten zugute kommen können. Während das rechtsgewirkte Camo-Ammo-Preppertum tief egoistisch ist, kommt das Gentle Prepping sozial & kooperativ daher. Auch darin liegt blooming. Was das konkret bedeutet? ->

Fortsetzung folgt…

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