Tamboershoek: such a lovely surpise!

Welgemoed oder Rooiheuwel? Beide Gästefarmen sehen in der Tracks4Africa-App vielversprechend aus (außer, dass beide auch um Trophäenjäger als Gäste werben), beide liegen an der gleichen kleinen Hinterlandschotterpiste irgendwo zwischen dem Karoo-Städtchen Fraserburg und der Karoo-„Metropole“ Beaufort-West.

Bei dererlei Gästefarmen ist es ratsam, vorher Kontakt aufzunehmen. Manchmal gibt es sie gar nicht mehr. Oder sie werden gerade renoviert. Oder die Campsite ist gerade überflutet worden. Oder oder oder…

Mobil gefunkt wird in der Karoo häufig nur innerorts und um die Städte, dazwischen herrscht kommunikative Ruhe. Das wiederum zieht organisatorisch nach sich, dass man morgens bei Abfahrt eine Anfrage per WhatsApp (ein anderer Messenger wird in Südafrika eigentlich nicht genutzt) oder Email absetzt und davon ausgeht, dass diese in den kommenden Fahr-Kilometern bzw. -Stunden beantwortet sein wird. Wenn man wieder ins Mobilfunknetz eintaucht.

So goes the theory, und so läuft es in diesem Fall auch. Und, wenig überraschend, die jeweiligen Besitzer beider Gästefarmen weilen derzeit nicht auf ihrem Gut und wollen versuchen, einen der Farmworker oder Caretaker zu erreichen (wiederum schwierig, siehe vorstehend) und den fragen, ob der das Farmgate öffnen und mich reinlassen kann.

Es vergeht weitere Fahrt-Zeit im Ungewissen. Karoo-Puschelgewächse ziehen in unterschiedlicher Dichte und Farbe vorbei. Plant-TV in den Seitenfenstern.

Im Vorbeifahren nehme ich ein Schild wahr: accommodation. Dabei das Symbol eines Zeltes. Ok, die haben also eine Campsite… warum es nicht mit der versuchen? Anstatt werweißwieviele Kilometer weiterzupuscheln und dann vielleicht vor einem verschlossenen Gatter zu stehen. Ich lenke den Landy die Senke zum hübschen Farmhaus runter.

Hupen! steht am Eingangstor, nun denn. Dreimal. Lange, laut. Niemand kommt, auch fährt das massive Gatter nicht beiseite (kommt auch vor). Ok, auch hier niemand da… Also den Zaun entlang weiter runter, da unten kann man wenden.

Auf diesem Wege gelange ich ungeahnt ans Hintertor – und da steht und winkt einer. Sonnenhut, an den Füßen Sandalen, die ähnlich zerschlissen und zerfetzt wie die meinigen sind. Lewis heißt der junge Mann, und er macht gerade ein Praktikum auf der Tamboershoek Schaffarm; eigentlich studiert er in England.

Lewis ist vom Landy begeistert und erklärt, dass Tamboershoek keine Campsite biete, nur schöne Chalets. Aber ich könne bestimmt bleiben, er kläre das mit Eigentümerin Carla. Und wie wäre es damit, oben auf dem gegenüberliegenden koppie zu campen – die Aussicht wäre sensationell.

Tatsächlich ist sie das, und nachts ermöglicht der Standplatz oben auf dem Hügel einen ebenso sensationellen Ausblick auf ein spektakuläres Wetterleuchten, das die ganze Nacht hindurch am rechten Zeltdach-Fenster in der Ferne vorbeizieht. Ich weiß schon: Wetterleuchten sind weit weg, weil sie eigentlich nur Widerhall von Gewittern anderswo in den Wolken sind.

Man hört auch keinerlei Donner. Nur zucken die Blitze so heftig und stetig, dass im Zeltdach zeitweilig einer das Licht anzumachen scheint. Alleine auf dem Hügel oben in einem Fahrzeug, dass mit aufgestelltem Zeltdach definitiv kein Faraday’scher Käfig mehr ist, hoffe ich, dass jene Gewitter dort am Horizont nicht doch näher kommen… Plan B ist, im Falle des Falles runterzufahren und Deckung neben dem nächstgelegenen Chalet zu suchen. Ein paar hundert Meter kann man auch mit geöffnetem Dachzelt fahren.

Das wird dann aber doch nicht nötig sein. Morgens fahre ich früh weiter, schreibe einen Dank an tamboershoek@gmail.com (Gmail wird in Südafrika in etwa so häufig wie WhatsApp genutzt) und biete an, eine Gebühr für die Übernachtung später zu überweisen.

Nicht nötig, kommt die Antwort von Carla: „you stayed with us, such a lovely surprise. No need to pay anything. Hope you enjoyed it!“

So ist das in der Karoo.

P.S.: Nachdem es wieder Mobilfunk-Signal gibt, poppen die Nachrichten der Besitzer von Welgemoed und Rooiheuwel auf – und beide haben ihre Farmworker erreicht und arrangiert, dass mir aufgemacht wird. Ich antworte und entschuldige mich, dass ich vorher schon eingekehrt bin. No problem, lautet die jeweilige Antwort.

So ist das in der Karoo.