Der 81jährige Oupa von Edenvallei ist so ein Afrikaner, wie er im antikolonialistischen Lehrbuch zu stehen scheint: Das Land war zu Apartheid-Zeit gut, besser organisiert, alles lief. Sagt er. Jüngere Generationen sagen eher: Wir waren ein Firstworldcountry.
Der Oupa meint, er hätte als 6jähriger nicht als Pflichtfach deutsch, sondern Xhosa und Zulu in der Schule haben sollen – nicht weil es der Verständigung dienen könnte, sondern dann würde er verstehen, was die Schwarzen untereinander sprechen und wann sie über einen Weißen herziehen. Der Oupa fährt jeden Meter mit seinem altersschwachen Klein-Bakkie, den Krückstock auf dem Beifahrersitz, falls er doch mal aussteigen muss. Wenn er mit einem seiner Camping-Gäste reden will, hupt er ihn herbei.
Oupa ist einer, der – altersbedingt nachvollziehbar – für den Rest seines Lebens im Schützengraben bleibt. Da ist er nicht alleine, das sitzt noch eine Generation jünger mit drin, vielleicht sogar zwei, und zu denen gesellen sich die gleichaltrigen Kader von der Gegenseite.
In der beliebten, quirligen Universitätsstadt Stellenbosch mag man indes beobachten, wie die jungen Leute von heute jenseits der Hautfarben einen lässigen Umgang pflegen. Auch in Stellenbosch ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – aber es scheint sich ein Zukunftsbild abzuzeichnen, wie es sein könnte, wenn die Generationen in den Schützengräben ausgestorben sind. Auch in der Kalahari-Stadt Upington präsentiert sich der Umgang der Hautfarben miteinander entspannter. Oder in der Provinzstadt Malmesbury. Diese Orte liegen jedoch in Nord- und Westkap; in KwaZulu-Natal, Limpopo und den anderen Provinzen sind die Gräben tiefer, die sozialen Ungleichheiten noch größer.
In KwaZulu brannten Jacob Zumas Gefolgsleute die Schulen ab. Zuma ist einer, der besonders ruchlos staatliches, also Steuergeld, in seine Taschen und die seines Clans schaufelte. Sehr viele kleine Leute rennen ihm dennoch nach und scheinen die hemmungslose Bereicherung (für die sogar einen eigenen Begriff gibt: „state capture“) nicht wahrzunehmen. Warum tun die das?
Für Oupa ist klar: Weil die (Schwarzen) dumm sind. Aber warum sind die dumm? Weil die halt keine Intelligenz haben, sagt der Oupa. Wenn man so was nicht glauben möchte: Weil die Bildungschancen schlecht sind? Braucht man aber Bildung oder ein Übermaß an Intelligenz, um zu erkennen, dass es dumm ist, die Schulen der eigenen Kinder und deren Zukunftschancen abzufackeln? An dieser Stelle bleibt nur Ratlosigkeit. Der Oupa grient.
Zum Abschied sagt der Oupa, dass wir uns wohl nicht wiedersehen werden. Er hat die Campsite verkauft, zuviel Arbeit, der Sohn will sie nicht übernehmen. Zwei Investoren werden die acht Millionen Rand hinblättern. Damit kann der Oupa mit der dazugehörigen Ouma in einem kleinen Haus irgendwo zwischen Moorreesburg und Piketberg fein leben.
Mit der charmant-hemdsärmeligen Campsite im Zeichen der Fischadler an einer Biegung des Bergrivier wird es dann vorbei sein, und mit ihrer Stille, die nur von den Rufen der Kormorane und Enten unterbrochen wird. Die Investoren werden alles chic gestalten, für Luxury-Lodge-Touristen und für Kapstädter mit Sportbooten, deren Nachwuchs gerne Wasserski zur Dröhnung der Boomboxen fährt.
Die Fischadler sind ohnehin schon lange fort. Totsiens, Oupa.
