Jina spricht sehr gut Englisch, ist aber nie aus Velddrif rausgekommen und betet zu Gott, dass sie sich ein altes, billiges Auto leisten kann, damit sie die 16 Kilometer von der Farm ihres Bosses am Tafelberg ins Dörfchen Redelinghyus nicht mehr laufen muss. Hin- und Rückweg so lang: Da kommt sie nicht mehr vor der Dunkelheit zurück. Sie will dem Boss aber auch nicht zur Last fallen und sich von ihm mitnehmen lassen.
Sie mag ihre Katzen, die nicht ihre sind, und mag die Hunde der Besitzerin nicht, weil die die Katzen jagen.
Eyal Yanilov und Björn Karlsson beim Training nahe der Bergfestung Masada.
Die israelische Selbstverteidigung Krav Maga wurde fürs Militär entwickelt – und bleibt auch in ihrer zivilen Variante eng mit der Armee verknüpft
„Push-Ups!“ Also runter, auf den blauen Weichboden, Rumpf gestreckt, Arme angewinkelt: „Achat, schatjim, schalosch…“ Eins, zwei, drei Liegestütze … mittendrin ein Schatten von links, der zum Tritt ausholt: Deckung hoch, gerade rechtzeitig noch, ein Schlag knallt gegen den Arm. Jetzt aufspringen, Deckung weiter hoch, mit der Rechten eine Gerade zum Hals des Gegners, gleichzeitig ein Tritt zwischen seine Beine: Vorwärtsdruck entwickeln! Noch ein Kick vor die Brust. Eine Kombination von Gerade und Haken – abgestoppt – zum Kopf. Kniestoß mit aller Kraft gegen das rote Schutzpolster vorm Unterleib des Angreifers: Lars, ein kräftiger, untersetzter Schwede, knallt mit dem Rücken gegen die Wand. „Good!“ schreit der israelische Nahkampf-Instruktor, und: „Again!“
Schweiß rinnt die Stirn herab, die Lunge saugt Luft. Die Kontrahenten trennen sich, das Ganze von vorne. Lars im schwarzen Krav Maga-T-Shirt fängt an Liegestütze zu pumpen, sein Partner ist angewiesen, ihn währenddessen unvermittelt zu attackieren. Von vorne, von der Seite, von hinten. Mit Schlägen oder Tritten. „Think Krav Maga!“ hat Gabi, der Instruktor, immer wieder gesagt, und das soll heißen: Sei immer bereit, in jeder Moment, in jeder Situation. Erwarte das Unerwartete. Tue das Unerwartete. Zögere nicht, sei aggressiv, wenn Du angegriffen wirst. Verlasse dich auf niemanden. Kämpfe bis zum Schluss.