Maskenpflicht als Tugend des “Gray Man”

Beate & Oliver gewinnen der Maskenpflicht eine optimistische Note ab

Always train in a position of disadvantage, lautet eine der grundlegenden Maximen des Krav Maga. Denn: Krav Maga ist eine Über-Lebens-Technik, keine Fitness-Methode. Also kann man aus der derzeitigen Not – Maskenpflicht und Abstandsgebot aufgrund der Corona-Auflagen – eine Tugend und daraus eine Art “Gray Man”-Training machen.

Wenn man Krav Maga als etwas trainiert, dass einem nicht nur in einer unmittelbaren Konfrontation mit einem gewalttätigen Gegner in der Nahdistanz hilft, sondern über die Kampf-hinaus als Katastrophen-Bewältigungs-Technik wahrnimmt – dann kann man das Training mit Halstüchern & Masken vor Mund & Nase dahingehend interpretieren, unter Rauch- und Qualmentwicklung durch Brand (ausgelöst durch einen Anschlag?) oder aufgrund der Einwirkung von CN-/CS-Gas, Pfefferspray u.ä. agieren zu müssen.

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Was hat Krav Maga mit MBSR zu tun?

Beate Bechmann: Krav Maga-Instructorin, Heilpraktikerin, Hypnose-Therapeutin

Was hat Krav Maga (KM) mit Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) zu tun? Warum können wir* auf der einen Seite Selbstverteidigung und Nahkampf, Fighting Fitness und letztlich Überlebenstechniken und -taktiken lehren und andererseits etwas, was unter den Stichworten “Meditation” oder “Achtsamkeit” daherkommt? Mithin also einerseits etwas, was gerne mit Begriffen wie “hart” oder “tough”, “ruppig” und “rau” assoziiert wird, andererseits “weich” oder “innerlich”.

Ganz einfach. Weil es in beiden Fällen unterm Strich um eins geht: Stress.

Stressbewältigung ist das Krav Maga & MBSR-Stichwort

Wenn man so will: Stressbewältigung. Der Umgang mit Stress, die Bewältigung von stress-intensiven oder stress-reichen Situationen.

Ein Angriff auf die körperliche, geistige oder seelische Unversehrtheit stellt immer die intensivste, weil existenziell bedrohlichste Form von Stress dar. Schließlich ist unsere Stress-Physiologie mit der Fight-or-Flight-Reaktion in grauer Vorzeit entstanden als es ums Leben ging, wenn der Säbelzahntiger nahte. Darauf kommen auch Anti-Stress-Lehrer aus therapeutischem oder psychologischem Umfeld zurück, wenn sie erklären wollen, was in unserem Körper an hormonellen bzw. biochemischen Abläufen passiert, wenn wir im Alltagsstress sind – und der Säbelzahntiger mittlerweile in Form einer stressigen Beziehung in Familie oder Beruf daherkommt.

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MBSR: Stress, und wie man damit umgeht

Stress, und wie man damit umgeht – da hilft in gewalttätigen Extremsituationen Krav Maga, im Alltag, in Beruf und Familie jedoch Achtsamkeit in Form des MBSR-Programms. MBSR steht dabei für Mindfulness Based Stress Reduction – zu deutsch: Stressbewältigung durch Achtsamkeit.

Stress ist ursprünglich ein Begriff aus der Werkstoffkunde und wurde später in die Psychologie übernommen. Im Krav Maga kennen wir viele Stress-Drills – Übungen, die physisch und mental herausfordernd sind, und die die eigene Performance in einer Drucksituation sowohl einüben wie überprüfen sollen. Beim Krav Maga beschäftigen wir uns also mit physischen Übungen, die auch die mentale Belastbarkeit erweitern. Freilich kommen Krieg, Kampf und Katastrophen in unseren Breitengraden glücklicherweise eher selten vor.

Resilienz ist wie physische Fitness trainierbar

Stress im Job oder Verlust des Arbeitsplatzes, Beziehung gescheitert oder Ärger mit dem Nachwuchs, eine lebensbedrohliche Krankheit – das hingegen kann jede und jeden treffen. Manche Menschen zerbrechen an Schicksalsschlägen, werden drogen-, alkohol- oder medikamentenabhängig, verfallen in Burn-out und Depression. Andere haben stärkere Ressourcen, um Krisen zu überstehen: Diese innere Widerstandskraft nennt man in der Psychologie „Resilienz“ – und sie ist ebenso wie physische Fitness trainierbar.

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Krav Maga- & MBSR-Kurse bei PTBS

Oliver Bechmann im Gespräch mit Jon Kabat-Zinn über die Arbeit mit Gewaltopfern.

Gewalt führt häufig zu traumatischen Erfahrungen. Beim Opfer einer Gewalttat so gut wie immer. Aber auch bei Gewalt-Ausübenden – hier soll von denen die Rede sein, die sich der Gewalt beruflich bedingt aussetzen und sie anwenden müssen: Soldaten, Polizisten, Personenschützer, Sicherheitskräfte privater wie staatlicher Natur.

Bei denen kommt es aufgrund von Einsätzen zu körperlichen wie seelischen Verletzungen. Über PTBS – posttraumatische Belastungsstörungen – gibt es Artikel in Fachpresse, Zeitungen und Zeitschriften wie Sand am Meer (beispielsweise hier…). Heimkehrende US-Soldaten etwa werden zu einem hohen Prozentsatz von Depressionen und (Auto-)Aggressionen geplagt; manch einer bringt sich, manch anderer gleich seine Familie oder andere mit um. In den USA gibt es daher ein Programm zum Post-Stress-Debriefing, das Rückkehrer befähigen soll, sich nach längerem Aufenthalt in teilweise extremen Gewaltverhältnissen wieder in der heimischen Zivilgesellschaft zurechtzufinden.

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Seminartraining “Attacken in Bus & Bahn”

Bus & Bahn: Der öffentliche Personennahverkehr ist nicht selten ein Ort gewalttätiger Übergriffe, besonders in den Nacht- und frühen Morgenstunden. Busse & Bahnen machen den geordneten Rückzug oder ein Ausweichen meist schwer. Beengte Verhältnisse, enger Körperkontakt erschweren Bewegungs- und Verteidigungsmöglichkeiten enorm.

Um erprobte Krav Maga-Techniken aus der Halle in realistische Umgebung zu bringen, steht uns ein außer Dienst gestellte Bus – in dem normalerweise eine Freiwillige Feuerwehr des Kreises Offenbach übt. Großer Vorteil: Das Fahrzeug muss nicht betulich und vorsichtig behandelt werden, wie das häufig bei entsprechenden Trainingsangeboten anderswo der Fall ist!

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Krav Maga & MBSR, Kampf & Meditation

High-Risk-High-Stress-Situation im Übungs-Szenario beim militärischen Krav Maga-Training

Krav Maga (KM) und Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) sind zwei Kehrseiten einer Medaille – auf der einen Seite geht es um Kampf, Aggressivität, Aktivität, Hochspannung, intensive Reize, extrovertiertes Verhalten, auf der anderen Seite Ruhe, Stille, Spannungsabbau, waches Nachspüren, introvertiertes Verhalten – , haben aber doch einige Gemeinsamkeiten.

MBSR wie Krav Maga sind “simple”, “easy-to-learn”, “battle-tested”, d.h. erprobt und evaluiert, und beide sind als Reaktion auf “a real need” entstanden. Im Falle von Krav Maga die Angriffe auf den Staat Israel durch feindliche Armeen nach 1948; im Falle von MBSR wurden die ersten Acht-Wochen-Kurse schon in den 70er Jahren mit Leuten abgehalten, die ohne Zweifel wirklichen Stress jenseits von Alltagsbelastungen hatten: Krebs-, Herz- und Schmerzpatienten. Leute, die existenzielle Ängste hatten, Leute, denen ihre Schmerzzustände den Alltag zum Grauen machten, Leute, die jede Hoffnung auf Besserung ihrer Lage aufgegeben hatten.

MBSR & Meditation bei den Marines

MBSR dient mittlerweile im militärischen Kontext in zweierlei Funktionen: In der Vorbereitung auf hochriskante, hochkomplexe und hochstressige Situationen, um Soldaten zu mehr innerer Ruhe, mehr Stress-Stabilität und damit zu mehr Entscheidungs- und Handlungssouveränität zu bringen. Als Beispiel dafür mag ein Artikel (Marines expanding use of meditation training) aus der “Washington Post” dienen, der über den Einsatz von Mindfulness Meditation und ähnlichen Elementen bei den US Marines berichtet. In dem Text heißt es u.a.:

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Wie alles begann – und wohin es führte

Mit Kampfsport habe ich angefangen, als ich 15 Jahre alt war. Im Urlaub waren meine Eltern und ich angegriffen worden; ich hatte dabei keine gute Figur gemacht. Mein Selbstbewusstsein war schwer lädiert. Das wollte ich ändern und trainierte das, was in meiner Wohnumgebung möglich war: traditionelles Wado-Ryu-Karate.

Ich war mit der Übung von Kihon (Grundschule), Kata (Form) und Kumite (Kampf) nicht unzufrieden; dass diese klassische japanische Methode nicht notwendigerweise etwas mit realistischer Selbstverteidigung zu tun hat, wäre mir damals nicht in den Sinn gekommen.

Immerhin, es war ein traditionelles japanisches Training – ich habe dabei sehr viel Disziplin und Kontrolle gelernt, auch und gerade meiner selbst. Und Ausdauer und Zähigkeit, denn in den klassischen Kampfkünsten Japans und Chinas kommt es immer wieder zu Durststrecken, die man durchstehen muss.

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