Wie alles begann – und wohin es führte

Mit Kampfsport habe ich angefangen, als ich 15 Jahre alt war. Im Urlaub waren meine Eltern und ich angegriffen worden; ich hatte dabei keine gute Figur gemacht. Mein Selbstbewusstsein war schwer lädiert. Das wollte ich ändern und trainierte das, was in meiner Wohnumgebung möglich war: traditionelles Wado-Ryu-Karate.

Ich war mit der Übung von Kihon (Grundschule), Kata (Form) und Kumite (Kampf) nicht unzufrieden; dass diese klassische japanische Methode nicht notwendigerweise etwas mit realistischer Selbstverteidigung zu tun hat, wäre mir damals nicht in den Sinn gekommen.

Immerhin, es war ein traditionelles japanisches Training – ich habe dabei sehr viel Disziplin und Kontrolle gelernt, auch und gerade meiner selbst. Und Ausdauer und Zähigkeit, denn in den klassischen Kampfkünsten Japans und Chinas kommt es immer wieder zu Durststrecken, die man durchstehen muss.

Nachdem mein Vater im Alter von 45 Jahren an Krebs gestorben war, zog es meine Mutter (und damit mich als noch nicht Volljährigen) zur Verwandtschaft nach Hanau. Dort gab es zu jener Zeit keinen Verein, der Wado-Ryu anbot – und so landete ich in einem Hanauer Verein, der Ju-Jutsu betrieb, und in einem Maintaler Karate-Verein, der aber den von mir ungeliebten Shotokan-Stil praktizierte.

Vom Karate zum Ju-Jutsu

Wado-Ryu ist ein geschmeidiger, flexibler Stil; sein Begründer Hironori Ōtsuka war eher klein und schmal (wie ich) – und so kommt es im Wado-Ryu zu vielen Ausweichbewegungen, wo im Shotokan Kraft gegen Kraft, Gewicht gegen Gewicht, Wucht gegen Wucht gesetzt wird. Da im Ju-Jutsu als einer Kombination von Karate, Judo und Aikido – so zumindest wurde es damals angesehen – auch mehr sportmotorische Grundfähigkeiten wie Geschicklichkeit, Wendigkeit, Flexibilität im Vordergrund standen, beendete ich nach zwei Jahren das Shotokan-Training und widmete mich bis zu fünfmal die Woche dem Ju-Jutsu.

Innerhalb von mehr als einem Vierteljahrhundert stieg ich so zum 3. Dan auf, verbrachte ein paar Jahre im JJ-Wettkampf des Fighting-Systems, also einer Art “MMA-Light” – ein integrierter Kampf mit mehr Regeln und Zurückhaltung als es heute bei den MMA-Profis der Fall ist. Meine Übungsleiterlizenz erwarb ich an der Hessischen Landespolizeischule, zusammen mit bzw. durch Trainer, die SV-Ausbilder der Polizei waren.

Klassisches Kobudo-Training

Parallel begann ich ein schließlich fünf Jahre dauerndes Training des traditionell-japanischen Kobudo – reine Kampfkunst, von moderner Selbstverteidigung weit entfernt. Aber unser Lehrer, Hilmar Fuchs (CRB, in der Linie des großen farnzösischen Meisters Roland Habersetzer), vermittelte authentisch den scharfen Geist des Kriegers… und diese Konzentration und Fokussiertheit auf eine zumeist nicht zurück- oder wiederholbare Entscheidung stellte sich als eine unabdingbare Grundlage der Selbstverteidigung heraus.

Im Mittelpunkt meines Interesse stand immer die effektive Selbstverteidigung – nicht der Kampf-Sport, nicht die Kampf-Kunst. Ju-Jutsu aber, obwohl Dienstsport bei der Polizei, ist eine Vielfältigkeits- und Vielseitigkeits-Kampfsportart, die den eigenen Anspruch an Selbstverteidigung nicht erfüllen kann. Mir kam die Motivation abhanden, ich setzte ein Jahr aus.

The real stuff: Krav Maga

Bis ich in einer Fachzeitschrift einen Artikel über diverse Kampf-Methoden las, darunter eine aus Israel: Krav Maga. Ich dachte, was heute viele denken, die zum Krav Maga-Training kommen – was sich seit Jahrzehnten in zahllosen kriegerischen und kämpferischen Konflikten bewährt hat, muss ja irgendwie funktionieren. Ich flog zu einem Krav Maga-Camp nach Norwegen – in Skandinavien (wie in Osteuropa) gab es Anfang der 2000er Jahre schon eine Krav Maga-Infrastruktur, in Deutschland kaum ein öffentliches Angebot.

Es folgte ein Trainingsbesuch in Israel über den Jahreswechsel 2002/2003, danach absolvierte ich als Quereinsteiger (3. Dan Ju-Jutsu, rund acht Jahre bereits als Übungsleiter tätig, machten es möglich) 2003 den Instructor’s Course der IKMF und begann zu lehren.

Oliver und Beate Bechmann im Offenbacher Krav Maga Center Frankfurt/Rhein-Main

Meine Frau Beate nahm das Krav Maga-Training unter meiner Leitung auf und trat zwei Jahre später zum Instructor’s Course an. Seither ist sie die vermutlich (dienst-)älteste KM-Instructorin Deutschlands. Zusammen bauten wir das Krav Maga Center Frankfurt/Rhein-Main (located in Offenbach) bis Ende 2019 erfolgreich auf. Es sollte unter der israelischen Dachorganisation Krav Maga Global eines der renommiertesten Krav Maga-Lehrinstitute für Zivilbürger in Deutschland werden.

In all den Jahren hatte ich über den Tellerrand hinausgesehen, und mich u.a. mit Meditation beschäftigt – in den klassischen japanischen Kampfkünsten kommt man kaum drumherum. Und so wie Krav Maga ein modernes Destillat des wirklich Wichtigen in einem existenziellen Kampf darstellt (“no fancy stuff”), so verhält sich MBSR als eine moderne Form der Achtsamkeitsübung zur traditionellen (buddhistischen) Meditation (“kein Shishi”).

roninkravmaga – ein Projekt der Unabhängigkeit

Das Interesse an den traditionellen japanischen Künsten brachte mich auch dazu, nach einem abgeschlossenen Studium der Sozialpädagogik (mit Schwerpunkt auf die humanistische Psychologie) das Studium der Japanologie (japanische Sprache, Schrift, Literatur, Kultur, Geschichte) hinten dran zu hängen. Und so vermag ich mich zwischen den Pfeilern Kampf-Kunst, Kampf-Sport und Selbst-Verteidigung sowohl in physischer wie mentaler Hinsicht zu bewegen; ergänzt um die Inhalte der Wildnispädagogik (“Coyote Mentoring“).

All das fließt in roninkravmaga zusammen – ein unabhängiges, offenes, flexibles, mobiles “Crossover”-Projekt meiner Kenntnisse, Erfahrungen und Erlebnisse.