Krav Maga Car Rage Seminar mit Tommy Blom

Krav Maga Car Rage

 

Bekanntermaßen trainieren wir Krav Maga gerne mal dort, wo es weh tut. Nicht nur auf – relativ – weichen Trainingsmatten und in weiträumigen Hallen, in denen sich das Optimum an Technik sicher einüben lässt. Sondern in beengten Räumen, unvorteilhaften Situationen mit eingeschränkten Möglichkeiten wie sie im Alltag vorherrschen.

Schliesslich findet ein Großteil unseres Alltags abseits von Trainingsmatten statt. Realitätsnahes Training beinhaltet also das Aufsuchen von trainingsunüblichen Orten: Im Rahmen eines Car Rage-Seminars vermittelte Krav Maga Global Team Instructor Tommy Blom am 17. Juli, wie man sich als Teilnehmer im Straßenverkehr effektiv zur Wehr setzt.

 

Krav Maga Car Rage: der Straßenverkehr – ein Gewaltort

Die Zeit, die manch einer im Auto verbringt, variiert sicherlich von Person zu Person (und auch mehr oder weniger freiwillig). Aber das Potenzial für mögliche Auseinandersetzungen im, in und um das Auto ist in vielen Fällen gegeben: Manch ein Innenstadtverkehr zur Rushhour strapaziert fremde und eigenen Nerven, ebenso wie die Parkplatzsituation bei manch einem Verkehrsteilnehmer den höflichen Umgang vergessen lässt.

Das Ein- und Aussteigen an möglicherweise schlecht beleuchteten Parkhäusern ist für den ein oder anderen eine unangenehme Situation: Der Schlüssel wird noch aus der Tasche gekramt, das Kind im Sitz angeschnallt, die Einkäufe verstaut. Insgesamt Situationen in denen unsere Aufmerksamkeit für das Drumherum eingeschränkt ist. Taktisch – aus Tätersicht – ein bevorzugter Moment für einen Übergriff.

Krav Maga – flexibel einsetzbar und anpassbar

Organisiert von Markus Zimmermann (Krav Maga Factory) standen den Teilnehmern des Car Rage -Seminars auf dem Gelände der Firma Modl in Pappenheim (thematisch passend: ein blechverarbeitender Betrieb) sieben ausgediente fahrbare Untersätze zur Verfügung. So konnte für die Dauer des Seminars drei Stunden lang uneingeschränkt und ohne Rücksicht auf (Lack-)Schäden trainiert werden, und das Agieren in und um Autos in realitätsnahen Selbstverteidigungs-Situationen durchgespielt werden.

Das Krav Maga-Grundrepertoir (Schläge und Tritte, die Abwehr von Körperangriffen oder Bedrohungen mit dem Messer) wird dabei für solche Szenarien nicht neu erfunden. Bekannte Techniken werden lediglich abgewandelt, angepasst an die Anforderung die einem die Situation oder die Umgebung, beispielsweise als Fahrer eines Autos, stellt.

Kidnapping? Carnapping? Streit um einen Parkplatz?

So stellt der Platzmangel zunächst die vorherrschende Einschränkung dar: zwischen Fahrertür, Lenkrad, Handbremse und Gurt agiert es sich zugegebenermaßen recht umständlich. Mal vorausgesetzt das Auto befindet sich dabei nicht noch in Bewegung.

Abwehr und Gegenangriff erfolgen je nach Situation: Kommt der Angriff von aussen, der Rückbank oder vom Beifahrersitz, bewaffnet oder nicht? Gibt es eine klare Forderung, der es sich unter Umständen lohnt Folge zu leisten?

Und wie verlasse ich den Ort der Auseinandersetzung nach erfolgter Abwehr in einem „Car Rage“-Szenario: Fliehe ich aus dem Auto, im Auto oder ins Auto? Allesamt Entscheidungen die im Rahmen dieses Szenario-Trainings gezielt durchgespielt wurden und die den erfolgreichen Ausgang einer möglichen Auseinandersetzung wesentlich beeinflussen.

Stress-Test für Schrott-Autos und Teilnehmer

Zugegeben: Es tritt sich ungenierter in fremden Autos – kein bewegliches oder abstehendes Teil wie Tür, Heckklappe oder Aussenspiegel, das nicht bis an die Belastungsgrenze des Materials strapaziert wurde. Keine Motorhaube die nicht durch diverse „Hoodslides“ beim Car Rage -Training beansprucht wurde.

Und kein Rücken, der nicht durch das schmerzhafte Zusammentreffen mit einem Handbremshebel blaue Flecken davongetragen hätte (stets bemüht, bei dem Geraufe im Wageninneren nicht die steckenden Zündschlüssel abzubrechen, schließlich mussten die Autos im Anschluss an das Seminar noch auf einen nahe liegenden Schrottplatz gefahren werden).

Was nach drei Stunden Seminar mit Tommy Blom bleibt ist mehr als nur erheblicher Lackschaden: Ein neu gewonnener Respekt für die (Un-)Möglichkeiten des Agierens in beengten Fahrzeugkarosserien.

Krav Maga Car Rage – Eigenarbeit zu Hause

Wie sich die jeweiligen Techniken dann zu Hause im eigenen Gefährt „anfühlen“ sollte, jeder Teilnehmer eines solchen Seminar einmal selber ausprobiert haben: Wie schnell und unbemerkt lässt sich der eigene Gurt lösen? Wie weit entfernt per Fernbedienung das Auto ver- und entriegeln? Würde man, für den Fall der Fälle, seinen eigenen Kofferraum von innen öffnen können?

Wie immer gilt: die beste Verteidigung ist diejenige, welche ich durch frühzeitiges Erkennen der Situation überflüssig gemacht habe. Besser noch ist es, für den Fall der Fälle zu wissen was zu tun wäre.