PTBS-Behandlung: Ausbildung zum MBSR-Lehrer

Das erste Wochenende der Grundausbildung zum CFM-anerkannten MBSR-Lehrer liegt hinter mir. Zuvor hatte es ein Orientierungswochenende gegeben, das Arbor Seminare im Januar veranstaltete. Letzteres diente dazu, die Referenten – Britta Hölzel vom Center for Mindfulness und Lienhart Valentin – kennenzulernen, und die Art und Weise, wie sie MBSR vermitteln. 

Denn da das Absolvieren eines achtwöchigen MBSR-Kurses (oder einer ähnlichen Qualifikation) ist Voraussetzung, um überhaupt in die Grundausbildung einsteigen zu können. Die Interessenten mussten also nicht erst vom Ansatz als solchen überzeugt werden – das waren sie bereits.

Ich habe ja bereits einen viertägigen Crashkurs zum Stress-Coach beim Deutschen Fachzentrum für Stressbewältigung und Achtsamkeit (DFME) erfolgreich absolviert; und arbeite teilweise schon mit der Methodik. Das habe ich den anderen Teilnehmern tatsächlich voraus.

Das Start-Wochenende im Februar bedeutete, dass die weiterbildungswilligen Interessenten – mehr als zwei Dutzend – aus den Orientierungswochenenden vom November 2011 und Januar 2012 in Freiburg zusammenkamen. Also kannten sich manche, bei weitem aber nicht alle. Freitag Abend beim ersten dreistündigen Treffen verbrachten wir also geraume Zeit damit, einander vorzustellen.

Wie beim Orientierungswochenende schon fand ich die hohe Anzahl an professionellen Kräften – Therapeutinnen unterschiedlicher Couleur, Ärztinnen, Lehrerinnen, Heilprakterinnen, Pädagoginnen, Coaches mit entsprechender Spezialisierung – beeindruckend (die weibliche Form übrigens ist hier völlig angebracht, denn unter den Anwesenden weilten gerade vier – mit Lienhart fünf – Männer).

Nicht wenige übrigens nannten auch den beruflichen Erfahrungsaustausch als Ziel der Grundausbildung; außer der eigentlichen MBSR-Schulung natürlich. Viele praktizieren die formellen Übungen relativ regelmäßig, für viele ist der persönliche Umgang mit dem MBSR-Ansatz überaus wichtig. Das dürfte den Referenten gefallen haben – denn sie halten Jon Kabat-Zinns Maxime hoch, dass man MBSR nicht einfach nur wie eine x-beliebige Methode lehren könne und solle, sondern dass man MBSR leben müssen. Mit anderen Worte: Die tägliche Praxis der formellen wie informellen Übungen für sich selbst ist condition sine qua non.

Das stellt natürlich alle der vielbeschäftigten und gestressten Teilnehmerinnen der Grundausbildung genauso vor Probleme wie ihre potenziellen Klienten. Aber wenn sie‘s nicht hinkriegen, wie sollen sie es dann ihren Kunden vermitteln können? Nun bringt es meine Haupttätigkeit mit sich, dass ich zur Erhaltung meines Leistungsstandes selbst trainieren muss. Insofern haben Krav Maga und MBSR für mich den gleichen Geschmack – mein Alltag u.a. besteht darin, soundsoviele Stunden mit der eigenen Übungspraxis in diesen so unterschiedlichen Themen zu verbringen.

So weit liegen diese Themen tatsächlich aber nicht auseinander. Der Verknüpfungspunkt zwischen Krav Maga und MBSR liegt im Wort „Stress“. Eine gewalttätige Situation stellt immer eine körperlich-geistig-seelische – Hochstress-Situation dar, die tatsächlich nur mit „Fight or Flight“ (und möglichst nicht mir „Freeze“ beantwortet werden kann; und die häufig zu traumatischen Post-Stress-Resultaten führt. Und so mag es kaum verwundern, dass MBSR zur Pre-Fight- und Post-Fight-Stressbewältigung eingesetzt wird – mit guten Resultaten offensichtlich.

Im Grunde sind das israelische Krav Maga und MBSR heutezutage eine Paarung, die der Samurai im japanischen 16. Jahrhundert in Form von Fechtkunst und Zen-Meditation kannte – ein Weg, mit dem Stress der existenziellen Bedrohung von Leib und Leben fertig zu werden. PTBS-Behandlung ist daher natürlich besonders interessant für mich.

Zurück zum Februar-Wochenende: Dieses war vorrangig dem praktischen und theoretischen Umgang mit dem Bodyscan gewidmet – also auch dem eigenen Erleben und Empfinden in Reflektion mit anderen Teilnehmern, ebenso wie einer Präsentation der Psychologin und Neuroforscherin Hölzel zu Stress und der Wirkung von Meditation auf bestimmte Hirnareale.

Wie in allen Gruppen gibt es Leute, mit denen man spontan einen guten Draht entwickelt, und andere, die einem erst einmal ferner stehen. So auch hier; für mich ohnehin eine neue Erfahrung, in einer so großen Gruppe zu agieren. Meine bisherigen NLP- und MBSR-Ausbildungen waren von Gruppen geprägt, die kaum ein halbes Dutzend Mitglieder umfassten. Und, Zufälle gibt’s ja bekanntlich nicht, ich kam mit einer in Deutschland lebenden Israelin zusammen, mit der ich natürlich erst einmal viel über Land & Leute, ihre Armeezeit, die hebräische Sprache, meine Negev-Wanderung etc schnackte… Gut für mich, in dem Ausbildungkurs jemanden gefunden zu haben, der auf meiner Wellenlänge liegt und der mein Leben als Krav Maga-Instructor gut nachvollziehen kann. ;-)