Krav Maga Kids – stärkere und sichere Kinder

Dirk Schubert und Nadav Shoshan

Dirk Schubert und Nadav Shoshan

In der vergangenen Woche wurde im Krav Maga Center der diesjährige Kids Instructor’s Course (KIC) von Krav Maga Global in Deutschland (KMG Germany) abgehalten. Die Zahl von 25 Teilnehmern zeigt, wie hoch das Interesse an Krav Maga-Training für Kinder und Jugendliche in Sachen Selbstbehauptung und Selbstverteidigung an den verschiedenen KMG-Standorten in der Bundesrepublik ist. Und es ist gewiss kein Zufall, wenn diese wichtige Zusatzausbildung bei uns in Offenbach läuft – denn beim Krav Maga Center gibt es dieses Training für Kinder und Jugendliche seit drei Jahren nunmehr.

Unser Lead Instructor Oliver Bechmann hat nach seinem Studium der Sozialpädagogik im Jugendzentrum in Maintal-Bischofsheim sowie im dortigen Kids Club gearbeitet. Von daher war es natürlich ein besonderes Anliegen seinerseits, die Ressourcen von Kindern und Jugendlichen beiden Geschlechts zu stärken. In physischer wie psychischer Hinsicht. Und natürlich freut es ihn und uns andere Instructors, wenn mit Dirk Schubert (siehe Bild) einer der KIC-Teilnehmer den fünftägigen intensiven Ausbildungskurs erfolgreich absolviert hat und uns nunmehr ein für Kids & Teens Training qualifiziertes vierköpfiges Team zur Verfügung steht.

Krav Maga Kids – ein besonderes Curriculum

Das Krav Maga Training für Kids und Teens ist bereits seit drei Jahren ein fester Bestandteil unseres wöchentlichen Trainingsangebots. Die Inhalte des Kids-Curriculums sind zugeschnitten auf die jeweiligen motorischen, kognitiven und mentalen Bedürfnisse für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 16 Jahren. Wie man sich gegen Körperangriffe wehrt, wie man sich gegenüber Gleichaltrigen im Gegensatz zu Erwachsenen verhält, wird ebenso gelehrt wie eigene Grenzen zu kennen. Und diese durchzusetzen.

Den Kindern Respekt vor anderen und vor allem sich selber gegenüber zu vermitteln, ist das Ziel. Dabei ist wichtig Kindern möglichst früh beizubringen, dass es (körperliche) Grenzen gibt, die auch ein Kind aktiv mitbestimmen kann. Besonders in den jüngeren Altersklassen von fünf bis zehn Jahren, in denen das Training sehr spielerisch abläuft, ist dies häufig eine Herausforderung. Das Ansprechen von Grenzen und tatsächlichen Gefahren muss entsprechend behutsam und angemessen geschehen.

Wie funktioniert das also? Wie bringt man Kindern bei, sich zu behaupten und ihnen möglichst früh ein eigenständiges Gefühl dafür zu vermitteln, was andere mit ihnen machen dürfen und was nicht? Laut Darstellung der Tel Aviver Sozialarbeiterin Edit Meran liegt es vor allem an unserem Verhalten als Erwachsene und Eltern im Alltag, dass Kinder lernen sich selber zu schützen. Die Botschaften, die wir als Erwachsene, Eltern und Angehörige senden, formen das Selbstbewusstsein von Kindern bereits in frühen Jahren.

Nur allzu oft warnen wir im Krav-Maga-Training vor Übergriffen durch fremde Erwachsene: Nicht mit Unbekannten mitzugehen, in Autos einzusteigen oder sich durch Süssigkeiten verlocken lassen, ist etwas was die meisten Kinder auch ohne Selbstverteidungstraining bereits kennen. Äussere Gefahren sind schnell identifiziert und „einfach“ abgehandelt. Dabei findet ein Großteil aller Gewalt (sexuell oder nicht) allerdings statistisch gesehen im inneren, familiären Umfeld statt. Und während Kindern sehr früh beigebracht wird, nicht mit Elektrizität zu spielen, nicht ins tiefe Wasser zu springen oder auf vielbefahrenen Straßen zu laufen, bleibt die Frage nach körperlichen Grenzen – Gleichaltrigen wie auch Familienmitgliedern gegenüber – häufig unzureichend angesprochen, so dass Kinder in übergriffigen Situation oft sich selber überlassen bleiben.

Krav Maga Kids – Autonomie und Mitsprache

Das Problem der kindlichen Selbstbestimmung fängt also wesentlich früher als dem Moment eines akut gewalttätigem Übergriffs. Laut Edit Meran gibt es das generelles Problem, wonach der Körper eines Kindes in Gegenwart von Erwachsenen grundsätzlich nicht sein eigener ist: Jeder Erwachsene darf Kinder ungefragt anfassen, sie aufheben, sie sogar küssen oder kitzeln. Wer sie berühren kann und wer nicht entscheidet, häufig der Erwachsene und nicht das Kind. Sich beispielsweise bei Großeltern für  Süssigkeiten mit Küsschen zu bedanken, mag für uns Erwachsene als Höflichkeit gelten. Wenn das allerdings nicht freiwillig geschieht, signalisieren wir vor allem, dass es ok ist, im Austausch für Dinge Zuneigung zu verlangen.

An diesem Punkt muss man also ansetzen und Kinder bereits früh eine gewisse Autonomie und Mitspracherecht über ihren Körper zugestehen. Es beginnt und endet mit Zuhören – denn Kinder erzählen oft Kleinigkeiten, um unsere Reaktion zu testen. Wenn wir das abtun, werden sie nicht mehr mit uns sprechen und wir werden nicht in der Lage sein, sie zu beschützen oder zu verteidigen. Denn nur Kinder, die im Alter von fünf Jahren angehört werden, können auch damit rechnen, mit 17 Jahren gehört zu werden – und die Schuld im Falle eines Übergriffs nicht bei sich selbst suchen.

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung fängt also nicht auf der Matte an. Sondern zu Hause. Auf der Matte, im Krav Maga-Training geht es dann um spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten. Siehe dazu auch die Seite Kids / Teens auf unserer Homepage.