Ich war bei Olympia!

Olympischer Triathlon

Fortsetzung von „Wässriges Bier und Hyde-Park-Jogging

Nachdem ich mich also an der Radstrecke häuslich eingerichtet hatte (Fortuna-Fahne, Kaffeepott aus dem benachbarten Café), begann das große Warten.

Es war 9 Uhr 30, und der Start des olympischen Triathlon sollte erst in zwei Stunden beginnen. Bis die Athleten dann vorbeikommen, würden sicherlich weitere 30 Minuten vergehen. Aber dafür hatte ich immerhin einen Platz in der ersten Reihe. *g

Langsam füllte sich das Gebiet rund um die Radstrecke, immer mehr Landesfahnen wurden angebracht. Natürlich überwiegend der Union Jack, aber auch die Neuseeländer, Franzosen und Deutschen (und selbstverständlich die Düsseldorfer *g) hängten ihre Flaggen über das Absperrgitter.

Große Favoriten waren die Brownlee-Brüder aus Leeds, und so war es nicht verwunderlich, dass sich hinter mir einer der vielen „Brownlee-Fan-Clubs“ lautstark bemerkbar machte.

Die ersten Athleten kamen jetzt auch auf ihren Rädern vorbei. Warm fahren oder Materialcheck – oder beides, zumindest kam nun etwas Bewegung in das bisherige monotone Warten. Die Sportler fuhren zeitweise sehr nah an uns vorbei – einmal die Hand ausstrecken und die Olympiade wäre für den einen oder anderen schnell vorbei gewesen. Wäre an diesem Tag ein ähnlich Bekloppter wie der Werfer der Wasserflasche beim 100-Meter-Lauf an der Strecke gewesen – nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.

Brownlee-BrüderIm Vorbeifahren erkannte ich „unsere“ Athleten: Steffen Justus, Maik Petzold und etwas später dann den Olympiasieger von Peking, Jan Frodeno. „Frodo“, wie er gerufen wird, wurde von mir mit den Worten „Grüsse aus Düsseldorf“ begrüßt. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht (dazu sollte man wissen, dass „Frodo“ in Köln geboren wurde *g). Er machte trotzdem einen sichtlich gut gelaunten Eindruck, dass ließ hoffen.

Kurze Zeit später dann ohrenbetäubender Lärm. Was war passiert? Die Erklärung war simpel, die Brownlees gaben sich die Ehre, fuhren nebeneinander die Strecke ab. Unglaublich dieser „Hype“ um die Beiden, der Fanclub hinter mir überschlug sich fast.

Inzwischen gab es keinen freien Platz mehr. Links neben mir postierte sich Paul Edwards, der Fotograf aus Windsor, der mir netterweise die meisten der hier gezeigten Wettkampffotos zur Verfügung stellte. Zu meiner Rechten eine Dame aus Neuseeland, dazu noch eine Familie aus London und der bereits erwähnte Fan-Club und Hunderte andere. Die Stimmung stieg. Die Athleten waren inzwischen vom Rad gestiegen und machten sich für den Start bereit. Wir bekamen davon natürlich nichts mit, konnten es nur erahnen, denn der Lärmpegel aus dem Hyde Park wurde immer größer. Über unseren Köpfen kreisten nun die Hubschrauber, es musste demnach bald losgehen. Wettkampfatmosphäre, Gänsehautfeeling.

Ein Blick auf die Uhr, 11 Uhr 30 – jetzt erfolgt der Startschuss. Das Rechnen begann, wann werden die Ersten bei uns auf dem Rad vorbei kommen? Tipps über die Platzierungen wurden abgegeben, meiner lautete auf Anfrage der Neuseeländerin: Erster Brownlee (wer von Beiden auch immer), Zweiter Gomez, Dritter ein Deutscher (die Hoffnung stirbt zuletzt *g). Bis auf Platz drei lag ich somit voll im Soll, wie sich herausstellen sollte.

Die ersten offiziellen Motorräder huschten vorbei (und wurden von den Zuschauern mit der La-Ola-Welle begrüßt), dann wieder Pause. Jede Minute kann es soweit sein, wer wird vorne sein? Und dann wird es laut, sehr laut. Wir recken unsere Köpfe, steigen auf das Absperrgitter, und da kommen sie. Eine Gruppe von circa fünf Triathleten hat sich abgesetzt, beide Brownlees dabei. Aber kein Deutscher? Meine Nachbarin fragt nach, aber ich habe keinen entdecken können. Aus unserer Sicht ist der Vorsprung zur Verfolgergruppe schon groß. War es das bereits für „Frodo“ und Co?

Es ist schwer, alle Teilnehmer, die vorbeifahren, zu identifizieren. Mit einem Affenzahn legen sich die Jungs in die Kurve. Irgendjemand erzählt, dass es zu Beginn bereits einen bösen Sturz eines Kanadiers gegeben haben soll. Viele Fragezeichen, da haben es die Fernsehzuschauer einfacher, aber dafür müssen sie auf die unvergleichliche Stimmung verzichten, mittendrin statt nur dabei zu sein.

Ruhe. Alle Fahrer sind durch, wie lange werden sie brauchen bis sie erneut an unserer Stelle vorbeikommen. Manche der Zuschauer haben ein Radio dabei, informieren die Umstehenden. Ich bekomme nichts mit, mein Englisch ist zu schlecht *g. Aber die Atmosphäre ist klasse.

Es wird wieder lauter, zweite Runde, die Brownlees immer noch vorne, aber es scheint, der Abstand der Verfolger hat sich verringert. Man steht an der Strecke, erlebt alles hautnah mit, und weiß doch so wenig über das aktuelle Geschehen. Aber die Jungs haben ein Tempo drauf! Das kommt im Fernsehen gar nicht so rüber. Ich sehe schwarz, wenn ich durch die schwarz-rot-goldene Brille schaue, aber ab Runde drei – oder war es Runde vier – ist das Feld wieder zusammen – und „Frodo“ mittenmang.

Während die Triathleten weiter Richtung Buckingham Palace fahren, und uns somit circa acht Minuten Pause gönnen, können wir Kontakte pflegen. Von der Londoner Familie erfahre ich, dass der Schwager zwei Jahre in Düsseldorf als Dolmetscher gearbeitet hat – Zufälle gibt´s *g. Von der Neuseeländerin wiederum erfahre ich noch viel mehr, glaubt sie zumindest. Aber meistens nicke ich nur, ihren Dialekt verstand ich kaum, aber nett und zustimmend gelächelt habe ich. Mit Paul aus Windsor tausche ich Visitenkarten.

Die Stimmung ist gelöst, fröhlich, erwartungsvoll. Die Sportler werden im Vorfeld rechtzeitig angekündigt, man muss nur auf den aufbrausenden Applaus achten. Die Gruppen sind jetzt wieder größer, wie so oft wird der olympische Triathlon wohl auf der Laufstrecke entschieden. Wir zählten die Runden, war das jetzt die Letzte, kommt noch eine? Es war die Letzte, wie der Blick auf die Uhr bestätigte. Also schnell an die Laufstrecke, die ja nur 150 Meter hinter meinem Platz entlang führte.

Aber das Vorhaben misslang. Genau so, wie ich mir rechtzeitig einen Platz an der Radstrecke sicherte, genauso haben sich andere für die Laufstrecke entschieden. Man konnte die Streckenführung nur erahnen, denn sehen konnte ich nur Hinterköpfe *g. Vorausschauend hatte der Veranstalter aber zwei riesige Leinwände aufgebaut, auf denen man das Rennen sehr gut weiter verfolgen konnte. Der Stimmung tat das keinen Abbruch.

Videoleinwand an Laufstrecke

Nun, der weitere Verlauf ist bekannt: Brownlee, Gomez, Brownlee. Die Briten flippten aus, aber man freute sich mit ihnen. Gerne wäre ich noch näher dran gewesen, aber auch so werde ich das Geschehen lange nicht vergessen. Ich war bei Olympia!

Man kann den Briten nur ein Kompliment machen. Die Volunteers waren überall, und immer freundlich. Man spürte wie diese Freundlichkeit auf die Besucher überging, Olympia als ein großes Fest der Freude, für die Athleten und auch für die Besucher. Ich war sogar drauf und dran, diese Stimmung am folgenden Wochenende erneut zu erleben, beim Marathon der Männer. Aber die Flugpreise waren dann so kurzfristig auf das Doppelte gestiegen, da habe ich Abstand von einer weiteren spontanen Reise genommen.

Peter DamjancevicBereut habe ich meinen London-Ausflug keine Minute. Es war ein Erlebnis, an das ich sicher noch lange zurück denken werde. Ein Andenken (außer Trinkflaschen und Kaffeetassen von „lookmumnohands“) habe ich nicht mitgebracht. Vom olympischen Shop im Hyde Park hätte ich sicher was mitgenommen, aber auf meine Frage, ob ich mit Kreditkarte bezahlen könne, bekam ich zur Antwort: „Nur mit Visa“. Ich habe Master Card, aber die wurde nicht akzeptiert. „Man könne aber am Visa-Stand eine zeitlich befristete Kreditkarte erwerben.“ Ja nee, is‘ klar. Es muss hier nicht erwähnt werden, dass Visa einer der Hauptsponsoren der Olympiade war!

Und doch – immer wieder. Allerdings wird es in 2016 mit einer spontanen Reise nach Rio de Janeiro wohl etwas schwieriger. *g

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