Ke alahele o ke koa – der Weg des Kriegers


Im Herbst 2010 weilte ich für ein paar kurzweilige Tage in Hawaii, und erlebte den dortigen Ironman live. Ein unvergessliches Erlebnis. Das Motto des damaligen Rennens lautete „Ke alahele o ke koa“ – der Weg des Kriegers, eine Anspielung auf historisches hawaiianisches Kriegertum (und dieses Motto ziert nun auch das neu aufgelegte Ironblog).

Als bester Krieger erwies sich 2010 der Australier Chris McCormack, der – Zufall oder nicht – sich in seinen Twitter-Posts gerne als Fan des Boxsports und von Boxgrößen wie Manny Pacquaio outet. Während eines Interviews zum Ironman Frankfurt 2010 fragte ich Macca zu seiner Ansicht über Mixed Martial Arts, also über die hierzulande (im Gegensatz zu den USA) übel beleumundeten Käfigkämpfen wie der UFC-Reihe – und McCormack äußerte seine Begeisterung. Sport in seiner „rohesten“ Form, wie Macca meint, der Ur-Sport („the gladiators“) schlechthin. Probleme wegen der Gewaltausübung hat der zweifache Hawaii-Champion nicht: Die MMA-Kämpfer seine erwachsene, perfekt trainierte Athleten, die wüßten, was sie tuen; außerdem sei es letztlich genauso „obszön“, von Sportlern zu verlangen, einen Marathon zu laufen bzw einen Marathon in einem Ironman zu laufen, sagt der Aussie. Aber seht selbst:

Dass der Ironman Hawaii letztlich auf US-Navy-Soldaten zurückgeht, dass die US-Navy – und deren Kampfschwimmer-Elite Seals zu den Sponsoren des Events bis heute zählt, dass zu den Teilnehmern viele US-Soldaten, hier besonders wiederum die Marines, zählen, fügt sich ins Bild der Verbundenheit von Kampf- und Ausdaueransprüchen.

Für den Kampfsportler ist eine gute Schnelligkeits-, Mittel- und Langzeitausdauer wichtig, die er gerne und oft schwimmend, radelnd und laufend neben seinem sportspezifischen Training zu erwerben sucht. Die Triathleten wiederum haben in den vergangenen Jahren immer häufiger ins Lager der Kampfsportler geblickt – weniger wegen physischer Aspekte (auch wenn Übungen wie Bauchatmung, Stretching, Kettlebell nach und nach ins Repertoire von Triathleten aufgenommen wurden) als wegen mentaler: Kampfgeist, never-quit-never-surrender-Haltung, Durchhaltevermögen, Aufmerksamkeit, Fokus, Konzentration, Beruhigung des Geistes in turbulenter Situation, Überwindung von Schmerzen; der Gedanke, sich auf eine lange Reise zu begeben, in der jede einzelne Schritt und jeder einzelne Meilenstein wichtig ist (sen ri no michi ippo kara – wie es im japanischen Kontext heißt: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt; wörtlich eigentlich: auch ein Weg von tausend Meilen erfolgt nach einem ersten Schritt).

Wie Kampfsportler und -künstler von jeher die Ausübung ihrer Disziplin als eine Lebensaufgabe wie auch als Lebensstil gesehen haben, so geht mit dem Triathlon ein gewisser Lebensstil einher: zwischen – teilweise – asketischer Disziplin wie hawaiianischem Laissez-faire des „Hang Loose“. Ein Kampfsportler würde wohl sagen: zwischen Anspannung und Entspannung. Aber auch: intensives physisches Training gepaart mit intensivem geistigem Training in Form von Entspannungsübungen, Meditation, Visualisierung.

Kein Wunder also, dass ein viel beachtetes Werk zum mentalen Training den Titel „Spirit of the Dancing Warrior“ (Untertitel: Asian Wisdom for Peak Performance in Ahletics and Life) trägt und mit dem typisch amerikanischen Ansatz des Verbindens von traditionellen Lehren mit Pragmatik daherkommt: Meditation und Visualisierung, Selbst-Bestätigung und -Reflektion zwecks Leistungssteigerung – im Sport wie im Leben (ich werde das Buch in einem gesonderten Beitrag ausführlicher besprechen).

Was meine beste Ehefrau von allen und ich vom Kampfsport an mentaler Disziplin grundsätzlich gelernt haben, haben wir in unserem ersten Ironman umsetzen können. Der fand vor Jahren unter widrigen Bedingungen statt, in Kälte und Regen, und besonders ich war schon während der ersten hundert Meter des Schwimmens nahe der Aufgabe. Aber wir haben in diesem Rennen mehr als je zuvor durchgebissen, und wissen seither: Der Sport, das Rennen, das Leben bedeutet immer: Das Ziel vor Augen haben – aber bis dahin heißt es immer nur „bis zur nächsten Boje, zur nächsten Kurve, zum nächsten Verpflegungsstand„.

Über Oliver

Professional Krav Maga Instructor (KMG), Kettlebell Instructor (HKC). Mentaltrainer (MBSR, NLP).
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2 Antworten zu Ke alahele o ke koa – der Weg des Kriegers

  1. Beate sagt:

    Niemals aufgeben ist das höchste Ziel das man sich setzen sollte. In allen Lebenslagen!

  2. Pingback: Krieger und Kampfgeist | Ironblog 2.0

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