Abgesoffen, gestürzt, gefinisht

2012 t3ddorf hafenabend

2012 t3ddorf peter runIn Klagenfurt war es so heiß, dass unser Gastautor Jürgen Strott fast das Ziel nicht erreichte, beim t3 Triathlon in Düsseldorf hingegen wären wir fast allesamt „abgesoffen“.

Der Sommer zeigte sich beim zum zweiten Mal ausgetragenen Triathlon über die Sprint- und olympische Distanz so, wie wir ihn nicht sehen wollen. Am Vormittag war es unangenehm kalt, es regnete, teilweise schüttete es richtig.

Da mein Start über die olympische Distanz erst für 15.50 Uhr terminiert war, wollte ich mir vormittags die „Sprinter“ ansehen. Aber länger als eine Stunde blieb ich nicht, wobei ich die meiste Zeit aufgrund der unschönen Wetterbedingungen sowieso auf der Messe im trockenen Zelt verbrachte. Als es dann mal etwas aufklarte, bin ich zurück nach Hause (der Wettkampf fand praktisch direkt vor der Tür statt), um dann doch kurz vor der Haustüre wieder in einen richtigen Wolkenbruch zu geraten.

Dann aber, im überdachten Wohnzimmer, verfolgte ich, frisch geduscht und warm eingepackt, den Ironman Frankfurt im Liveticker. Zeitgleich konnte man sehen, dass es auch die Athleten in Frankfurt nicht einfacher hatten (siehe auch IMEU 2012: Langen, Wachenbuchen, Hochstadt, Frankfurt, Der kürzeste längste Tag, Bike Check-in beim Ironman Frankfurt. Als dann dort aber der Himmel aufbrach, hatte ich auch für Düsseldorf Hoffnung. Mit Torsten, der ebenfalls bei der DM-AK startete, mailte ich derweil hin und her. Er wollte sich bis 13 Uhr entscheiden, ob er an den Start geht oder nicht. Es klarte dann auch bei uns tatsächlich etwas auf, und wenn man genau hinsah, konnte man am Himmel sogar vereinzelt die in letzter Zeit selten gesehene Farbe „Blau“ durch die grauen Wolken entdecken.

Es sprach also nichts gegen eine Teilnahme und auch Torsten sagte zu (wir hatten keine Probleme mit dem kühlen Nass, es ging uns einzig und allein um die Sicherheit beim Radfahren).

Beim Einchecken war es trocken. Kühl und ungemütlich zwar, aber trocken. Nachdem ich meinen Rucksack mit Wechselsachen in einen Baum hängte (nicht wegen der wilden Tiere, für die das Rheinufer bekannt ist, sondern weil ich dem Wetter nicht traute) sind wir, der „olympische“ Haufen von Fortuna, an die Strecke um die anderen Athleten anzufeuern. Kaum im Zielbereich angekommen, öffnete mein Namensvetter (der liebe, aber aktuell etwas verwirrte Petrus) wieder seine Schleusen. Es war teilweise so heftig, dass die offenen Pavillons der Verpflegungsstationen festgehalten werden mussten ob der Wassermassen respektive der orkanartigen Winde. Die zu dieser Zeit laufenden und radelnden Sportler taten mir leid.

Der Wettkampf

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Das Schwimmen über die 1,5 Kilometer lange Distanz fand im Hafenbecken statt, ein publikumsfreundlicher Ort, da man von oben die ganze Strecke überblicken konnte. Das Rheinwasser war auch hier, ähnlich wie beim Bonn Triathlon, erträglich. Im Gegensatz zum letzten Jahr kam ich diesmal auch nicht blutend aus den Fluten. Die Zeit war dementsprechend um fünf Minuten schneller als 2011! Und doch hatte ich den Eindruck, „n´bissl was wär noch gegangen“. Wechsel dann OK, wenn auch nicht schnell, einem fast 55-jährigen eben angemessen. *g

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Auf der Radstrecke war ich dann doch etwas vorsichtiger, überall waren noch mehr oder weniger grosse Pfützen. Ein falscher Schlenker und es wäre mir wie unserem Olaf bei der Sprintdistanz ergangen, der mit den Absperrgittern Bekanntschaft machte. Glücklicherweise waren nur Blessuren am Unterarm die Folge, gefinisht wurde trotzdem.

Die Radstrecke – ein Zwei-Runden-Kurs unter anderem über den Rhein – ist zu 70 Prozent gut befahrbar. Nach Überqueren der Rheinknie- und Oberkasseler Brücke ging es zuerst auf die Cecilienallee, dann die enorm breite Rotterdamer Strasse hinaus zur Messe, und vom dortigen Parkplatz zurück in die Innenstadt.

Als Stolpersteine erwiesen sich dann in der Altstadt die „Katzenköppe“, wie der Rheinländer sagt (gemeint ist natürlich das Kopfsteinpflaster). Dieses schüttelte einen richtig durch. Wer noch Getränkeflaschen, Werkzeugtools und Ersatzschläuche benötigte, konnte sich hier bedienen, es lag reichlich auf der Strasse.

Am Rheinufer – genau dort wo auch alljährlich der Ski-Weltcup stattfindet – wurde es durch die Absperrgitter etwas enger und winkliger, bevor es wieder über die Rheinkniebrücke auf die zweite Runde ging.

Es blieb einigermassen trocken, aber teilweise war der Wind so böig, dass nicht immer an ein Fahren in der Aeroposition zu denken war. Dazu der Respekt vor einem eventuellen Sturz aufgrund der Nässe, deshalb wohl erreichte ich das Ziel auch nur unwesentlich schneller als im vergangenen Jahr.

Zufrieden, den noch am Morgen befürchteten Sturz nicht erlebt zu haben, wechselte ich auf die Laufstrecke. Es galt, viermal einen Kurs á 2,5 Kilometer durch den Düsseldorfer Medienhafen zu absolvieren. Überraschend gut lief die erste Runde, keine muskulären Probleme, der Körper sehr aufrecht und nicht gebückt wie so oft auf den ersten Metern. Eine Bestzeit stand im Raum (lag vielleicht auch ein wenig an den neuen Wettkamfschuhen á laAndreas Raelert)…

…und dann kam die zweite Runde!

Der Veranstalter hatte auf der Laufstrecke, zumindest die ersten Meter, einen schönen blauen Teppichboden gelegt. Hübsch anzusehen, aber aufgrund der heruntergekommenen Wassermassen klitschnass, vollgesogen und Falten werfend. Als ich in die zweite Runde einbog, muss ich wohl an einer solchen Falte hängengeblieben sein. Jedenfalls bremste ich ungewollt und plötzlich ab, fiel vornüber und meine Hand verfing sich irgendwie im Absperrgitter.

Ich wollte mich aufrappeln, doch ein Schmerz in der rechten Hand hielt mich davon ab. Ich hatte mich verletzt, eindeutig. Jetzt wurde mir etwas schlecht, ich bekam leichte Kreislaufprobleme. Zuschauer öffneten die Absperrgitter und kamen mir zu Hilfe. „Alles halb so wild“ wiegelte ich ab, um mich sofort danach in das Gras zu legen.

Aber bald berappelte ich mich, stand selbständig auf und da die Hand respektive der kleine Finger dick angeschwollen war, machte ich mich auf den Weg zum Malteser Hilfsdienst. Von dort wurde ich zu einem Arzt gebracht, der aber aufgrund der Schwellung keine vernünftige Diagnose stellen konnte. Die lieferte ich ihm, ich meinte direkt, „der ist durch“.

Nun ja, ich erhielt eine Erstversorgung und den Rat, sofort ins benachbarte Krankenhaus zu gehen. Hatte ich auch vor, aber erst nachdem ich die verbleibenden drei Runden gelaufen bin. Der Kreislauf hatte sich stabilisiert, mir ging es einigermassen gut, da könnte ich die verbleibenden sieben Kilometer zumindest joggen. Ich war fest entschlossen, diesen Tag vernünftig zu beenden. Also ging ich zum Ort des Geschehens zurück, kletterte über die Absperrung und war wieder zurück – im Rennen.

Natürlich rannte ich nicht mehr um irgendwelche Bestzeiten, denn ich musste die Hand immer hoch halten, ansonsten merkte ich den pochenden Schmerz. Aber ich wollte finishen, einen Bruch oder was auch immer kann man später richten, da kommt es auf eine Stunde mehr oder weniger nicht an. Ich lief locker und überholte sogar noch den ein oder anderen Wettkämpfer.

Die zehn Kilometer beendete ich nach 1.16 Stunden! *g. Die Gesamtzeit inklusive Behandlung: 3.06 Stunden. Da weiss ich jetzt schon, dass diese Zeit im nächsten Jahr getoppt werden kann. *g

2012 t3ddorf peterfingerDas Krankenhaus sah mich dann doch nicht mehr in der Nacht. Nachdem ich ausgecheckt und mein Rad und alles andere nach Hause gebracht hatte, war ich nicht mehr gewillt, den Weg zurück zu gehen. Die Erstversorgung gefiel mir, und ich sah keinen Grund, nicht bis zum nächsten Tag warten zu können.

Am Tag nach dem Wettkampf wurde also geröntgt und glücklicherweise kein Bruch festgestellt, allerdings wurde der Verdacht geäussert, dass die Gelenkkapsel beschädigt sein könnte und/oder ein Sehnenabriss vorliegt. Sollte ich also den Finger in den nächsten ein-zwei Wochen nicht bewegen können, darf ich nochmal hin.

Mein 24h-Mountainbikerennen in Duisburg Anfang August werde ich wohl knicken müssen, denn aktuell kann ich kaum einen Lenker festhalten.

Aber Ende August in Podersorf über die Mitteldistanz werde ich wieder am Start stehen!

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