Mein zweiter Marathon unter drei Stunden!

Es kommt einer Sensation gleich! 24 Jahre nach seinem fulminanten Lauf beim Berlin Marathon in 2.58 Stunden konnte Peter Damjancevic erneut einen Marathon in exakt 2.58.26 Stunden beenden.

Das Unterbieten der magischen Drei-Stunden-Grenze nach diesem langen Zeitraum ist sicherlich bewundernswert, es ist toll und unfassbar … so oder ähnlich hätte eine Meldung lauten können, wenn sie denn stimmen würde – na ja, in etwa stimmt sie ja auch.Zur Vorgeschichte: Grund meines Besuchs in Berlin war das Auswärtsspiel der Fortuna bei Eisern Union. Ich wollte live dabei sein, wenn der Nimbus der Unschlagbarkeit auch in Berlin bestätigt würde. Und von Adam und Frank, unseren Vereinskollegen aus Berlin, wurden wir zudem eingeladen, den Marathonlauf in Berlin-Tempelhof, auf dem Feld des ehemaligen Flughafens zu bestreiten. Als kleines Training, und um sich an die „Berliner Luft“ zu gewöhnen, liefen wir – das heißt Ewald, unser Herbergsvater Frank, Gastautor Matze und ich, – am Samstagmorgen 12 Kilometer durch den Volkspark. Kühl war es, schön war es. Danach unter die Dusche, anschließend zum Frühstück bei Frank, und gegen 11 Uhr zum Treffpunkt, um in die Alte Försterei zu fahren.

Das Spiel wurde dann aber 30 Minuten später angepfiffen. Grund hierfür war, dass sich noch 12 Fanbusse in einem Stau auf der Autobahn befanden. Auf diese Zuschauer sollte noch gewartet werden, eine nette Geste der Berliner.

Die Chronik des Spiels ist schnell erzählt. Es dauerte circa 90 Minuten (das ist nicht ungewöhnlich *g), Berlin schoss ein Tor, das aber zählte nicht, und wie man nachher im TV erkannte, wurde dieses fälschlicherweise wegen Abseits nicht anerkannt. Die Fortuna hatte ein paar Chancen, scheiterte aber immer wieder am guten Torwart der Berliner. Die letzten Minuten machte Union Berlin richtig Druck, ohne aber erfolgreich zu sein. Der Schiri pfiff in der 92. Minute ab, das Spiel endete 0:0. Ende. Ein Punkt, weiterhin unbesiegt, immerhin.

Die Spielklasse der vergangenen Spiele war bei Fortuna nicht zu sehen, kann man aber auch nicht immer erwarten. Abhaken und über den Punkt freuen, so machen wir das.

Am Abend tranken wir dann noch das ein oder andere Bierchen, aber irgendwie waren wir platt. Bei mir liegt es am Alter, aber warum konnte Matze nicht mehr? *g

Um 9 Uhr 15 am Sonntagmorgen holte uns Frank dann – bewaffnet mit Campingstühlen und einem Kasten Bier – zum Wettkampf ab. Es war frisch, um nicht zu sagen: kalt. Und der Flughafen Tempelhof verfügt nicht über eine Fußbodenheizung.  Dafür konnten wir uns aber im Hangar 5 im ehemals flächengrößtem Gebäude der Welt niederlassen (diesen Status verlor der Flughafen dann, nachdem das Pentagon gebaut wurde).

Jetzt kommen wir auch langsam zur Auflösung, warum es nicht ganz mein zweiter Marathon unter drei Stunden wurde. Denn bei diesem Wettbewerb handelt es sich um den Berliner Staffelmarathon, so ganz alleine bin ich ihn also nicht gelaufen. 

Die Strecke wurde in folgende Abschnitte aufgeteilt:

12,195 km – 10 km – 5 km – 10 km – 5 km

Das von unserem Teamkapitän Frank vorgegebene Ziel lautete: Alle Staffeln von Union Berlin hinter uns lassen!

Pünktlich um 10.30 Uhr machten sich dann circa 1.200 Staffeln auf den Weg. Startläufer unserer „Fortuna-Staffel“ war Matze, weil er frühzeitig nach Düsseldorf zurück musste und nicht bis zum Ende bleiben konnte. Matze legte ein tolles Tempo vor und wir rieben uns verwundert die Augen, als er nach 26 Minuten an unserem Lager – durch Hangar fünf laufend – vorbeikam. „Unter einer Stunde will ich bleiben“ sagte er mir vorher, und jetzt dies. Nach seiner zweiten Runde klatschte er in der Wechselzone des Hangars 6 auf Ferdinand ab. Matze´s Zeit: 51:51 Minuten. Ferdinand war unser Jüngster, da kann man natürlich erwarten, dass er die zehn Kilometer unter 40 Minuten rennt. Tat er auch! Wir waren voll im Soll, denn insgeheim hoffte Käpt´n Frank auf eine Zeit unter drei Stunden.

Dann kam mein Auftritt. Leider nur die kurzen fünf Kilometer, also eine Runde über Start- und Landebahn, aber die zehn Kilometer habe ich generös an Ewald abgegeben, der mir versicherte, unter 43 Minuten zu bleiben. Da ist der Düsseldorfer dann sportlich. 

So blieb es für mich nur bei der ungeliebten „Kurzdistanz“. Dabei werde ich doch erst nach dieser Distanz warm. Nun denn, aufgrund des anstrengenden Wochenendes und des bewussten Verzichts auf alkoholfreies Bier (es kam nur das Gute in meinen Schlund *g) meldete ich vorsorglich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf km/h an. Ferdinand kam, klatschte nach 39 Minuten für seine beiden Runden ab und ich rannte los. Nach 50 Metern kam ich an unserem Lager vorbei, pfeilschnell natürlich.

Schon eigenartig so ein Lauf durch einen riesengroßen, stillgelegten Hangar. Aber hier waren auch Zuschauer, wobei diese überwiegend aus den anderen Staffelteilnehmern bestanden. Kurz danach lief man ins Freie auf das Rollfeld, es war glücklicherweise windstill, anders als beispielsweise bei unserem damaligen Abstecher im Rahmen des Velothon. Vor einem jetzt eine riesige Läuferschar, die sich über das Gelände verteilte. Das motiviert, schneller zu werden, weil man den Ein oder Anderen ja doch überholen möchte. Und es klappte auch bei mir ganz gut. Nach und nach sammelte ich vor mir platzierte Läufer ein. Die Strecke war flach, der Asphalt okay. Der Puls bewegte sich zwischen 145 und 150. Es fing an Spaß zu machen. Über mehrere Kilometer konnte man die Läufer erkennen. Natürlich, ein Flughafen, der seine Start- und Landebahnen mit Bäumen, Denkmälern und Mehrfamilienhäusern verschönert, muss erst gefunden werden.

Mein erster Kilometer lief ich in 4.28 Minuten, danach schaute ich nicht mehr auf die Uhr, sondern nur noch nach vorne. Es ging leider viel zu schnell vorbei, nach 23 Minuten wechselte ich bereits wieder auf Ewald, dem ich „meinen“ 10er überließ. Ich wäre gerne noch eine Runde gelaufen, aber so wie es war, war es auch in Ordnung.

Ewald hielt was er versprochen hatte und beendete seine beiden Runden in 41 Minuten. Wenn Frank die abschließenden fünf Kilometer nicht total versemmelt, dann könnte es mit der von Frank vorgegebenen Wunschzeit tatsächlich klappen. Und Frank enttäuschte natürlich nicht. Laufzeit Frank 21 Minuten – und wer jetzt addiert, kommt auf 2.56 Stunden. Es wurden dann offiziell 2.58,26 Stunden.

Ziel erreicht an einem Super-Wochenende in Berlin. Eine tolle Mischung was die Zusammensetzung unserer Staffel betraf, und wir haben tatsächlich alle – na ja, fast alle – Union-Staffeln hinter uns gelassen. Nur eine Staffel war dann doch zu schnell für uns. Aber der Gesamtplatz 85 von insgesamt 1.158 ins Ziel gekommen Staffeln ist schon erwähnenswert! Stolz waren wir auf das Erreichte und können es sicher auch sein.

PS: Wäre ich die Strecke, also meine fünf Kilometer, nicht im Team gelaufen, es wäre sicher „nur“ eine 25er Zeit geworden. Man spürt schon den positiven Druck, Teil eines Teams zu sein, und dann gibt man sich eher keine Blöße beziehungsweise zieht dann doch mal ein Tempo durch, was man vielleicht gar nicht imstande ist zu laufen (das man es dann doch kann, zeigte sich ja *g).

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