Zwei Klassiker


Marathon rund um den Essener Baldeneysee

Mit seiner 49. Auflage ist Essen der älteste Marathon Deutschlands, während Frankfurt den Anspruch erhebt, mit seiner 30. Auflage der älteste City-Marathon Deutschlands zu sein. Für beide Marathons hatte ich gemeldet. Essen, weil ich mit Verwandten Leenas und meinen 70. Geburtstag nachfeiern wollte, und für Frankfurt hatte ich beim Arque-Runup einen Freistart gewonnen.

Eine tolle Möglichkeit, die beiden Veranstaltungen direkt zu vergleichen, wenn auch drei Wochen Abstand etwas kurz für eine vollständige Regeneration sind. Aber ich wollte es versuchen.

Hier Essen: zwei Runden um den Baldeneysee mit einem zwei Kilometer langen Anstieg nach Essen-Süd, ein reiner Landschaftsmarathon, fast immer mit Blick auf den See. – Da Frankfurt: etliche Schleifen in der Innenstadt um Hauptwache und Opernplatz herum und über den Main nach Sachsenhausen, Niederrad, Schwanheim, wieder über den Main nach Höchst und über Griesheim zurück zu Start und Ziel an/in der Festhalle, praktisch eine Tour durch die Stadt. Während Essen eher beschaulich ist, sowohl was die Teilnehmerzahl (1200) als auch die Anzahl der Zuschauer betrifft, ist Frankfurt eine Großveranstaltung. Die gemeldeten 15.000 Teilnehmer werden von den geschätzten 350.000 Zuschauern praktisch auf der gesamten Strecke angefeuert.

Beiden Veranstaltungen blieb der Wettergott hold. In Essen hat es tagelang vorher immer wieder stark geregnet, aber pünktlich zum Start kam bei 12 Grad Celsius die Sonne raus. In Frankfurt dagegen war die ganze Woche super Wetter, dafür die Prognose gemischt. Aber auch hier war – bis auf die anfängliche Schwüle – ideales Laufwetter.

Bei beiden Veranstaltungen wurden die jeweiligen Landesmeister gekürt. Wobei Landesmeister nur werden kann, wer einem Verein bzw. der Abteilung eines Vereins angehört, die dem DLV des Landes angeschlossen ist, unabhängig vom Wohnort und Nationalität.

In Essen war ich alleine am Start. Ich finde das nicht weiter tragisch, da ich immer schnell Kontakt zu anderen Läufern finde und beim Lauf bin ich eh auf mich selbst gestellt. Mein Ziel war, 3:30 zu unterbieten. Ich hatte mir vorgenommen, verhalten hinter den Pacemakern für 3:29 zu bleiben. Um nicht zu viel Zeit bei den Versorgungsstellen zu verlieren, hatte ich komplett auf Eigenverpflegung abgestellt. Das wird vom Veranstalter für alle Teilnehmer angeboten und funktioniert auch.

Alle fünf Kilometer hatte ich eine Getränkeflasche mit einem aufgeklebten Gel auf dem Versorgungstisch stehen. Das hat den Vorteil, dass man genügend trinken kann (die Flasche lässt sich eine Zeit lang tragen) und man verschluckt sich nicht so leicht. Die Gels sorgen zusätzlich für frische Energie. Auf diese Weise konnte ich sehr konstant mein Tempo von knapp fünf Minuten je km durchziehen (HM 1:44:13) und schaffte trotz leichtem Einbruch bei km 35 mit einer anständigen Endbeschleunigung genau 3:29:55 Std. Leider hat das nur für den 3. Altersklassen-Platz in der M70 gereicht. In den Jahren zuvor wäre das immer der 1. Platz gewesen, dieses Mal waren halt zwei schnellere dabei. Aber mit der Zeit und der Renneinteilung war ich sehr zufrieden.

Im Gegensatz zu Essen waren in Frankfurt mit mir noch ca. 100 Vereinskameraden von Eintracht Frankfurt und Abgehts09 (meinem Lauftreff) am Start. Offiziell hatte ich zwar 3:35 als Zielzeit angegeben, insgeheim aber gehofft, die Essener Zeit noch unterbieten zu können. Ich hatte für die Vorbereitung alles getan, mich schön an Nataschas Trainingspläne gehalten und fühlte mich schon wieder fit. Was ich nicht beurteilen konnte, war, wie und ob sich die Belastung von Essen im Verlauf des Marathons auswirken würde. Aber ich hatte ja nichts zu verlieren, meine Essener Zeit stand, also konnte ich schon ein Risiko eingehen.

Nach der guten Erfahrung mit der Eigenverpflegung in Essen, wollte ich das auch in Frankfurt realisieren. Allerdings kann man hier nur als Elitestarter Eigenverpflegung abgeben. Also musste ich mir anders helfen lassen. Da kam mir entgegen, dass die Partnerin meines Bruders, Marisa, ebenfalls am Start war und Kinder, Schwester und Bekannte zur Eigenversorgung eingespannt hatte. Großzügigerweise kam ich so in den Genuss eines vorbestellten Teams, das auch noch meine Versorgung übernahm.

Weniger angenehm war, dass – bedingt durch die große Zahl von Teilnehmern – auf der Strecke ein paar Engpässe entstehen, so dass ein konstantes Laufen nicht immer möglich ist. Auch die Pacemaker mussten daher ihre Geschwindigkeit zwischen 4:45 und 5:05 Minuten pro Kilometer variieren. Im Schnitt liefen sie aber auf eine 3:28er Zeit hin. Bis zum Halbmarathon (1:43:56) konnte ich gut mit halten. Aber danach wurde ich müde und kam nicht mehr unter einen 5er Schnitt. Auch schmerzte dann irgendwann mein linkes Fußgelenk und 3:30 Std. waren nicht mehr zu realisieren. Ich musste noch richtig kämpfen – vor allem mit mir – um schließlich noch in 3:33:43 ins Ziel zu kommen.

In der zweiten Hälfte machte sich halt doch die Belastung von Essen bemerkbar. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft, die letzten Kilometer wieder schneller zu werden. Trotzdem war ich mit meiner Zeit einigermaßen zufrieden.

Zu Hause schaute ich als erstes online die Ergebnisse nach. Zu meiner Überraschung konnte ich da lesen, dass ich meine Altersklasse gewonnen hatte. Das entschädigt mich natürlich für die verpassten vier Minuten!

Beide Veranstaltungen schienen mir gut organisiert zu sein. Allerdings erfuhr ich später, dass dem Frankfurter Veranstalter nach ca. fünf Stunden die Medaillen ausgingen, was umso unverständlicher ist, als schon Tage vor dem Start von einem neuen Teilnehmerrekord berichtet wurde.

Link zu den Ergebnissen
Essen: http://www.essen-marathon.de/
Frankfurt: http://www.frankfurt-marathon.com/

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