Geile Kiste, gute Beine

Einer meiner wenigen Wettkämpfe in der verbotenen Stadt (für die „Nichtwissenden“: Wir reden von Köln! *g) fand am vergangenen Wochenende statt.

„ctw cologne triathlon weekend“ – so die Bezeichnung, die Sinn macht, fanden doch bereits am Freitag die Triathlonwettkämpfe für die ganz Kleinen statt, bevor am Samstag die Sprint – und olympischen Distanzen auf dem Plan standen. Sonntags dann die „cologne 226“ und die „cologne 226 half“. Laut Medienberichten haben insgesamt über 4.200 Teilnehmern, von ganz klein bis ganz gross, von ganz jung bis ganz alt, teilgenommen.

Wir – das waren fünf mutige Jungs von Fortuna Düsseldorf Triathlon – haben uns im Vorfeld für die Halbdistanz in der Höhle des Löwen (sprich Köln) entschieden. Bereits beim Einchecken mussten wir uns natürlich Kommentare der Einheimischen anhören, die aber locker gekontert wurden. Unsere Bitte, uns bevorzugt und schnell einzulassen, wurde sofort Folge geleistet, nachdem wir erklärten, dass unser Visum nur begrenzt gültig sei. 😉

Raceday

Am Sonntag morgen, kurz vor der Abfahrt nach Köln, bekam ich einen Asthmaanfall – na toll. Aber nach meinem „DNF“ in Roth wollte ich unbedingt starten und ein Erfolgserlebnis, auch im Hinblick auf den Saisonabschluss mit der Langdistanz auf Ibiza, haben. Das Übliche in einem solchen Fall: Asthmaspray und Cortison. Hat auch geholfen, obwohl mir vor dem Schwimmstart – und teilweise auch während des Schwimmens – übel war.

Das hinderte mich aber nicht, auf der Regattabahn bei klasse Bedingungen eine „persönliche Weltbestzeit“ über die zwei Kilometer aufzustellen. Die meisten werden schmunzeln, aber für mich ist eine Zeit von 39 Minuten Spitze! Bedenkt bitte, dass ich noch im letzten Jahr ein langsam treibender Baumstamm war.

Nach dem Schwimmausstieg musste ich sogar noch ein Interview geben, aber sicher nicht, weil ich so gut war; eher weil kein anderer so langsam zur Wechselzone spazierte. *g In der Wechselzone ließ ich mir dann etwas Zeit, scherzte noch mit Jasmin und ärgerte ihren Freund Andreas ob der schlechten Schwimmzeit (drei Minuten langsamer als ich).

Dann aber ging es doch irgendwann mit dem Rad auf die Strecke, hinein in die Kölner Innenstadt. Schnell ist sie ja, die Strecke. Flach wie ein Bügelbrett und die eigentlich obligatorischen Winde blieben aus. Die ersten Kilometer, bis hin zu Kilometer 25, fuhr ich mit einem Schnitt von 37 km/h. Aber das war definitiv zu schnell, vor allem, als ich merkte, keine dicken Gänge treten zu können (das Knie!).

Also kleinerer Gang, höhere Kadenz, etwas weniger Geschwindigkeit – und trotzdem wurden noch Athleten von mir überholt. Allerdings war ich während der 90 Kilometer überwiegend „einsam“ unterwegs, während mir Radpulks entgegen kamen mit mindestens 60 Fahrern, die natürlich schön das Windschattenverbot ad absurdum führten.

Der Zuruf eines älteren Zuschauers, „dat Mädche da vorne musst du einholen, dat is ne Nette“ motivierte. Also doch noch mal höhergeschaltet und kurze Zeit später dann Bettina überholt. „Stimmt, der Zuschauer hatte Recht, Bettina war ne Nette” 🙂

Obwohl die Strecke flach und ausreichend gesichert war: Einige böse anzusehende Stürze passierten auch. Hierfür verantwortlich ist aber m.E. nicht der Veranstalter, sondern die Stadt Köln, die solch teilweise schlechte Straßen (Schlaglöcher, Teerplatten, Hubbel) überhaupt zulässt.

Bei meiner zweiten Radrunde – entlang der Laufstrecke – sah ich Andreas Raelert. Wir hatten uns vor dem Start locker unterhalten können, natürlich über das neue BMC TM01, das ich dann im Dezember auch mein eigen nennen darf. Ich freu’ mich schon wie Bolle! Ich erwähnte auch, dass ich aktuell das Vorgängermodell fahre, aber er konnte sich keine Vorstellung machen. Als ich ihn dann auf der Laufstrecke sah, rief ich ihm zu: „Hier siehst du das Vorgängermodell.“

Er blickte zu mir rüber, und ich dachte das war´s , immerhin war er im Wettkampf und wollte gewinnen (was er letzlich ja auch tat). Er schaute also rüber, lief derweil weiter, und kommentierte meinen Ruf mit: „Geile Kiste – aber entscheidend sind immer noch die hier“ – und zeigte auf seine Beine. Die „geile Kiste“ ist nun bald im Besitz von Andreas, irgendwie vermisse ich das Bike jetzt schon, aber immerhin bleibe ich BMC treu.

Alles in allem war der Bike-Split ok. Nicht gut, aber ok. Ich merkte ab und an doch das Knie und war eher vorsichtig. Ausserdem „verlangte“ der Veranstalter von mir, im Anschluss noch einen 21 Kilometerlauf abzuliefern, bevor ich ans Bier (kein Kölsch!) kam.

Die Wechselzone WZ2 war im Vergleich zu den Vorjahren riesig. Noch das Rad unter dem Hintern wurde von den vielen fleißigen Helfern die Startnummer gebrüllt, und ratzfatz hatte ich dann meinen Beutel mit den Laufschuhen in der Hand. Gute Organisation – Chapeau. (Erinnerte mich an die kaum zu toppende Organisation beim IM Frankfurt).

Jetzt also nur noch das Laufen, am Rheinufer, in Köln. Ich werde es überleben, dachte ich. Der Anfang lief gut, die Beine waren relativ locker, dann ging es direkt auf die Brücke zurück auf die andere Rheinseite (wo der Haupbahnhof mit der grossen Kapelle steht *g), dort musste dann eine schier endlos lange Gerade gelaufen werden bis zum Wechselpunkt, um dann die schier endlos lange Gerade wieder zurück zu laufen. Damit nicht genug, um die noch auf der Strecke fahrenden Radler nicht zu behindern, musste der arme geplagte und müde Läufer eine Wendeltreppe emporsteigen (meine Beine liessen ein emporlaufen nicht zu).

Dann wieder die Rheinüberquerung, und das Ganze von vorne. Die Laufstrecke schaffte mich, die Achillesferse schmerzte und wurde an jedem Verpflegungspunkt gekühlt. Aber ich versuchte trotzdem durchzulaufen, wenn auch eher langsam. Aber mit dem Schriftzug Düsseldorf auf dem Rücken war an ein Gehen und – schlimmer noch – aufgeben in der für uns „verbotenen“ Stadt natürlich nicht zu denken.

Einzig der Hinweis eines Zuschauers mittels Plakat: „Quäl Dich du Sau. im Ziel gibt’s Kölsch“ liess mich doch kurz innehalten und überlegen, lohnt es sich dafür ? *g

Durch die Wendepunktstrecke hatte man ständig Kontakt mit den Vereinskollegen, die weit vor mir lagen und mir dadurch auf der Strecke entgegenkamen, alle lächelnd, und alle schnell, während ich mich abmühte. Aber auch eine glückliche Maike von den triabolos Hamburg, die hier in Köln ihre erste Halbdistanz absolvierte und die, wie sie mir später erzählte, die letzten Kilometer mit den Tränen kämpfen musste vor Stolz und Freude.

Der Zieleinlauf nach langen 2.13 Stunden war dann wieder genial (wie eigentlich jeder Zieleinlauf, wenn man denn weiß, es ist vollbracht *g). Eine kleine Tribüne säumte die letzten Meter, es war geschafft. Die Gesamtzeit, inclusive meines Interviews, inclusive diverser Gespräche mit den Supportern der Triabolos (Hallo Marle *g) auf der Laufstrecke, betrug 5,57 Stunden. Ich kann es besser, sicherlich.

Aber enttäuscht bin ich auch nicht. Die anderen Fortunen, hier vor allem Torsten Spiralski, hatten eine tolle Zeit hingelegt. Letzter aber wurde ich auch nicht *g (Danke, Frank).

Was bleibt? Zum Einen: Es war der letzte Wettkampf für mich und mein BMC TT in Deutschland, zum Anderen: Die Gewissheit, auch als Düsseldorfer in Köln angefeuert zu werden. Die Organisation in diesem Jahr war gut, dass kann und muss man erwähnen, denn ich habe es in Köln ja auch schon anders erlebt.

Und zu guter Letzt: Schön zu wissen, dass die Stadt Köln an einem Sonntag grossräumig für den Strassenverkehr gesperrt wird –

… weil ein Düsseldorfer dort Fahrrad fahren will 😉

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