Knatsch, Kette und Killepitsch

Wenn es dem Esel zu wohl ist,… oder wie heißt der Spruch? *g

Jedes Jahr im August findet im Landschaftspark Duisburg das 24 Stunden Mountaibike-Rennen statt. Und jedes Jahr im August findet sich das Team Bauchfleisch ein, um aus lauter Spaß´ an der Freud diese Herausforderung anzunehmen.

Standen wir bis vor einigen Jahren noch mit einem Team am Start, so ist die Bauchfleischtrupppe seit 2010 auf stolze 16 Mann angewachsen – und somit mit zwei Achterteams vertreten, Team Bauchfleisch 8a und 8b.

Wären die Startplätze für die Solofahrer (muss man sich mal vorstellen, 24 Stunden fast ohne Schlaf bergauf und bergab) nicht innerhalb von Minuten weg gewesen, so hätten wir mit „Don“ Luis auch einen Einzelfahrer gehabt. Aber „Don“ Luis mit seinen spanischen Wurzeln war bei der Anmeldung zu langsam, rutschte dadurch aber immerhin noch ins 8b Team.

Für mich lief die Vorbereitung – neben dem allgemeinen Triathlontraining – nicht gerade optimal. Das vor einem Jahr gekaufte Mountainbike, mit dem ich mehr als zufrieden war, wurde mir vor wenigen Wochen geklaut. Direkt vor der Firma, tagsüber, in der Innenstadt, auf einer belebten Strasse. Natürlich war es mit einem fetten Schloss gesichert, der Verkäufer sagte, da müsse der Dieb schon mit schwerem Gerät anreisen, um das zu knacken – tja, hat er wohl auch gemacht. 😉

Also bin ich diesmal mit dem Fully meines Neffen auf die beschwerlichen Runden gegangen. Natürlich passte das Rad nicht perfekt, aber so groß ist der Unterschied zwischen dem jungen Neffen und dem alten Onkel dann auch nicht – obwohl es als klasse Ausrede für meine doch mehr als bescheidenen Rundenzeiten hätte herhalten können.

Wie immer wurde von einigen Wenigen am Vortag das „Basiscamp“ vorbereitet, Zelte aufgebaut, Grill eingerichtet ecetera. Ich war dann gegen 10 Uhr am Samstag vor Ort, um noch die ein oder andere Testrunde drehen zu können, bevor dann um 13 Uhr das Rennen begann.

Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Strecke um einige hundert Meter verlängert, die Steigungen der Vergangenheit zu meinem Leidwesen aber nicht begradigt *g. Sicherer wurde die Strecke dadurch nicht, im Gegenteil, viele enge Kurven, bei denen die Sturzgefahr schon vorprogrammiert schien. Als Beweis fädelte PiWi bereits beim Einrollen mit seinen Hörnchen bei mir ein, er stürzte und hatte „Aua“ , ich hingegen als geübter Mountainbiker (*g) hielt mich auf dem Rad.

Nachdem die Strecke nun bekannt war, wurde das Basislager noch ein wenig schnuckelig gestaltet, will heissen: Kuchen, Brote und ‘ne Flasche Killepitsch auf den Tisch.

Das Wetter hielt bis hierhin, die prognostizierten zwei Tage Regenwetter fanden noch nicht statt, im Gegenteil, es wurde in den ersten Stunden richtig schwülwarm.

Die Reihenfolge der Starts wurde, nachdem wir alle mit Transpondern und Startnummern versorgt waren, vom Käpt´n Holk bekanntgegeben. Wie jedes Jahr wechselt Neffe Oli auf Onkel Peter, als sechster bzw. siebter Fahrer. Es blieb also Zeit, sich auf das Kommende mental vorzubereiten.

Gegen 16 Uhr war es dann soweit. Neffe Oli fuhr zur Wechselzone, um die vereinbarten zwei Runden zu fahren, und pünktlich, wie im letzten Jahr, fing es genau dann an zu regnen. Diesmal aber hatten wir alle vorgesorgt, und soviel Bekleidung im Gepäck, dass man sich locker dreimal neu einkleiden konnte. Als ich dann circa 40 Minuten später auf die Strecke ging, regnete es immer noch, aber im Vergleich zum Vorjahr war es nur „normaler“ Regen, will heissen, es schüttete nicht. Damit konnte man leben.

Onkel Peter, der Triathlet, also jetzt auf der Mountainbike-Strecke. Irgendwie muss ich anscheinend immer und überall dabei sein *g. Die Runden fielen mir schwer, das lag aber nicht am ungewohnten Rad, vielmehr an den langen flachen, aber auch sehr matschigen Rasenpassagen. Hier hatte man das Gefühl, einzusinken und nicht mehr voran zu kommen. Die Steigungen kam ich aber im Vergleich zu den Vorjahren gut hoch – allerdings ist gut auch wieder relativ, denn man konnte ob meiner Leistung den Eindruck gewinnen, das die Cracks – also alle Teilnehmer ausser mir *g – die Steigungen schneller hochfahren als ich die Steigungen runter! Schon bewundernswert, welche Leistung manch einer so vollbringt.

Die ersten beiden Runden waren vollbracht, mein Puls freute sich, die anderen Fahrer auch, denn jetzt war kaum noch Matsch auf der Strecke, denn dieser hing nun in meinem Gesicht, an den Klamotten und vor allem am Rad *g.

Im Zeltlager angekommen, wurde erst mal gerechnet, wann man denn wieder an der Reihe ist. Es blieb jedenfalls Zeit genug für den Besuch, der zwischenzeitlich im Lager angekommen war: Meine Schwester und somit Olis Mutter, Schwager Reinhard mit Filmkamera, Inge aus Solingen, die eigentlich im Vierer-Team starten wollte, aber absagen musste.

Mit Inge ging ich über die Anlage und zeigte ihr die schönsten Teilabschnitte und ich glaube, etwas bedauerte sie dann doch ihre Entscheidung der Nichtteilnahme. Ein kleines, nicht alkoholfreies Bier wurde getrunken (nicht dem Käpt´n erzählen), ein anderes Team besucht. Man lässt es sich gut gehen während dieser 24 Stunden im Camp *g.

Don Luis hat dann, nachdem ich wieder auf die Piste musste, mit Inge die von mir mitgebrachte „Medizin“ (Killepitsch, Kräuterschnaps, 42 Umdrehungen, Düsseldorfer Spezialität *g) gekostet. Luis hat sage und schreibe acht Gläschen von dem 42prozentigen Killepitsch getrunken – Inge hat nicht gezählt *g

Es war inzwischen dunkel, als ich wieder an der Reihe war und die Strecke bereits entschärft, nachdem sich am Nachmittag ein schwerer Unfall ereignete. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat sich ein Fahrer bei der Abfahrt in der „Wurzelpassage“ die Schulter gebrochen. Jedenfalls wurde er mit dem Helikopter ins Krankenhaus geflogen, und die Unfall-Passage gestrichen (man ist vorsichtig geworden in Duisburg nach den unglücklichen Ereignissen bei der Love Parade ein Jahr zuvor).

Die Nachtfahrten sind immer am interessantesten. Hunderte Biker auf der Strecke, kaum Zuschauer, alles dunkel nur die Lichter der Bikes, die die Strecke gespenstisch erhellen. An den Steigungen erinnert mich das Szenario immer an den Film „Die Nacht der reitenden Toten“, wenn wie an einer Perlenschnur gezogen schemenhafte Gestalten, diesmal auf dem Rad sitzend, langsam und schwerfällig die Hügel emporklommen.

Gut, dass man tagsüber bereits die Strecke gefahren ist, das macht die Nachtfahrten etwas sicherer. Mit der Müdigkeit haben alle zu kämpfen, denn obwohl wir Liegen, Matratzen ecetera im Basislager haben, so richtig entspannt kann man nicht schlafen, mal abgesehen davon, dass es sich ja auch nur immer um wenige Stunden handelt.

Ich war gegen vier Uhr noch ein zweites Mal dran, also mußte ich von der überraschend bequemen Matratze und dem kuschelig warmen Schlafsack wieder in die dunkle Nacht. Es regnete nicht stark; es fieselte, wie man hier sagt. Regenjacke an und ab zum Wechselplatz. Oli kam alsbald, und ich durfte/mußte wieder in die Natur, mit vielen anderen, die nächtens nichts Besseres vorhatten. Die Zeiten wurden etwas schlechter, ich hatte zudem noch einen Defekt. Die Kette hatte sich durch einen Schaltfehler am Berg so dermaßen verhakt, dass ein Weiterfahren unmöglich war. Sehen konnte man nicht viel, eigentlich gar nichts mitten im Gelände, ich dachte sogar daran, das Rad nun endlose Kilometer schieben zu müssen. Erst durch die Mithilfe eines Solofahrers, der fairerweise anhielt und mir Licht spendete, konnte ich den Defekt beheben. Die Rundenzeit aber wuchs damit auf astronomische 27 Minuten an.

Nachdem ich etwas verspätet wieder in der Wechselzone ankam und meine Nachtfahrten damit ein Ende hatten, wurde das Rad mit einem Wasserschlauch vom Schlamm befreit, bevor es dann zurück ins Lager ging. Geschlafen wurde jetzt nicht mehr, denn bald sollten frische Brötchen kommen, das wollte ich nicht verpassen ;-).

Neben den Brötchen gab es aber auch leckere, sehr leckere selbstgebackene Muffins von Yvi (dem Käpt´n seine Frau *g). Und da in der Flasche Killepitsch – trotz Inge und Don Luis – noch ein Rest war, wurde zum Frühstück auch hiervon noch ein Gläschen genommen. Luis lag derweil wieder auf der Massagebank, meldete sich aber auch sofort wieder, nachdem ihm der Kräutergeruch in die Nase stieg.

Massagebank? Ja, bisher noch nicht gesagt, aber definitiv erwähnenswert ist die Tatsache, dass wir diesmal mit Claudia, einer Holländerin und Nachbarin eines Teammitglieds, eine Physiotherapeutin dabei hatten. Gegen Mittag angekommen, knetete und massierte uns Claudia vor und nach unseren Runden. Ein toller Service, den wir alle gerne in Anspruch nahmen.

Noch einmal am Vormittag, gestärkt und nicht so durchnässt wie im vergangenen Jahr, durfte ich – ja jetzt wollte ich noch mal *g – meine letzten beiden Runden absolvieren, bevor es dann dem Ende zuging und die 24 Stunden Geschichte waren.

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