Versöhnliches Ende

Peter D. in Berlin

Peter D. in Berlin

Die Saison ist vorbei – für mich zumindest.

Kein Wettbewerb mehr zum Jahresende, Haken unter 2014 setzen und Füße hochlegen.

Nach den beiden Langdistanzen und den „DNF“ sollte es noch zu einem positiven Jahresausklang kommen. Auf dem Terminkalender stand der, nur alle zwei Jahre stattfindende, BerlinMan. Unschwer zu erkennen, wo dieser stattfand.

Bei diesem Wettbewerb handelt es sich um die m.E. klassische Mitteldistanz mit 2,2 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und einem abschließenden 20-Kilometerlauf.

Ort des Geschehens: Wannsee und Grunewald.

Die Voraussetzungen im Vorfeld waren auch hier nicht sehr gut. Die Wettervorhersage versprach Regen, am Vortag war meine Stimme komplett weg (Stimmbandentzündung?) und überhaupt. Aber Fortuna Düsseldorf gewann zum ersten Mal in dieser Saison (3:0 in Aue) – doch ein gutes Zeichen?

Ich war gewillt, zu finishen, egal wie. Nicht nach Frankfurt und Roth wieder ein DNF (obwohl, dreimal ist Bremer Recht – aber bin ich Bremer?). Sonntagmorgen bereits früh mit den Rädern zum Start, unterwegs kam der angekündigte Regen; daher waren die Klamotten, die ich beim Wettkampf tragen wollte, schon jetzt klitschnass. Die Stimme war immer noch nicht vollends da, aber die bräuchte ich für einen Start/Ziel-Sieg ja sowieso nicht – aber in der Wechselzone das ein oder andere Wort mit den Mitstreitern zu wechseln, beruhigt mich immer etwas. Musste diesmal leider größtenteils ausfallen.

Mit gemischten Gefühlen ging es zum Schwimmstart. Zum Strand ging es eine Treppe hinunter, 89 Stufen – laut Veranstalter. Problem: Diese mussten wir nach dem Schwimmen auch wieder hoch, um in die Wechselzone zu gelangen.

Das Schwimmen verlief überraschend gut. Von Beginn an konnte ich kraulen, eine Seltenheit für mich. Natürlich wurde ich im Verlauf auch von den nachfolgenden Rotkäppchen überholt (ich war in Startgruppe 1, alle männlichen Rentner und alle Frauen mit Badekappe schwarz). Aber das störte mich nicht, ich zog meine „Bahnen“ im Wannsee und dachte unentwegt an Conny Froboess

Auszug:

Pack die Badehose ein,
nimm dein kleines Schwesterlein

Und dann nischt wie raus nach Wannsee

Ja, wir radeln wie der Wind durch den Grunewald geschwind

Und dann sind wir bald am Wannsee

Hei, wir tummeln uns im Wasser wie die Fischlein, das ist fein

Und nur deine kleine Schwestern, nee, die traut sich nicht hinein

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein

Denn um Acht müssen wir zuhause sein

Bis um Acht sollte ich es eigentlich schaffen. *g

Statt der 2,2 Kilometer wurden es laut Garmin-Uhr dann aber doch 2,5 Kilometer (und meine Uhr hat Recht!). In der Wechselzone ließ ich mir Zeit, lauschte den Kommentaren eines Achim Achilles und hoffte, keiner der Athleten nähme sich seine Worte zu Herzen (Zitat: Wenn ihr euer Rad nicht findet, sucht euch halt ein besseres aus..)

Es war unangenehm, bei nasskaltem Wetter in ebenso nasskalte Klamotten zu wechseln. Aber nutzte ja nix. Wird schon trocken hoffte ich. Aber leider blieben wir dann auch beim Radeln nicht von heftigem Regen verschont.

Es waren vier Runden durch den Grunewald zu absolvieren. Die Strecke sind wir am Vortag schon einmal abgefahren, das nahm die „Angst“ vor „Willi“, dem einzigen Berg Berlins. Gute 1.000 Meter geht es hinauf, aber gleichmäßig, erst ab der dritten Runde wurde es dann schwieriger (obwohl „Willi“ sich nicht veränderte). Die Abfahrten, bei trockenem Wetter sicher sensationell, mussten diesmal etwas vorsichtiger angefahren werden – Schade für mich, dem begnadeten Abfahrer! *g

In der dritten Runde, auf der berüchtigten Kopfsteinpflasterpassage, holte ich mir einen Hinterradschaden. Vorher schon wunderte ich mich über die vielen Athleten am Straßenrand, gefühlt alle fünf Minuten stand links oder rechts einer mit Reifenschaden. Und dann, in der dritten Runde, erwischte es auch mich. Immer noch klitschnass, mit steifen Fingern vor Kälte, versuchte ich den Radwechsel. Was sonst in fünf Minuten erledigt werden kann, dauerte zwanzig Minuten. Nässe, Matsch und was weiß ich, machten den Wechsel zu einer Geduldsprobe. Danach war die Luft raus, obwohl, im Reifen war sie jetzt wieder drin. Die letzte Runde wurde mit Frust gerollt, jetzt nur noch finishen, die Zeit war zweitrangig.

In der Wechselzone dann in nasse Laufsocken geschlüpft, losgejoggt und auf schwere Beine gewartet. Die aber kamen nicht, im Gegenteil. Von Anfang an „lief“ es klasse. Die Strecke – ein fünf Kilometer Rundkurs durch den Grunewald, Wanderwege, teilweise Asphalt, kam mir da sehr entgegen. Vielleicht lag es aber auch an meinen geänderten Verpflegungsgewohnheiten. Diesmal gab es konsequent nur Apfelsaftschorle und eine halbe Banane pro Runde. Meine neue Erfolgsmasche?

Der Lauf entschädigte mich für die ganzen „Schei… Monate“ der Vergangenheit. Nicht unbedingt die Zeit (handgestoppte 1.53 Stunden für 20 Kilometer), sondern das Gefühl, dass ich verspürte. Keine schweren Beine, immer noch in der Lage zuzusetzen, und ständig am Überholen, ohne selber überholt zu werden.

Das war es, was ich zum Ende der Saison noch brauchte, ein tolles Erfolgserlebnis und somit eine riesige Motivation für das neue Wettkampfjahr.

Jetzt schon geplant und/oder gebucht:

Triathlon Bonn 14.06.
70.3 Luxembourg 20.06.
Challenge Roth Juli

Aber die nächsten Wochen erst mal Ruhe – obwohl ich schon wieder trainiere, aber eher als Genussradler und Läufer.

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