Und tschüss, Ironman Mexiko!

IB Schulterbild

Am 24.September habe ich meinen Bericht über das wiedergefundene Laufgefühl veröffentlicht!

Wenige Stunden später war alles wieder hinfällig. Was ist passiert?

Es war ein wunderschöner Herbstnachmittag. Der Himmel war blau, die Sonne schien. Mein Besuch beim Zahnarzt um die Mittagszeit verlief erfolgreich, will heißen, die Beißerchen waren in Ordnung. Ich war durch den Arztbesuch etwas früher zu Hause, da bot es sich doch geradezu an, das Wetter zu einer Trainingseinheit mit dem Rad zu nutzen.

Gesagt, getan. Ich wählte eine ruhige Strecke, fernab vom Verkehr und fuhr Richtung Rhein. Dort angekommen ging es auf den Deich, hier herrscht in der Regel Fahrverbot für den Kraftverkehr.

Unabhängig davon fuhr aber ein LKW vor mir her. Wieso & weshalb war mir in dem Moment egal, er fuhr langsam, also überholte ich links. Auf der Höhe des Führerhauses dann der Schock. Der Fahrer zog nach links, eine Möglichkeit, auszuweichen, bestand nicht mehr. In diesem Moment gehen einem tausend Gedanken durch den Kopf, einer davon: Tschüss, Ironman Mexiko.Image

Das Touchieren des Führerhauses mit meinem Astralkörper nahm ich noch wahr, danach wurde es dunkel. Kurze Zeit später fand ich mich auf dem Asphalt wieder, bewegungsunfähig. Die Schulter war gebrochen, dass war mir sofort klar. Was aber war mit meinem linken Bein? Ich hatte sehr starke Schmerzen und konnte mich nicht bewegen. Ich wollte mich erheben, aber inzwischen waren bereits Spaziergänger da, die mich auf den Boden zurück drückten und auf mich einredeten.

Wo war mein Fahrrad, was ist mit dem Rad? Das lag am Rand des Deichs auf dem Rasen, ich konnte nicht erkennen, ob es auch verletzt war. Noch hoffte man ja, dass man sich „nur“ was geprellt hat und nach Hause kommt. Aber die hilfreichen Hände hatten bereits einen Krankenwagen gerufen.

Der Fahrer des LKW erklärte, er hätte sich verfahren, dass Navi hätte ihn hierher gelotst und er wollte nach links um zu halten, damit er sich klar darüber wird, wo er eigentlich war. Dumm, dass sein Gedankengang und die Umsetzung genau zu dem Zeitpunkt erfolgte, als ich direkt neben ihm war. Mir hat es auch nicht wirklich geholfen, dass der Fahrer irgendetwas von „totem Winkel“ redete.

Die Polizei, die inzwischen eingetroffen war, notierte meinen Namen und Adresse, versprach zu einem späteren Zeitpunkt im Krankenhaus wegen der Zeugenaussage vorbei zu kommen und versicherte mir zudem, dass man sich um mein Fahrrad kümmern werde. Den Sanitäter ließ ich das Rad noch hochheben, um zumindest optisch das Ausmaß einer eventuellen Verletzung zu erkennen. Aber es schien besser davongekommen zu sein als ich.

Die Fahrt im Krankenwagen war der Horror. Jedes Steinchen meinte ich zu spüren. Ich lag festgezurrt auf der Trage, und doch flehte ich die Sanis an, mich loszumachen. Diese kamen meiner Bitte natürlich nicht nach.

Kurze Zeit später waren wir im Krankenhaus. Auf einem Rollstuhl gebettet ging es in die Notaufnahme. Es folgte das obligatorische Röntgen und die Diagnose des Arztes: „Fraktur! Ziemlich kompliziert, da müssen wir leider sofort operieren.“

Man versuchte mir einen Stützverband anzulegen, was zur Folge hatte, dass ich kollabierte. Als ich wieder wach wurde, hatten die Jungs meine „Abwesenheit“ genau dazu genutzt. Jetzt steckte also mein Arm in einer festen Bandage. Ziemlich unangenehm, aber das war das kleinste Problem. Ich wurde ins Krankenzimmer gebracht, die Operation sollte am nächsten Tag anstehen.

Bewegen konnte ich mich immer noch nicht, da der Oberschenkel, die Hüfte, bei der kleinsten Drehung schmerzten, und zwar richtig. Die spätere Diagnose, starke Prellungen, sollten sich erst Wochen später als falsch herausstellen.

Um es abzukürzen: Die Operation unter Vollnarkose verlief ohne mein Zutun. Ich war natürlich weggetreten und konnte keine Witze machen, obwohl ich gerne noch einen anderen Narkosearzt gefordert hätte, nachdem dieser sich als Kölner geoutet hatte. 😉

Wie dem Röntgenbild zu entnehmen ist, wurde mir während der Operation eine Hakenplatte eingesetzt. Als Grund hierfür ist fehlender Knochen ab der vierten Schraube zu nennen, es war einfach kein Halt da. Zwei Tage nach der Operation sollte ich dann schon wieder entlassen werden. Hallo? Ich war immer noch bewegungsunfähig, konnte kaum gehen! Der Arzt hat das dann eingesehen und mich erst am fünften Tag entlassen.

Neben all den körperlichen Schmerzen kam natürlich auch die Verärgerung über die nun nicht mögliche Teilnahme am gebuchten Ironman Mexico hinzu. Und ich war soo gut drauf! *g

Von der Reise konnte ich aufgrund einer sehr kulanten Regelung durch Hannes Hawaii Tours zurücktreten, auf den Kosten für den Wettkampf (immerhin 509 €) bleibe ich sitzen. Eine Rückerstattung oder eventuelle Umbuchung (wie bei Wettbewerben in Europa) auf einen anderen Wettkampf ist nicht möglich, wie man mir auf Anfrage mitteilte.

Wie es meinem Rad geht? Stimmt, das ist inzwischen wieder bei mir zu Hause. Optisch einwandfrei, lediglich ein kleiner Kratzer am rechten Pedal. Trotzdem werde ich es zur Begutachtung an meinen Raddealer geben (müssen).

F95kruecke

Die diagnostizierte Prellung des Oberschenkels/Hüfte besserte sich derweil nicht, ganz im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Bei meinem behandelnden Arzt ließ ich eine weitere Röntgenaufnahme machen, aber auch hier war nichts zu sehen. Zwischenzeitlich bekam ich Krücken, die von mir ein wenig „aufgewertet“ wurden *g. Ohne Krücke(n) kam ich keinen Meter mehr voran. Meine Physiotherapeutin war auch besorgt, mein Arzt letztlich auch und so kam ich gestern in den Genuss einer MRT.

Der Befund?

Muskelfaserriss, Schambeinbruch und – Beckenringfraktur!

Super! Kein Wunder, dass ich nachts nicht schlafe und mich nicht fortbewegen kann. Aber jetzt weiß ich wenigstens, warum. Das wiederum, so blöd es klingen mag, macht die Sache erträglicher. Brüche, was soll´s, die heilen wieder. Die Karriere ist also nicht beendet! Denn, das war einer meinen größten Sorgen, dass eventuell etwas dermaßen kaputt gegangen ist, dass ich nie wieder einen Triathlon absolvieren kann. Jetzt bin ich wieder etwas optimistischer.

Allerdings ist es m.E. schon traurig, dass ich sage und schreibe fünf Wochen mit einem unerkannten Beckenring- und Schambeinbruch durch die Gegend laufe…

Was nun? Laut dem behandelnden Arzt werde ich in zwei Wochen schwimmen können (Brust), nächste Woche darf ich auf die Rolle, und irgendwann klappt es auch mit dem Laufen wieder.

Während meiner Leidenszeit habe ich mich aber trotzdem – optimistisch, wie der Rheinländer so ist – wieder für eine Tour de France Etappe angemeldet. Diesmal geht es über den Col du Tourmalet. Neben der Challenge Roth ein Grund mehr, wieder ganz gesund zu werden.

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3 Antworten zu Und tschüss, Ironman Mexiko!

  1. Jürgen sagt:

    Mir ist Ähnliches 2008 passiert und 2010 war ich auf Hawaii! Also bleib‘ bei Deinem Optimismus. Allerdings haben mir die Ärzte damals geraten, das Metall wieder entfernen zu lassen, da bei einem erneuten Unfall die Platte ziemlichen Schaden anrichten kann, weil sie fester ist als alle Knochen. Weiterhin gute Genesung!

  2. Peter sagt:

    Hallo Jürgen

    danke, dass läßt hoffen 🙂

    Das die Platte entfernt wird, stand von vorneherein fest. Lt Krankenhaus nach 12 Monaten, mein behandelnder Orthopäde geht aber von 6 Monaten aus. Ich werde es nach dem Trainingslager im April machen lassen, danach dann ggf noch zwei Wochen „Ping“, wie der Rheinländer sagt, und dann Endspurt, um im Kraichgau und in Roth topfit zu sein *g

  3. Pingback: Neue Hoffnung keimt auf! | Ironblog 2.0

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