Web-Video ist nicht Fernsehen

Oliver

Bei den ersten Video-Versuchen wird man sich zwangsläufig bissigen User-Kommentaren ausgesetzt sehen, die die Filme und Filmchen als „amateurhaft“ oder „laienhaft“ abqualifizieren. Und obwohl man zigmal gelesen und diskutiert hat, dass Webvideo eben nicht versuchen soll, typischen TV-Journalismus nachzuahmen, schmerzen solche Vorwürfe dennoch.

Daher allen und mir zum Trost, zur Bestätigung, zur Aufforderung: Multimedia-Vorreiter Adam Westbrook in Charlie Brooker’s dissection of the TV news package (and what you can learn from it)

If you’re reading this blog, chances are you’re not working in a TV newsroom. You’re more likely to be a video journalist working for a newspaper or the web, right? In which case, the rule is a simple one:

video journalism is NOT TV news!

Journalists from big newspapers have expressed frustration to me before that their attempts to ‘go into video’ end up looking amateurish. What they mean is they don’t look as good as TV news. And the reason: they’re trying to copy this TV formula without really understanding it. And they’re imitating without any need too.

Video journalism is free of so many of the contraints which which created the TV news formula; they might have more time, fewer people, and no style conventions to adhere too…so make the most of that! It’s cheaper than TV news too – so you can afford to experiment and make mistakes.

With the technology to produce video narratives cheaper than ever, I hope more people will pick up a camera and learn how to tell visual stories in new ways. Leaving it in the hands of the conventional herd of the mainstream newsroom alone means we’ll only emerge from this industry upheaval with more of the same. And that would be sad.


Natürlich: Wildes Experimentieren kann dazu dienen, Stümperei & Schlamperei zu überdecken. Und es ist immer gut, von den Spezialisten zu lernen – und von den Klassikern. Aber tatsächlich sollten sich kleine Videoformate im Web von TV-Nachrichtensendungen unterscheiden, und sicherlich ist eine rumpelige Authentizität wichtiger als technischer Perfektionismus. Ein Web-Video muss etwas bieten, was der Internetuser nicht anderswo besser haben kann. Und TV-Nachrichten sieht man besser auf dem TV-Gerät in einer TV-Produktion.

Aber bewegte Bilder von Geschehnissen & Geschichten, die nicht übers große Fernsehen gehen, Erklärungen & Erläuterungen von Fachredakteuren, die sich sonst nur geschliffen schriftlich ausdrücken und die man bestenfalls via Autorenbildchen visuell wahrnimmt,… die man per Video ein wenig in ihrer Persönlichkeit wahrnehmen kann – die sollten doch im Web möglich sein. Jenseits der TV-Konventionen und -Ansprüche. Als Mikroformat durchaus schnell produziert, direkt vom Fleck weg sozusagen.


3 Responses to “Web-Video ist nicht Fernsehen”

  • Top Video : Tinitus Says:

    Die Informationen zum Thema „kopfschmerzen und schwindel“ auf dieser Webpage von Youtube haben mir wirklich extrem viel weitergeholfen.
    Link : https://www.youtube.com/watch?v=PGhGeiVJG58

  • Oliver Says:

    Also das wäre die Aufgabe: Auf dem Weg, nicht TV nachzuahmen, gleichwohl aber eine eigene Handschrift zu entwickeln, nicht im Billigsektor zu landen. Mit Mikroformat meine ich nicht, dass es sich um Themen und Geschichten handelt, die nicht TV-tauglich sind oder zu klein dafür oder zu trashig oder…

    Das mit dem „Backpack“-Equipment vor Ort nicht die Präsentation und Ästhetik eines TV-Beitrages erzielen kann, ist klar. Man ist eben nicht mit drei Leuten und dem entsprechenden Material unterwegs. Andererseits ist das gerade der Reiz – für mich jedenfalls. Und ich sehe zumindest meine Alltagsarbeit eingebettet in das online gestellte Textmaterial der Print-Journalisten. D.h., diese Art Video muss und soll nicht völlig für sich alleine stehen. Multimedia eben – Zusammenwirken von Text, Bild, Ton, Bewegtbild.

    Ich bin nächste Woche in Hamburg beim „Web Documentary“-Workshop der Akademie für Publizistik mit den Leuten vom Bombay Flying Club als Referenten. Vielleicht habe ich danach eine bessere Antwort. 😉

  • Markus Hündgen Says:

    Aber kommen wir eben mit diesen Videos – „Minivideos als Mikroformat“ nicht wieder in die Billig-TV-Schiene? Nur weil etwas nicht im TV läuft muss es im Web einen Platz finden? Sollten wir nicht im Geiste der Medienkonvergenz – auch als Videomenschen – die Stärken des Bewegtbildes herausstellen?
    #sunday_thoughts

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