Get good audio

Oliver

Die multimediale eierlegende Wollmilchsau hat auf allen Ebenen zu kämpfen – vor allem aber auf der des guten Klangs. Wenn es auf die FR online-Videoprojekte (Volltreffer! und Eintracht aktuell„) Negativreaktionen gab, dann besonders wegen der Soundprobleme, die bei „Eintracht aktuell“ draußen vor dem Stadion bzw am Trainingsplatz auftauchen: Wind und schwer zu vermeidende Nebengeräusche – wie etwa die der Flieger vom Frankfurter Flughafen oder die Reinigungs- und Vorbereitungsarbeiten am Stadion.

Diese Situation habe ich tatsächlich nicht ausreichend antizipiert, weil es in den ersten Überlegungen zu den Videoserien vor allem darum ging, die Pressekonferenz widerzugeben, und Statements von FR- und/oder Eintracht-Leuten in einem Nebenraum aufzunehmen. Für die hätte das Sennheiser MKE-400 Richtmikro auf der Canon 5D MkII durchaus gereicht, AGC-Problematik hin oder her.

So halte ich die Soundqualität beim inhouse aufgenommenen „Volltreffer!“ für ok. Da das Gespräch der Sportredakteure in einem normalen Konferenzraum aufgenommen wird, gibt es einen gewissen Hall – so what. Wir könnten die Kollegen von Radio BOB, die im Sachsenhäuser Depot logieren, ansprechen, ob sie uns einen isolierten Raum zur Verfügung stellen. Aber unabdingbarer Teil des „Volltreffer!“-Konzeptes ist es nunmal, mit dem modernen Newsroom der FR als Kulisse zu arbeiten…

Bei den Folgen vom 11. Februar und 4. Februar von „Eintracht aktuell“ indes gab es wegen der Sonntagsspiele keine übliche Pressekonferenz, sondern nur das Training ab 10 Uhr auf dem Platz vor dem Stadion bzw der Wintersporthalle. Bei winterlichen Minusgraden pfeift da der Wind auf dem Gelände und um das Stadion: schwer, da eine ruhige Ecke zu finden. Zumal man mit einem verschwitzten Spieler im Schlepptau, der sich zu einem Kurzinterview bereiterklärt hat, schlecht lange draußen rumrennen kann. Dem ist aus Angst vor einer Erkältung schon der Weg zum Fanshop zuviel. Zum Eintracht-Museum erst recht.

Was die Equipment-Frage betrifft, so muss ich wiederholen, dass der Multimedia-Packesel Oliver B. nicht mehr mit sich rumschleppen will, als sich einigermaßen handlich, schnell und flexibel mit sich tragen läßt. Das ist in jedem Fall Teil des Jobs. Ich habe den Link vergessen, aber als neulich bei der New York Times ein Video-Journalist von seiner Ausrüstung berichtete, habe ich mich wirklich gefragt, ob der einen Bollerwagen mit all dem Zeug hinter sich herzieht. Das kann’s für mich nicht sein. Da muss den FR online-Usern klar sein oder werden, dass wir nicht mit einem Ü-Wagen in der Gegend rumfahren.

Die Frage der guten Audioqualität wird bei MediaStorm, Adam Westbrook et.al. ausführlich diskutiert. Im Artikel Recording audio with your video DSLR, Part I heißt es etwa sehr typisch:

Well in the short time I have been shooting video seriously I have very quickly learned that sound is often more important than the video itself.

(Siehe auch: Sound is Often Just as Important as Sight in dSLR Videos)

Hier werden vor allem Ansteckmikros (Lavaliere) und der Einsatz des H4n diskutiert – und zu meiner Überraschung (nachdem es ein paar süffisante Kommentare von FR online-Usern gab, in denen gefragt wurde, warum wir keine Galgen oder Ansteckmikros einsetzen würden) auch kritisiert, dass Lavaliere-Mikros zu viel Nebengeräusche auffangen… Mit anderen Worten: Egal mit was man aufnimmt – H4n/H2 als externes Mikro der 5DMkII oder Lavaliere-Mikro oder Richtmikro wie mein MKE-400 oder ein Drahtlosmikro samt Transmitter, die AGC-Funktion bringt notwendigerweise zu laute Nebengeräusche mit sich. Also muss in jedem Fall die Magic Lantern-Firmware-Erweiterung für die 5D MkII her… unabhängig von der Frage, ob man noch einen juicedLink- oder BeachTek-Mixer dazwischenhängt.

Wobei ich allerdings mit der simple solution des von der Kamera herunter- und in die Hand des Sprechers genommenen Richtmikro ein ganz gutes Resultat erzielt habe:

(siehe & höre ab Minute 1:55, vorher war das Sennheiser MKE-400-Richtmikro auf der Kamera montiert, beides bei „Low“, eingeschaltetem Lowcut-Filter, plus Windschutz)

Der deutsche Video-Journalist und -Trainer Roman Mischel widmet einen ausführlichen Beitrag in seinem Blog der Frage: Video-DSLR oder 35mm-Adapter? – und kommt dabei auch auf die schlechte Soundqualität der Hybrid-DSLRs zu sprechen. Andere Probleme, die er nennt, sind der „Rolling Shutter“ bei schnellen Schwenks (hm: „Video for Dummies“ sagt doch: No Panning! No Zooming!) – und er schreibt:

Der CMOS-Sensor (…) ermöglicht die gewünschte geringe Schärfentiefe und ist dementsprechend lichtempfindlich, aber eben nicht für Bewegtbildaufnahmen optimiert. Der sog. “Rolling Shutter”-Effekt (auch “Jello-Cam”) erschwert die frei aus der Hand geführte Kamera ungemein und bestraft selbst kleine Bewegungen mit zitternden Bildern.

Das kann ich nun wirklich nicht bestätigen: Als Beispiel mögen die Spielszenen auf dem Trainingsplatz des vorstehendes Videos dienen (ab 4:25 und 4:54). Da habe ich ja schon relativ heftig und abrupt mitgeschwenkt, um den Ball weiter im Bild zu halten. Vom „Rolling Shutter“-Effekt wie in den bei Mischel genannten Beispielvideos (oder auch bei Philip Bloom) sehe ich da nicht viel (nimmt man die Bloom’sche Demo, dann frage ich mich schon, bei welcher Gelegenheit man solch heftige und schnelle Schwenks hin und her eigentlich produzieren soll…)

Sicherlich aber stolpert man über den „Rolling Shutter“ eher, wenn man statische Objekte aufnimmt und nicht dynamische. Bei den Fussballern ist natürlich soviel Bewegung drin, dass diese etwaigen „Jello“ überdeckt.

Was die fehlende Zebra-Funktion betrifft, so bin ich bislang mit der Belichtungssimulation des LiveViews bislang eigentlich gut klargekommen. Das zumindest ist ein Problem, dass mir von selbst nicht gewahr geworden wäre (was man schlechter Soundqualität nicht sagen kann). Vielleicht offenbart sich mir das aber mehr, wenn ich die Magic Lantern-Software installiert habe.

Kurze Aufnahmezeiten: Mehr als ein paar Minuten am Stück über einen Zeitraum von einer halben Stunde bis Stunde habe ich tatsächlich nie gefilmt – und das wird bei meinem Job auch kaum mehr werden. Selbst wenn ich an ein komplexeres Sportler-Porträt denke, kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ich die 5D MkII für eine Szene oder eine Sequenz 20-30 Minuten durchlaufen ließe oder so viele kurze Szenen hintereinander aufnehmen würde, dass die Hitzeentwicklung den Sensor stören würde. Nun ja, warten wir ab, was der Sommer bringt. 😉

Fokussierhilfe: Bislang war’s mit Autofokus, Displaylupe und im Zweifelsfall geschlossener Blende zwecks hoher Schärfentiefe getan. Aber auch umgekehrt, wenn ich eine geringe Schärfentiefe haben wollte.

Bei all dem muss man sicherlich sehen, dass ich für eine Web-Ausgabe produziere, deren Video-Fenster 480 Pixel breit ist. Auch die Vimeo-Versionen kommen gerade mal auf 640 Pixel Breite, und aus Scheu vor der Datenlast nutze ich auch nur SD-Qualität und nicht die volle 1980/1080p-Full-HD-Qualität. Wie erwähnt: Nicht ein maximales Ergebnis zählt in meinem Falle, sondern ein optimales – und das setzt auch den Parameter „Produktionsschnelligkeit“ ein.

Ich denke, man muss zwischen Foto&Video-journalistischen Ansätzen für eine Online-Ausgabe auf der einen Seite und denen eines TV-Senders oder den Ambitionen eines unabhängigen Filmemachers auf der anderen Seite unterscheiden. Ein Beitrag eines Videojournalisten für das Fernsehen unterliegt gewiss anderen formalen Qualitätsansprüchen als eines Multimedia-Redakteurs oder -Producers für eine Webausgabe. Und viele Ansprüche, die ein ambitionierter Filmemacher erhebt, sind ohnehin im (tages-) journalistischen Alltag nicht umsetzbar. Allerdings soll ein Web-Video oder eine Video-Audio-Foto-Kombination nicht unscharf, schlecht bebildert und kaum hörbar sein.

Aber zu den typischen filmischen Parametern kommen eben im tagesaktuellen Schaffen noch Aktualität, sprich: Zeit und Manövrierbarkeit hinzu. Will sagen: Ich muss mein Produkt in wenigen Stunden im Kasten haben. Bei ambitionierten Reportage- und Essay-Projekten mag das anders sein – und da mag sich Multimedia nicht anders verhalten als die ganz normale textliche Nachrichtenproduktion auch: Für eine Reportage oder einen komplexen Hintergrundbericht mag man lange recherchieren, lange unterwegs sein und lange an den Formulierungen feilen. Aber für die meisten tagesaktuellen Artikel gilt das nicht.


One Response to “Get good audio”

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