Shit Happen-Z – Folge 3

Oliver

Die Serie Shit Happen-Z berichtet in loser Folge von den Pleiten, Pech und Pannen während der allwöchentlichen Multimedia-Produktion.

Bei der „Eintracht aktuell“-Folge vom vergangenen Donnerstag ging einiges schief – das lag aber nicht zuletzt daran, dass die besondere Konstellation der Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt eine Medienmeute in die Katakomben der Commerzbank Arena geführt, die dort selten anzutreffen ist. Torhüter Nikolov, der „ewige Oka“, macht sich nach New York aus dem Staub, Christoph Preuß muss die Profikarriere nach einem langen mühevollen Comeback-Anlauf aufgeben (hoher Schnief-Faktor) und ein neuer Stürmer wird von Bruchhagen & Co. aus dem Zylinder gezogen. Folglich kam es zu einem Gebalge vor allem der Fotografen und Fernsehleute vor den Protagonisten, die vom Pressechef der Eintracht mühevoll im Zaum gehalten werden mussten.

Die Print-Leute wollen sehen und fragen stellen können und verstehen, was die Eintracht-Vertreter sagen (geht nicht, wenn Kameras permanent rattern). Die Fotografen wollen ihre Bilder, ganz nah, ganz vorne. Die Fernsehleute wollen auch ihre Bilder, aber von hinten, wohin sie verbannt wurden. Daher müssen die Fotografen raus aus dem Sichtkanal der TV-Menschen, und die Print-Journalisten müssen brav in der ersten Reihe sitzen bleiben. Die Fotografen brauchen nur einen Moment, die Kameramänner haben ihre Mikrofone drahtlos oder per Kabel verbunden vorne auf dem Tisch stehen.

Und wo bleib‘ ich, der einzige Multimedia-Fuzzi im Raum?

Ich muss mich zum wiederholten Male gegen den Pressechef zur Wehr setzen, weil ich mit meiner 5D Mk II nur einen Blickwinkel unter diesen Umständen nutzen kann: Den rechts von der Seite (der ist zwar nicht toll; fest positioniert in der Mitte bleibend würde ich freilich von Schreibern, Knipsern und Kameraschwenkern im Kollektiv gegrillt). Aber immerhin tront die Kamera auf dem Stativ auf dem langgestreckten Tisch, an dem die Eintracht-Menschen sitzen. Richtmikrofon oben drauf – damit darf ich nicht zu weit weg von den Sprechern (wegen des Sichtkanals – siehe vorstehend – darf ich aber auch nicht näher ran). Das externe Aufnahmegerät habe ich vor diesen positioniert – zu dem verliere ich in Trubel und Traube sowohl Blick- wie körperlichen Kontakt. Pech: So kriege ich nicht mit, dass die Batterien leer laufen und mein externer Ton fast der ganzen Pressekonferenz futsch ist.

Wegen des Gebalges und des Gequatsches um mich herum – kein Medienmensch ist daran gewöhnt, dass einer einen Fotoapparat im Stativ vor sich stehen hat, nicht durch den Sucher schaut und trotzdem was aufnimmt – habe ich jede Menge Nebengeräusche auf dem Ton des Richtmikrofons, das auf den Blitzschuh der 5D Mk II montiert ist. Damit sind beide Tonquellen – extern wie intern – weitgehend unbrauchbar. (Nett indes die mir unbekannte Kamera-Kollegin, die mich samt Hybrid-DSLR im Einsatz von hinten filmte und so wohl ins Fernsehen brachte – Schnitt auf den Liveview der 5D Mk II – und „coole Kamera“ raunte).

Sowohl Christoph Preuß wie Halil Altintop nehmen zwischen zwei gewichtigen und wichtigen Menschen Platz. Also: Ich kriege weder von dem einen noch von dem anderen gescheite Videosequenzen, weil sich der Vorstands-Boss ins Bild beugt oder der Hintergrund vom Pressechef dominiert wird. Meist beides. (Gottseidank habe ich mir angewöhnt, meine alte 350D – die ja so gerne von Profis mit D1 und 1D als Kinderkamera belächelt wird („Come play with me“) – samt Sigma 70-300mm-Telezoom umgehängt zu haben – und mit der gelingt es bisher, eindrucksvolle Fotos zu machen, die zumindest in meinen Augen mehr Wirkung haben als eine verkorkste Videosequenz).

Bei den Sequenzen mit den beiden FR-Sportredakteuren dröhnt das Stadion – nein, da ist wirklich kaum jemand außer uns und einigen wenigen Arbeitern, die Schnee schippen… das ist einfach das Vibrieren des Stadions samt den unvermeidlichen Fliegern vom Flughafen.

Das eine Standbein meines leichten Stativs ist immer noch angeknackst vom vorherigen Einsatz, notdürftig mit Klebeband fixiert. Voll ausgefahren sinkt aber immer noch ein Bein langsam in sich zusammen. Das muss fixiert werden – habe aber nix dabei. Aber den Redaktions-Praktikanten, den haben wir dabei. Der muss zu was nützlich sein. Also bitte ich ihn, das Stativbein festzuhalten und vor dem In-sich-zusammensacken zu bewahren.

Das war ein Fehler. Der Praktikant muss sich bücken, es ist kalt, der Junge friert und sitzt unbequem. Folge: Der vibriert mehr als das ganze Stadion insgesamt. Hält aber tapfer das Stativbein fest. Die Folgen sind im Video zu sehen und waren auch von der Verwackelungskorrektur nicht mehr zu bewältigen.

Ich hänge noch eine Stunde am Trainingsplatz herum, während die Kicker kicken, die Kiebitze quatschen und meine Füße frieren. Um 16 Uhr muss ich weg, die S-Bahn erwischen. Bis dahin gab es ein wenig Technik-Training, aber kein richtiges Spiel mit Szenen vorm Tor. Oder so. Herrje.

Ich komme heim. Draußen ist es dunkel. Drinnen auch: Die Neonröhre meiner neutrales-Weißlicht-Deckenlampe-für-einen-optimal-kalibrierten Monitor ist hin. Ach ja, Monitor: Mein nagelneuer iMac mit 27-Zoll-Bildschirm gehört zu den Geräten, die ab und zu flackern. Selbst Steve Jobs weiß da ausweislich einer persönlich von ihm geschriebenen E-Mail keinen Rat. Oder vielleicht interessiert den nur noch sein iPad.

Manchmal hängt auch einem Technofreak wie mir der ganze Sch*** zum Hals heraus.

Das Ergebnis sieht dann so aus:

Übrigens waren die meisten Rückmeldungen zum vorliegenden Werke bisher sehr positiv. Ich hoffe trotzdem, dass nächste Woche wieder eine kleine intime Pressekonferenz abgehalten wird, bei der das Aufregendste ist, wenn Trainer Skibbe seinen Kaffee umrührt.


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