Workflow beim FR-Interview mit Bruchhagen und Heidel

Oliver

Am vergangenen Mittwoch weilten die Manager von Eintracht Frankfurt und Mainz 05, Heribert Bruchhagen und Christian Heidel, in der Redaktion der Frankfurter Rundschau – die beiden Fußballmannschaften trafen sich zum Bundesliga-Derby am (gestrigen) Samstag. Ich erfuhr eigentlich erst am Dienstag Abend von dem Gespräch. Hier das Video, das ich dazu produziert habe:

Vor Ort zeigten sich typische Probleme, die vor allem darin begründet liegen, dass sich nach wie vor als Zeitungsredaktion verstehende Journalisten nicht an die multimediale Komponente gewöhnt haben – und die Interviewpartner auch nicht. Was letztlich dazu führte, dass zwar nicht die Video-Produktion, wohl aber die -Publikation gefährdet war.

Obwohl der FR-Fotograf und ich den beiden Managern mit Name und Funktion vorgestellt wurden und ich mit der 5D MKII samt Stativen auffällig herumhantierte sowie meine Position veränderte, dominierte das Setting für ein Zeitunsginterview so stark, dass Bruchhagen wie Heidel schnell vergaßen, dass auch eine Videokamera samt Richtmikrofon auf sie gerichtet war. Sie benutzten teilweise Gestik und Mimik und eine Wortwahl, von der sie wußten, dass sie in die sprachlich geglättete Form des tatsächlich gedruckten Interviews kaum Eingang finden würde (und sie vertrauten natürlich auf die Autorisierung). Ebenso mampfte einer der beiden ungerührt und dabei nicht immer vorteilhaft aussehend sein Salamibrötchen usw.

In puncto Autorisierung fiel erst in diesem Zusammenhang auf, dass keiner der beiden eine Autorisierung des Videos einforderte. Was eigentlich konsequent (gewesen) wäre.

Mit anderen Worten: Man muss Interviepartner sehr deutlich auf die mitlaufende Videokamera aufmerksam machen. Man muss ihnen eigentlich anheimstellen, das fertige Video anzusehen – würde das aber tatsächlich gefordert werden, so wäre jeder Workflow, der eine zeitnahe Veröffentlichung des Videos vorsieht, zunichte gemacht (etwa das Video in der Zeit zu produzieren und zu schneiden, in der das Interview abgetippt und verfasst und autorisiert wird, damit Artikel und Video zusammen vorab und online-exklusiv veröffentlicht werden können).

Es tauchte tatsächlich das Problem auf, dass einer der Manager einen Satz aus dem Interviewtext gestrichen sehen wollte – und nun das Video erneut durchgesehen werden musste, ob sich dieser darin findet. Tat er nicht. Wäre er im Video zu hören gewesen, hätte es neu geschnitten, gerendert und hochgeladen werden müssen. Das hätte in der Konsequenz die Veröffentlichung glatt einen Tag verschoben.

Weiterhin: Die Kooperation mit dem FR-Fotografen lief sehr gut, was gegenseitige Rücksichtnahme auf die jeweiligen Bedürfnisse anbelangt. Auch waren wir uns sehr schnell einig, was die beste Sitzposition der beiden Interviewten im Raum betraf. Was aber sehr störte, waren die Dauerfeuer-Auslösergeräusche seiner 1D… die man im Video deutlich hört.

Diese haben dazu geführt, dass ich einige interessante Passagen des Gesprächs im Video weggelassen habe. Das Gespräch dauerte insgesamt rund eine Stunde, die erste Hälfte davon war der Fotograf dabei – erst nach seinem Abgang konnte ich mich einigermaßen entspannt auf meine Aufgabe konzentrieren (die von nahezu allen Beteiligten nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als wohlwollend toleriertes Gimmick wahrgenommen wurde. Ausnahme: Der Sportredakteur, der mich auf den Termin aufmerksam gemacht und dazu gebeten hat).

Also: Nicht im Video enthalten sind Szenen, in denen die beiden Manager sich hätten vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben fühlen können (es hilft weder Print- noch Online-Redaktion, wenn der Interviewpartner hinterher so vergrätzt ist, dass die weitere Zusammenarbeit gefährdet ist; Szenen, in denen zu deutliche Störgeräusche zu hören waren; Szenen, in denen ausdrücklich „off-records“ gesprochen wurde; Szenen, die unverständlich bleiben mussten.

Folge: Ein roter Faden ließ sich nicht finden, das Video musste also von Thema zu Thema holpern, als Brücke dienen daher und zwangsläufig die Zwischentitel, die kurz den Kontext der darauffolgenden Passagen klarstellen.

Zwischentitel allerdings setze ich nicht gerne ein: Sie erinnern mich immer an Stummfilme und haben etwas Anachronistisches.

Am Rande des Geschehens sind zu verzeichnen: Ein interviewender Print-Redakteur, der nicht im Video zu sehen sein wollte (und beim nächsten Videoprojekt nicht mehr dabei sein wollte, wenn er aufs Bild käme – ich konnte ihn beruhigen: Die Interviewer sind soundso nicht drauf). Ein anderer Sportredakteur, dessen einzige Reaktion auf die guten Zugriffe auf das Video darin bestand, zu fragen, ob denn die „Klickerei“ auch die Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung erhöhe?

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