{"id":7011,"date":"2022-01-02T13:31:11","date_gmt":"2022-01-02T12:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bechmann.org\/roninkravmaga\/?p=1240"},"modified":"2024-04-27T19:25:17","modified_gmt":"2024-04-27T17:25:17","slug":"der-anfang-so-you-may-walk-in-peace","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/der-anfang-so-you-may-walk-in-peace\/","title":{"rendered":"Der Anfang: &#8222;So you may walk in peace&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"625\" height=\"507\" data-attachment-id=\"8164\" data-permalink=\"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/der-anfang-so-you-may-walk-in-peace\/masada_eyal5\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?fit=1200%2C974&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1200,974\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"masada_eyal5\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?fit=625%2C507&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?resize=625%2C507&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-8164\" style=\"width:652px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?resize=1024%2C831&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?resize=300%2C244&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?resize=768%2C623&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?resize=624%2C506&amp;ssl=1 624w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/masada_eyal5.jpg?w=1200&amp;ssl=1 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Krav Maga-Training nahe der Bergfestung Masada.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die israelische Selbstverteidigung Krav Maga wurde f\u00fcrs Milit\u00e4r entwickelt &#8211; und bleibt auch in ihrer zivilen Variante eng mit der Armee verkn\u00fcpft<\/h4>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Zu Beginn des Jahres 2022 sei an dieser Stelle eine Reportage aus der \"Frankfurter Rundschau\" vom Februar 2003 wiedergegeben, in dem ich meine ersten Erfahrungen beim Krav Maga-Training in Israel beschrieben habe...<\/pre>\n\n\n\n<p>&#8222;Push-Ups!&#8220; Also runter, auf den blauen Weichboden, Rumpf gestreckt, Arme angewinkelt: &#8222;Achat, schatjim, schalosch\u2026&#8220; Eins, zwei, drei Liegest\u00fctze \u2026 mittendrin ein Schatten von links, der zum Tritt ausholt: Deckung hoch, gerade rechtzeitig noch, ein Schlag knallt gegen den Arm. Jetzt aufspringen, Deckung weiter hoch, mit der Rechten eine Gerade zum Hals des Gegners, gleichzeitig ein Tritt zwischen seine Beine: Vorw\u00e4rtsdruck entwickeln! Noch ein Kick vor die Brust. Eine Kombination von Gerade und Haken &#8211; abgestoppt &#8211; zum Kopf. Kniesto\u00df mit aller Kraft gegen das rote Schutzpolster vorm Unterleib des Angreifers: Lars, ein kr\u00e4ftiger, untersetzter Schwede, knallt mit dem R\u00fccken gegen die Wand. &#8222;Good!&#8220; schreit der israelische Nahkampf-Instruktor, und: &#8222;Again!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schwei\u00df rinnt die Stirn herab, die Lunge saugt Luft. Die Kontrahenten trennen sich, das Ganze von vorne. Lars im schwarzen Krav Maga-T-Shirt f\u00e4ngt an Liegest\u00fctze zu pumpen, sein Partner ist angewiesen, ihn w\u00e4hrenddessen unvermittelt zu attackieren. Von vorne, von der Seite, von hinten. Mit Schl\u00e4gen oder Tritten. &#8222;Think Krav Maga!&#8220; hat Gabi, der Instruktor, immer wieder gesagt, und das soll hei\u00dfen: Sei immer bereit, in jeder Moment, in jeder Situation. Erwarte das Unerwartete. Tue das Unerwartete. Z\u00f6gere nicht, sei aggressiv, wenn Du angegriffen wirst. Verlasse dich auf niemanden. K\u00e4mpfe bis zum Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gilt ebenso: Tue das Naheliegende, nicht unbedingt das &#8222;Heldische&#8220;. Als Nezmi, ein junger Mann aus Istanbul, mit einem (\u00dcbungs-) Messer attackiert wird, gelingt es ihm, dem Angreifer die Waffe aus der Hand zu schlagen. Das Messer f\u00e4llt auf den Boden. Der Angreifer b\u00fcckt sich danach &#8211; und der danebenstehende Daniel kickt es intuitiv au\u00dfer Reichweite. &#8222;Good!&#8220;, sagt Gabi, dessen Kenntnisse des Englischen sich auf wenige Worte beschr\u00e4nken. &#8222;Think Krav Maga&#8220;: H\u00e4tte Daniel sich wie Rambo auf den Angreifer gest\u00fcrzt, um Nezmi zu helfen, w\u00e4re er vermutlich mit dem Angreifer in ein Gerangel geraten. Folge: Er h\u00e4tte die Umgebung nicht mehr beobachten k\u00f6nnen &#8211; und sich selbst gef\u00e4hrdet. Und damit auch Nezmi.<\/p>\n\n\n\n<p>In der israelischen Selbstverteidigungsmethode Krav Maga wird das \u00dcben in realistischen Szenarien sehr ernst genommen. Sich der Allt\u00e4glichkeit im Training zu n\u00e4hern, so weit wie es geht, hei\u00dft f\u00fcr die europ\u00e4ischen Teilnehmer eines Trainingsseminars Anfang Januar in Israel: \u00dcben nicht in einer Vereins-Sporthalle mit Turnvater-Jahn-Muff, im gelackten Fitnessstudio oder im edlen Zen-Ambiente eines traditionell japanisch gestylten Dojos, sondern im echten Leben. In heruntergekommenen Hinterhofclubs, auf abgenutzten Dielenb\u00f6den, an aufgeplatzten und notd\u00fcrftig geflickten Sands\u00e4cken. Auf der Stra\u00dfe, in Parks, am Strand. Stockabwehr verschwitzt bei Sonnenschein, Pistolenabwehr durchn\u00e4\u00dft im Regen. Nicht in wei\u00dfen Anz\u00fcgen mit G\u00fcrteln, sondern in Jogginghosen und Shirts, besser noch in Alltagsklamotten. Krav Maga, zu deutsch &#8222;Kontaktkampf&#8220;, ist kein Sport, kennt keinen Wettkampf, vermittelt keine Kultur und will weder K\u00f6rperkunst noch Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Krav Maga &#8211; Verkehrssprache f\u00fcr die des Hebr\u00e4ischen Unkundigen ist Englisch &#8211; lautet die Losung:&nbsp;<em>no nonsense-stuff<\/em>. Das gilt besonders f\u00fcr die eingesetzten Techniken. Keine akrobatischen Spr\u00fcnge und Drehungen, keine eleganten Bewegungen, die manch asiatische Kampfsportart so spektakul\u00e4r machen. Tritte und Schl\u00e4ge stehen im Vordergrund. Einfach, unkompliziert, f\u00fcr jeden schnell zu erlernen: Diese Selbstverteidigung ist f\u00fcr und in der israelischen Armee entwickelt worden mit dem Ziel, sowohl unerfahrenen Rekruten in kurzer Zeit ein akzeptables Niveau im Nahkampf zu verschaffen als auch Special Forces-Soldaten zu schulen. Und wurde daher auch in der Ausbildung von Leibw\u00e4chtern in aller Welt beliebt: Im Gegensatz zu den bekannteren Methoden des waffenlosen Kampfes ist Krav Maga durch die bittere Realit\u00e4t der israelischen Kriege und Konflikte gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir zu uns zu einem Training mit einer Fallschirmj\u00e4ger-Sondereinheit am Strand des Badeortes Netanya treffen, sind wir \u00fcberrascht, wie schmal und klein die meisten der rund zwei Dutzend Elite-Soldaten in blauen Sport-Shorts und wei\u00dfen T-Shirts sind. Das l\u00e4ge an ihrer speziellen Aufgabenstellung, wird uns angedeutet. K\u00e4mpfen mit ihnen &#8211; ja, aber keine Fotos von den sehr jungen Rekruten, lautet die Anweisung der drei Unteroffiziere in olivgr\u00fcnem Drillich mit l\u00e4ssig auf dem R\u00fccken h\u00e4ngenden M-16-Schnellfeuergewehren. Dann: Zwei der&nbsp;<em>Paratroopers<\/em>&nbsp;zusammen mit einem ausl\u00e4ndischen KM-Studenten in eine Gruppe. Zwei gegen einen, die beiden Angreifer mit Messern bewaffnet. Jetzt gilt&#8217;s: Immer in Bewegung bleiben, kein Ziel bieten, sich nicht zu lange mit einem aufhalten. Der zweite wartet ja nicht geduldig &#8211; wie in Hollywood-Filmen -, bis man mit dem ersten fertig ist. Und er greift auch nicht kontrolliert und berechenbar an wie in den teilweise hochgradig stilisierten Methoden asiatischer Herkunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hat der Instruktor gesagt? Am besten so laufen, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen. Also auf die linke Au\u00dfenseite der beiden nebeneinander Stehenden. Schnell an den vorderen heran, Messerblockade, gleichzeitiger Sto\u00df zum Kehlkopf, Kick zum Unterleib, weiter. Schnittverletzungen ignorieren. Nicht am ersten h\u00e4ngen bleiben, sondern erst Distanz gewinnen. Dann ran an den anderen. Schnelle Attacke, weiter &#8211; Angreifer Nummer 1 ist wieder da. Sand spritzt beim Treten hoch, Keuchen, die Beine werden schwer, immer wieder: Schnell ran, schnelle Attacke, schnell weg. An und f\u00fcr sich gilt: Hit and run. Jetzt nat\u00fcrlich: n\u00e4chster Angriff.<\/p>\n\n\n\n<p>Als eine Rotte Apache-Kampfhubschrauber niedrig in Richtung Norden den Strand entlang fliegt, summt einer der Europ\u00e4er Wagners &#8222;Walk\u00fcrenritt&#8220;. Ein Hauch von &#8222;Apocalypse Now&#8220; liegt in der Luft. Abmarsch. Trainingsausr\u00fcstung &#8211; Messer, Schienbeinschoner, Tiefschutz, Boxhandschuhe &#8211; packen, im Laufschritt los &#8211; das gilt f\u00fcr die israelischen Soldaten wie die Zivilisten aus Europa. F\u00fcr die einen in Richtung Hotel, f\u00fcr die anderen in Richtung Kaserne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die enge Verbindung des Krav Maga mit den Israel Defense Forces existiert seit der Zeit des Unabh\u00e4ngigkeitskrieges. 1910 wird Imi Lichtenfeld in Budapest geboren und w\u00e4chst in Bratislava auf. Sein Vater ist Zirkusakrobat und Ringer; auch der junge Imi widmet sich erfolgreich dem Boxen, Ringen und Gewichtheben. Doch die antisemitischen \u00dcbergriffe in seiner Heimatstadt beenden seine sportliche Karriere und er baut eine Truppe zum Schutz des j\u00fcdischen Viertels auf. Unz\u00e4hlige Schl\u00e4gereien bringen ihm reichhaltige Erfahrung &#8211; und die Erkenntnis, dass sportliche Kampf-Methoden ungeeignet f\u00fcr Stra\u00dfenk\u00e4mpfe sind.<\/p>\n\n\n\n<p>1940 fl\u00fcchtet Lichtenfeld auf einem der letzten Schiffe, die dem Nazi-Zugriff entkommen, in Richtung Pal\u00e4stina. Dort kommt er erst zwei Jahre sp\u00e4ter an &#8211; er k\u00e4mpft zwischenzeitlich f\u00fcr die britische Armee im Nahen Osten. Ab 1944 beginnt Lichtenfeld, der seinen Namen in Sde-Or hebr\u00e4isiert, die j\u00fcdischen Untergrundtruppen der Haganah und Palmach im Nahkampf zu trainieren. 1948 wird er Chefinstruktor der israelischen Armee und bleibt dies 20 Jahre lang. Danach widmet er sich der Anpassung des Krav Maga an zivile Erfordernisse unter dem Motto &#8222;so you may walk in peace&#8220; &#8211; ein Schriftzug, der die offiziellen schwarzen Instruktoren-Shirts ziert. Doch dass man in Frieden gelassen wird, daran glaubt Lichtenfeld nicht wirklich, und stellt seinem Buch \u00fcber Krav Maga einen alten lateinischen Spruch voran:&nbsp;<em>Si vis pacem para bellum<\/em>&nbsp;&#8211; wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren starb Lichtenfeld. Zum Gedenktag fuhr die Trainingsgruppe nach Wingate nahe Tel Aviv &#8211; dort trainieren die israelischen Hochleistungssportler, auch das Milit\u00e4r. Drei Stunden Leichtkontaktk\u00e4mpfe, Waffenabwehr, Zwei-gegen-Einen; zusammen mit KM-Instruktoren aus ganz Israel. Duschen, dann r\u00fcber in einen Milit\u00e4r-Schulungssaal. Zeitzeugen erz\u00e4hlen von Imi, dem &#8222;warrior and gentleman&#8220;, wie sie ihn \u00fcbereinstimmend charakterisieren. Sp\u00e4ter Vorf\u00fchrungen: Rekruten mit Basistechniken, danach eine Festnahme-Demonstration durch Soldaten der Spezialeinheit&nbsp;<em>Duvdevan<\/em>&nbsp;&#8211; die gew\u00f6hnlich verdeckt im Gaza-Streifen und in der Westbank operieren. Wo sie allerdings nicht nur f\u00fcr Verhaftungen verantwortlich sind, sondern auch f\u00fcr Liquidierungen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Durch euch wird Imis Traum wahr,&#8220; sagt ein Zeitgenosse Imis und heutiger Universit\u00e4tsprofessor den ausl\u00e4ndischen KM-Sch\u00fclern und -Instruktoren &#8211; Krav Maga sollte sich ins zivile Leben und in die ganze Welt verbreiten. Und tats\u00e4chlich nehmen an dem anderthalbw\u00f6chigen Trainingsseminar in Israel sechs Schweden, zwei Finnen, zwei Engl\u00e4nder, ein Amerikaner, ein T\u00fcrke und ein Deutscher teil. Darunter nur eine Frau, die rothaarige und sommersprossige Jenny aus Stockholm, klein, kr\u00e4ftig: Sie liebt Fallschirmspringen und schnelle Autos, teilt ihre Wohnung mit ein paar Schlangen und hat ihre drei Monate beim schwedischen Milit\u00e4r genossen. F\u00fcr den fr\u00fcheren Hooligan und heutigen Sozialarbeiter Johan haben neun Monate bei den schwedischen&nbsp;<em>Special Forces<\/em>&nbsp;eine Kehrtwendung im Leben bedeutet: &#8222;Die Armee hat mir die F\u00fchrung gegeben, die mir vorher gefehlt hat.&#8220; Im Alltag lebt er nun mit drogenabh\u00e4ngigen Jugendlichen in einer Wohngemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein 40-j\u00e4hriger Bodyguard einer Hamburger Industriellen-Familie, der fr\u00fcher bei einer US-Beh\u00f6rde gearbeitet hat, ist mit von der Partie. Nezmi, der junge Istanbuler, hat in San Diego studiert und gelegentlich mit den in der N\u00e4he stationierten US-Spezialeinheiten der&nbsp;<em>Navy Seals<\/em>trainiert. Der Finne Jari arbeitet &#8222;beim Milit\u00e4r&#8220;, wie er selber sagt, sein bulliger Landsmann Jussi bei der Feuerwehr. Andere sind im Zivilberuf Programmierer in G\u00f6teborg, liefern Zeitungen aus, leiten ein Fitnessstudio in London, und der vierschr\u00f6tige, korpulente Kenneth aus Schweden besitzt einen Fischhandel. Kurze bis sehr kurze Haare \u00fcberwiegen. Die meisten lockt die Kombination aus intensivem Training und Ausfl\u00fcgen nach Tel Aviv, Jerusalem &#8211; mit einem Besuch des Holocaust-Mahnmals Yad Vashem -, dem Toten Meer und der r\u00f6mischen Bergfestung Masada. Sechs Teilnehmer streben zum Ende des Seminars die n\u00e4chsth\u00f6here Graduierung an, und einer will sich auf seine bevorstehende Instruktoren-Ausbildung vorbereiten. Alle wollen die speziellen israelischen Trainingsm\u00f6glichkeiten im Umgang mit Schusswaffen nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten sind aufgrund ihrer Milit\u00e4rzeit &#8211; im Gegensatz zum Kriegsdienstverweigerer aus Deutschland &#8211; erfahren im Umgang mit Schusswaffen. Doch in Europa ist das weitere \u00dcben aufgrund der restriktiven Waffengesetze kaum m\u00f6glich. Im Krav Maga nimmt die Abwehr von bewaffneten Angriffen gro\u00dfen Raum ein. Und um eine Waffe abwehren zu k\u00f6nnen, muss man ihre Wesensart und den Ernst der Bedrohung aufgrund eigener Erfahrung kennen: Schwer liegt die Pistole in der Hand, fest muss der Griff sein &#8211; und enorm ist der Anspruch an die Konzentration: Einmal gespannt, ist der Gegenstand ein t\u00f6dliches Ger\u00e4t, das keine nerv\u00f6sen Fehlhandlungen verzeiht. Blo\u00df nicht mit der Waffe in der Hand zum Nebenmann herumschwenken! Finger kr\u00fcmmen, eruptive Entladung und R\u00fccksto\u00df sind eins\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der ersten Session in einem Schie\u00dfkeller in Netanya verballern wir, was der Ausbilder uns an 9mm-Munition in die Hand dr\u00fcckt. Israelisches Schie\u00dfen: Das hei\u00dft, die Pistole so schnell wie m\u00f6glich hoch zur Brust ziehen, mit der anderen Hand den Schlitten fassen, den Waffenarm nach vorne sto\u00dfen und die Pistole w\u00e4hrenddessen durchladen und sofort ohne genaues Zielen mehrere Sch\u00fcsse schnell hintereinander in Richtung K\u00f6rpermitte des Angreifers abfeuern. Bei ausgestreckten Armen die Waffe immer mit den Augen mitwandern lassen, so als w\u00fcrde man mit dem Zeigefinger auf ein Ziel deuten &#8211; keine Verz\u00f6gerung, falls ein neues Zielobjekt ins Blickfeld ger\u00e4t. Sp\u00e4ter folgen noch systematische Unterweisung und Drill auf einer Shooting-Range im Freien in Caesarea. Da sind die H\u00e4nde schon nicht mehr so feucht wie beim ersten Mal, auch nicht, als wir von der <em>Glock<\/em>-Pistole zur&nbsp;<em>Uzi<\/em>-Maschinenpistole wechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Anderthalb Trainingswochen in Netanya, halb Training, halb Touring, im n\u00fcchternen Trainings-Gym wie an historischen St\u00e4tten: &#8222;Jedem, dem wir erz\u00e4hlen, dass wir einen Haufen Geld ausgeben, um in Israel zu lernen, wie man ein schr\u00e4g von hinten aufgesetztes Schnellfeuergewehr abwehrt, muss uns doch f\u00fcr v\u00f6llig bekloppt halten&#8220;, meint Jussi, der Finne. In ihre \u00fcberwiegend beschaulichen Heimatl\u00e4nder nehmen die Teilnehmer jedoch einen markanten Eindruck der wesentlich gef\u00e4hrlicheren israelischen Alltagsrealit\u00e4t mit: Als Anfang Januar sich am alten Busbahnhof in Tel Aviv zwei Selbstmordattent\u00e4ter in die Luft jagen und 23 Menschen mit in den Tod rei\u00dfen, sind zwei der Skandinavier nicht allzu weit entfernt. Und eine halbe Stunde zuvor an der Stelle des Anschlags vorbeigekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Oliver Bechmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erschienen unter dem Titel&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.fr-aktuell.de\/uebersicht\/alle_dossiers\/politik_ausland\/kampf_ums_heilige_land\/reportagen\/?cnt=143515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Sei immer bereit&#8220;<\/a>&nbsp;in der&nbsp;<em>Frankfurter Rundschau<\/em>&nbsp;am 24.2.2003.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die israelische Selbstverteidigung Krav Maga wurde f\u00fcrs Milit\u00e4r entwickelt &#8211; und bleibt auch in ihrer zivilen Variante eng mit der Armee verkn\u00fcpft Zu Beginn des Jahres 2022 sei an dieser Stelle eine Reportage aus der &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220; vom Februar 2003 wiedergegeben, in dem ich meine ersten Erfahrungen beim Krav Maga-Training in Israel beschrieben habe&#8230; &#8222;Push-Ups!&#8220; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":true,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":false,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":true},"categories":[783],"tags":[856,147,857],"class_list":["post-7011","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krav-maga","tag-caesara","tag-masada","tag-netanya"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4DyUk-1P5","jetpack-related-posts":[{"id":1245,"url":"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/kmf-geschichte-2002-bis-2020-in-bildern\/","url_meta":{"origin":7011,"position":0},"title":"Staub und &#8222;Spirit of Masada&#8220;","author":"Oliver","date":"23. 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