{"id":3631,"date":"2018-11-12T17:39:00","date_gmt":"2018-11-12T16:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/?p=3631"},"modified":"2018-12-06T19:10:11","modified_gmt":"2018-12-06T18:10:11","slug":"plastik-recycling-zucker-hack-die-pistenkuh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/plastik-recycling-zucker-hack-die-pistenkuh\/","title":{"rendered":"Plastik-Recycling, Zucker-Hack &amp; die Pistenkuh"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/IMG_4327-2.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: inline; background-image: none;\" title=\"IMG_4327 (2)\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/IMG_4327-2_thumb.jpg?resize=625%2C469&#038;ssl=1\" alt=\"See und Sand\" width=\"625\" height=\"469\" border=\"0\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">See und Sand<\/p><\/div>\n<p>Der W\u00fcsten-Ort Tah ist in Sichtweite, doch bevor wir auf unserer nunmehr recht klaren Piste die in Nord-S\u00fcd-Richtung verlaufende Teerstra\u00dfe erreichen, kreuzt noch eine Kamelherde unseren Weg. Die Tiere sind allein unterwegs.<\/p>\n<p>In Tah selbst kaufen wir Trinkwasser in \u2013 leider (geht nicht anders ) \u2013 Plastikflaschen. Unser \u00e4ltliches Fahrzeug verf\u00fcgt nicht \u00fcber eine dieser modernen Wasserdesinfektionsanlagen, und auch wenn wir noch nie Hygiene-Probleme hatten, so sollte man doch vorsichtig mit dem angeblichen Trinkwasser sein, das einem an Camping- oder Stellpl\u00e4tzen angeboten wird. Wir kochen also das Wasser aus dem gro\u00dfen Tank ab \u2013 meistens in Form von Kaffee oder Tee \u2013 oder greifen zu Trinkwasser in PET-Flaschen.<\/p>\n<h3>Plastikflaschen-Recycling sinnvoller Art<\/h3>\n<p>Angesichts der aktuellen Diskussion um Mikroplastik in den Weltmeeren ein Sakrileg \u2013 und dennoch wiederum nicht, den in Marokkos \u00e4rmlichen Gegenden sind diese Plastikflaschen durchaus begehrt im Sinne eines sinnvollen Recyclings: Die Leute brauchen sie als Beh\u00e4lter f\u00fcr \u00d6le jeder Art (ob f\u00fcr Mensch oder Maschine), Sprit (ob Diesel oder Benzin), f\u00fcr Oliven, f\u00fcr-was-auch-immer oder basteln Einf\u00fcllstutzen und anderes daraus.<!--more--><\/p>\n<p>L\u00e4sst man die PET-Wasserflaschen im Ort zur\u00fcck, so finden sie ihre Abnehmer und Nutznie\u00dfer: Vermutlich ist es f\u00fcr die Einwohner schwerreicher Industrienationen schwer nachzuvollziehen, wie einfach und reduziert die Bewohner anderer L\u00e4nder leben \u2013 und aus welchen M\u00fcll-St\u00fccken diese noch einen Nutz-Wert ziehen.<\/p>\n<h3>Zucker-Zerkleinerung\u00a0 mit der Axt<\/h3>\n<p>F\u00fcr uns wiederum schwer nachzuvollziehen, ist die Form, in der man Zucker unterwegs in Marokko erwerben kann: In Form einer Zuckerhutes von etwa 30 Zentimetern H\u00f6he und mehr als zehn Zentimetern Durchmesser, der so bretthart ist, dass man ihn mit Axt, Hammer und Rohrzange zerkleinern muss. Aber selbst wenn man einen daumengro\u00dfen Brocken davon in die Kaffeetasse wirft, so ist die Wirkung doch schw\u00e4chlich\u2026<\/p>\n<p>Da wir in <a href=\"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/ladies-in-legzira\/\">Tarfaya<\/a> wieder vorbeikommen, erg\u00e4nzen wir dort unsere Obst- und Gem\u00fcsevorr\u00e4te und sind uns bei einem Stand nicht sicher, ob wir etwas falsch verstanden haben oder ob der H\u00e4ndler uns nicht massiv \u00fcbers Ohr hauen wollte: Erst war von 1420 Dirham (140 \u20ac) die Rede \u2013 und nachdem wir protestierend reagiert haben, von 70 Dirham (7)\u2026 Wir sind immer bereit, einen Touristen-Zuschlag gegen\u00fcber den Preisen f\u00fcr die Einheimischen zu zahlen. Aber sich komplett f\u00fcr dumm verkaufen zu lassen, geht nat\u00fcrlich auch nicht. Letztlich k\u00f6nnen wir nicht kl\u00e4ren, ob ein Miss-Verstehen vorlag oder der H\u00e4ndler es einfach versucht hat\u2026<\/p>\n<div style=\"width: 1038px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/IMG_4341-2.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: inline; background-image: none;\" title=\"IMG_4341 (2)\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bechmann.org\/amphibium\/wp-content\/uploads\/IMG_4341-2_thumb.jpg?resize=625%2C468&#038;ssl=1\" alt=\"Lagune Lac Naila\" width=\"625\" height=\"468\" border=\"0\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Lagune Lac Naila<\/p><\/div>\n<p>Weil die Lagune so sch\u00f6n war, an der wir die Flamingos besucht hatten, steuern wir abermals f\u00fcr eine \u00dcberbr\u00fcckungs-Nacht den <a href=\"https:\/\/www.bechmann.org\/amphibium\/der-weg-in-die-westsahara\/\">Lac Naila bei Akhfenir<\/a> an und sto\u00dfen nach einem acht Kilometer langen Strandspaziergang dort auf ein P\u00e4rchen aus Berlin, die mit Mietwagen und Zelt unterwegs sind: er geb\u00fcrtiger Marokkaner, sie geb\u00fcrtige Ukrainerin\u2026<\/p>\n<p>Und was er erz\u00e4hlt, passt zur Geschichte zuvor: Der Student kritisiert die Marrakshis (und andere Marokkaner), die die Touristen zu krass \u00fcbers Ohr hauen w\u00fcrden\u2026 und au\u00dferdem, dass der Lac Naila ein tolles Projekt f\u00fcr (Biologie-)Studenten sein k\u00f6nne, aber die Regierung nichts daf\u00fcr tue. Tats\u00e4chlich sind die Flamingos, Reiher, L\u00f6ffler und andere (See-)V\u00f6gel einen Besuch wert, ebenso die Lagune selbst und die salzwasserresistenten Pflanzen, die sich bei Ebbe aus der Lagune erheben bzw. bei Flut in der Lagune versinken \u2013 bestimmt ein spannendes Biotop.<\/p>\n<h3>Was auf die Ohren<\/h3>\n<p>Ein (selbst ernannter?) Naturschutzwart vor Ort klagt aber ebenso dar\u00fcber, dass es keine offiziellen Bestrebungen gebe, dass er daher f\u00fcr eine kleine lokale Gruppe und auf eigene Rechnung arbeite \u2013 und dass die Eltern der Umgebung kaum ihre Kinder zu ihm schickten, weil sie dann daf\u00fcr bezahlen m\u00fcssten. Er spricht gut deutsch, da er eine Zeitlang in Deutschland gelebt hat, und klagt \u00fcber das mangelnde Umweltbewusstsein seiner Landsleute.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erbittet einen Lappen f\u00fcr seinen vom stetigen Seewind entz\u00fcndeten Ohren und bekommt auch einen, den er sich sofort um den Kopf und unter die Basecap bindet &#8211; ohnehin ist er mit einer alten spanischen Milit\u00e4runiform, einem P\u00e4lastinenser-Tuch und einer Daunenweste verquer angezogen. Aber, wie zuvor erw\u00e4hnt: Die Leute nehmen, was sie \u00fcberhaupt bekommen k\u00f6nnen; Stilfragen kann man sich im reichen Westen, aber hierzulande auf dem Lande keiner leisten.<\/p>\n<h3>Treffen mit der \u201cPistenkuh\u201d<\/h3>\n<p>Nach einer weiteren \u00dcbernachtung am Cap Draa, wo wir lustig mit zwei netten Soldaten in englisch, franz\u00f6sisch und arabisch parlieren, nehmen wir Kontakt zur \u201ePistenkuh\u201c auf und treffen uns tags darauf mit Sabine und Burkard Koch zum Kaffee in El Ouatia. Die beiden reisen ihr gemeinsames Leben lang durch die Welt und leben seit Jahrzehnten in ihrem Steyr-Offroad-Lkw, wegen seiner auff\u00e4lligen Bemalung die \u201elila Pistenkuh\u201c genannt. (<a href=\"http:\/\/www.pistenkuh.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr zur Pistenkuh nach Klick hier\u2026)<\/a><\/p>\n<p>Unter den vielen Fernreisenden z\u00e4hlen sie zu den bekanntesten Figuren; auch liefern sie sehr akribisch recherchierte B\u00fccher und DVD\u2019s zu vielen Reisel\u00e4ndern der Welt \u2013 in unserer Bordbibliothek steht das Pistenkuh-Marokkobuch. Nach einem vergn\u00fcgten Mittag mit spannendem Gespr\u00e4ch &amp; Gedankenaustausch \u00fcber Reisen &amp; Reisefahrzeuge, unser Projekt \u201eKrav Maga- &amp; Wildnis-Training f\u00fcr Reisende\u201c und &#8211; umh\u00e4ngt von toten Tierteilen der Schl\u00e4chtereien &#8211; \u00fcber Ern\u00e4hrung unterwegs, tuckert der Steyr dann gen Mauretanien ab und der Unimog in Richtung Oued Draa, wo wir tats\u00e4chlich eine W\u00fcsten-Tour der Pistenkuh nachfahren wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der W\u00fcsten-Ort Tah ist in Sichtweite, doch bevor wir auf unserer nunmehr recht klaren Piste die in Nord-S\u00fcd-Richtung verlaufende Teerstra\u00dfe erreichen, kreuzt noch eine Kamelherde unseren Weg. Die Tiere sind allein unterwegs. In Tah selbst kaufen wir Trinkwasser in \u2013 leider (geht nicht anders ) \u2013 Plastikflaschen. 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