Im Zuge des so genannten Bürgerjournalismus entstand unter den Fittichen der allein im World Wide Web erscheinenden Netzeitung die “Readers Edition” - griffig unter dem Slogan “20 Millionen Redakteure gesucht” promotet. Leser sollten Artikel - selbstverständlich umsonst - verfassen (”Schreiben Sie! Sie werden gelesen”), überwacht von - ebenso ehrenamtlichen - Moderatoren. Die “Readers Edition” begriff sich dabei als Trendsetter in Deutschland (”Jeder kann zum Journalisten werden”).
Das tut sie wohl noch heute. Allerdings findet die “Readers Edition” (kurz RE genannt) in der Blogosphäre derzeit eher Resonanz für einen als negativ erachteten Trend: das AAL-Prinzip, das geschäftstüchtige Web 2.0-Entrepreneure gerne mit dem Mäntelchen “Social Web” verkleiden. AAL ist eine Abkürzung für “Andere für sich arbeiten lassen” und verweist auf die matte Kehrseite der Medaille vernetzungsträchtiger Web-Plattformen: Anbieter von Social-Software-Plattformen faseln nämlich gerne von den brückenbildenden Netzwerken, wo es vor allem um die Ausbeutung von Content-Lieferanten zum Nullhonorar geht.
Speziell die jüngst geschaßten Moderatoren brachten die Vorgänge hinter den Kulissen der “Readers Edition” und das Verhalten der RE-Leitung über ihre privaten Blogs an die Öffentlichkeit: “Verwunderlich ist neben dem Tonfall gegenüber den Ehrenamtlichen (’Wir konnten nicht feststellen, dass Du mit diesen Aufgaben so gut zurecht kommst, wie es nötig wäre’ und ‘Zumindest warst Du mit den wenigen Aktivitäten in den letzten Wochen nur mäßig hilfreich’.) auch das Vorgehen an sich. Begründet wurde der Rausschmiss mit der mangelnden Aktivität. Dieser Status hatte bislang im Moderatorenteam nie eine Rolle gespielt, jeder hatte irgendwann seine Aufgabe gefunden und sein möglichstes an Zeit und Energie in das Projekt investiert”, schreibt einer der ursprünglichen RE-Protagonisten, Peter Schink.
Und der mittlerweile ausgeschiedene RE-Mod Florian Siebeck assistiert: “Ein solches Maß an Ignoranz, Überheblichkeit und Perhorreszenz seitens der neuen “Redaktionsleitung” waren der Höhepunkt eines Weges, der aus verschiedenen, in letzter Zeit aufgekommenen Faktoren leider unweigerlich auf dieses Ende hinauslaufen musste. (…)Ich werde die Readers Edition vermissen, nicht aber das Ungetüm, was sich in letzter Zeit diesen Namen gab und wie ein maligner Tumor die Idee des Citizen Journalism befiel.”
In der “Readers Edition” (seit 1. Januar “ein Blogform-Projekt”) selbst nahm RE-Berater Hugo E. Martin Stellung (Aufwärmrunde bei der Readers Edition)…
“Der gesamte Prozess der Erneuerung der Readers Edition, die Information, Diskussion und die Kommunikation mit den Beteiligten – insbesondere mit den ehrenamtlichen Mitstreitern der ersten Stunde und Moderatoren, ist grottenschlecht geplant und umgesetzt worden. Ich habe meinen Teil als Hinzukömmling dazu beigetragen und sehe mich in Verantwortung.
…und muss sich darauf hin teilweise erst recht wütender Kommentare erwehren.
Prinz Rupis Blog erläuterte dazu weiter: “Der Eigentümer der »Readers Edition« hat ohne Vorankündigung alle alt gedienten Moderatoren gefeuert. Damit erreicht das Tauziehen hinter den Kulissen um die Veränderungen bei dem im Sommer 2006 mit großem Enthusiasmus begonnen Projekt einen neuen Tiefpunkt.
Die Nachricht von der Absetzung der Moderatoren kam von zwei Angestellten der die Namensrechte an der »RE« haltenden Social Media/Blog Form. Weder der durch ständige Abwesenheit glänzende neue Eigner, Dr. Maier, noch sein Kompagnon Hugo Martin hielten es für nötig, sich bei den Moderatoren, die das Projekt gratis und mit enormer Hingabe aufgebaut hatten, auch nur zu melden. Damit gibt es lediglich zwei Moderatoren, die das Projekt aktiv betreuen.”
Die Vorgänge führten bei FIXMBR zu dem Schluss: “Tja, es haben sich doch ein paar Content-Sklaven gefunden, die geschrieben haben, und irgendwie war das ganze Trauerspiel dann doch nicht so erfolgreich - so beeilte sich die Netzeitung die Readers Edition loszuwerden und verkaufte sie an den ehemaligen Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Maier. (…)
So langsam wird das ganze Projekt anrüchig, so zumindest mein Eindruck. Und die Qualität - wie immer schlecht, langweilig, belanglos. Nicht ein interessantes, besonderes Thema ist dort aktuell zu finden. Auf jeden privaten Weblog ist mehr zu finden - R.I.P. Readers Edition.”
Und wenn sie auch nur zwei, drei Leuten Platz bietet - was soll’s. Der Anspruch alleine reicht doch schon, um auf einige Podien und Panels zu kommen. Billiger ging’s nie - früher brauchte man schon eine eigene Redaktion, eine eigene Zeitung dafür. Selbstdarstellung 2.0.”
Als Fazit mag daher Frank Hamms Einschätzung gelten: “Aufgrund der aktuellen Geschehnisse gehe ich nun davon aus, dass das Readers Edition Projekt in der bisherigen Form beendet ist. Noch ist mir die neue Form - außer der beschriebenen Zuständigkeiten - nicht klar. Transparenz und offene Kommunikation sind heutzutage inzwischen für Unternehmen und Projekte eine Pflicht, gerade ein Bürgerjournalismus-Projekt sollte nach meiner Meinung locker eine Kür daraus machen.”



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