Um Video geht’s doch gar nicht

Oliver

Zuletzt hat Cliff Etzel mit seinem Beitrag Video Cameras – a personal perspektive Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Darin begründet er seine Distanz zu den Hybrid-Spiegelreflexkameras wie der Canon 5D MkII u.a. so:

I’m calling it as I see it. DSLR video is a fad – at least in solo video journalism it is. Plain and simple. There are many who have become enamoured with the so called uber cool extreme shallow depth of field flavor of the moment, equating it to creative license and thus making it their top priority, and in the process, losing sight of the first rule of solo video journalism: It’s the story, not the gear.

Well, exactly. Eine ähnlich gelagerte Kritik (It’s the story) hat u.a. Colvin Mulvany (Video at newspaper needs to improve) geäußert. Freilich:

Es gibt in der Tat einige Beispiele, bei denen Hybrid-DSLR-Besitzer – mehr vom Fotografischen denn vom Filmen kommend – sich am Video versuchen und mehr oder weniger kläglich scheitern. Was ich einerseits nicht so schlimm finde, denn: Die Leute lernen.

Vielleicht sollte man auch durchaus den Mut bewundern, öffentlich zu lernen und seine Lern- und Experimentierphasen für jedermann zu dokumentieren. Frei nach Transparenz-Guru Jeff Jarvis: Es helfen einem kritische Kommentare sich weiterzuentwickeln. Mit Finding the Frame gibt es mittlerweile von Mulvany ja sogar eine eigene Site, die sich dem Zur-Schau-&-Kritik-stellen widmet.

Etzel macht sich auch über die umfangreiche Zusatzaustattung lustig, die eine Hybrid-DSLR erst dazu bringen, mit einer professionellen Videokamera in mancherlei Hinsicht mithalten zu können (Während die Hybrid-DSLR-Adepten von der überlegenen Tiefenschärfe, den überlegenen Lowlight-Fähigkeiten und der Möglichkeit, all die hochwertigen Foto-Optiken nutzen zu können, schwärmen). Auch das ist natürlich richtig, wenn auch nur ein Beitrag in der Für-und-Wider-Debatte der jeweiligen Fraktion.

Im Beitrag Robert Rodriguez’ Riesen-7D habe ich mich dagegen gewandt, die Flexibilität und Mobilität einer Hybrid-DSLR mit all dem Gestänge und Geschraube zu konterkarieren. Der letzte Absatz in Lesson to learn beschreibt kurz, wie etwa die BBC eine kompakte 5D MkII bei einem “Undercover”-Einsatz benutzt hat. Das wäre mit Robert Rodriguez’ Riesen-7D wohl kaum möglich.

Bewusst oder unbewusst aber läßt Etzel die Einschätzung außer acht, dass es bei einer Hybrid-DSLR eben um das Hybride gehen sollte. Also Foto und Video mit einer Kamera schießen zu können. Für mich würde ich den Anspruch reklamieren, Videosequenzen mit einer gewissen Solidität anfertigen und einsetzen zu können, aber keineswegs ein Hollywood-Filmer mit Hybrid-DSLR werden zu wollen (und diesen Eindruck rufen Hybrid-Protagonisten wie Vincent Laforet, Shane Hurlbut oder Philip Bloom gewiss hervor. Und den Hype darum halten sie gewiss nicht ganz uneigennützig am Leben. Da dürften auch die Sponsorengelder von Canon eine Rolle spielen).

In seinem Beitrag geht es Etzel ja um die Story, das Geschichtenerzählen. Das würde ich auch nicht im puren Video umsetzen wollen. Meine derzeitige “Videolastigkeit” hat gewiss damit zu tun, sich das Medium aneignen zu wollen. Aber alles in allem steht dahinter das Ziel, Video-Audioslide-Text-Kombinationen produzieren zu wollen – also eben Multimedia. Als One-Man-Band (siehe: Lessons to learn).

Diesem Multimedia-Ansatz diente das Workshop mit dem Bombay Flying Club, und auch die anderen großen Jungs vom Duckrabbit haben ein bemerkenswertes Plädoyer fürs Foto geschrieben. In In praise for the audio slideshow zitieren sie selbst wiederum:

…with moving video, the viewers eye is centred – broadly, locked to the framing of the video camera. With still images, the eye roams. It stops and moves and stops and moves. Frozen gestures and expressions kick off a cognitive process – thinking – that moving images simply never do.

Something similar is true of good audio. The best audio blends reportage (‘being me, being here’) with the kind of aural cues that make audiences think and wander off down their own pathways while still engaging with the sound.

Und, ja, letztlich reflektiert Etzel auch auf diese Vorstellung mit einem kleinen Satz, wenn er von Hybrid-Filmern spricht: at least in solo video journalism. Um Video alleine geht’s eben gar nicht.


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