Viewfinder statt (Schulter-)Stativ
Seit kurzem gehört ein LCDVF-Viewfinder zu meinem Equipment, und ich bin überrascht: Mit der Displaylupe an der Kamera und am Auge läßt sich die 5D MkII beinahe ruhiger halten als mit meinem Seagull-Schulterstativ. Und vor allem läßt sie sich besser mitziehen als auf dem Schulter- oder einem richtigen Stativ.
Der Beleg (sämtliche Aufnahmen vom Trainingsplatz mit Kamera + Viewfinder am Auge):
Übertriebene Schwenks werden von den meisten Video-Experten als “No go” beschrieben, aber bei sportlichen Ereignissen gilt dies nicht.
Dies besonders beim Fußball, wo das Spielgerät häufig unvorsehbar und abrupt in verschiedene Richtungen befördert wird – beim Ski-Abfahrtslauf, MTB-Downhill-Rennen oder American Football-Spiel bewegen sich die Akteure ja meist in eine bekannte oder antizipierbare Richtung. Bei den Fußball-Trainingsspielen ohne Tor kommt hinzu, dass sie auf eingeschränktem Raum ablaufen und bewusst mit häufigen Ballwechseln und -kontakten verbunden sind. Entweder braucht man also eine Totale oder Halbtotale (wodurch das Geschehen und der vergleichsweise kleine Spielgegenstand kaum noch zu erkennen sind) oder man will nah ran (besonders wenn man einen bestimmten Spieler zeigen will) – dann sind Schwenks notwendig. Und in meinen Augen bringen sie durchaus eine gewisse spannende Dynamik in das Video. Vor allem, wenn wie im vorliegenden Beispiel mit der Statik eines Interviews kontrastieren.
Neulich las ich einen Beitrag von News Videographer Angela Grant, in dem sie bekannte: My dirty little secret: I have no Tripod. Ooops, dachte ich: Stativ überbewertet? Ein US-Profi, der/die sich vom Zwang zum Stativ verabschiedet hat?
I have no tripod.
It seems like an innocuous enough statement, but longtime readers of this blog now have the right to point their fingers and say, “hypocrite.” I used to wage wars over the use of the tripod. I would critique videos that folks sent to me, and I’d see shaky shots and point them out. Tripod, tripod, tripod I would say.
I’ve gotten along okay without one, truth be told. You can certainly see the movement in my shots, but I’ve mastered the art of keeping the camera as still as humanly possible.
Ganz so einfach ist’s dann doch nicht, denn Grant schreibt weiter (und siehe da, auch ein US-Profi muss auf die Kosten fürs – eigene – Equipment achten):
A tripod would definitely make the shots rock solid though, and I think it’s time to buy one. Can anyone suggest a good model? I’d like to stay around the $100 mark. For that amount, I need a sturdy tripod that will hold up over time, but I want the lightest one I can get.
Das trifft sich. Denn: Natürlich bleiben der LCDVF und das Seagull weit hinter den Möglichkeiten der Zacuto-Produkte zurück. Allerdings sind sie bezahlbar und taugen zumindest für Alltagseinsätze eines “News Videographers”. Letztlich braucht man natürlich ohnehin alle drei: Das Stativ an sich ist bei Interviews & Gesprächen und schlechten Lichtverhältnissen unerläßlich (daran ändern auch Vollformat & hohe ISO-Werte der 5D MkII nichts), das Schulterstativ kommt unbedingt beim FR-”Volltreffer!” beim Gang über die Brücke zum Einsatz: Schaut man nämlich beim Rückwärtsgehen nur durch den Viewfinder, so verliert man den Bezugsrahmen der eigenen Bewegung und beginnt zu trudeln – und das sieht man dann auf dem Video deutlich. Beim Einsatz des Schulterstativs dagegen bleibt der Blick auf die unmittelbare Umgebung und das Display erhalten – und ich kann so sicher rückwärts laufen…
Der Viewfinder ist allerdings auch unerläßlich, weil der Autofokus der 5D MkII einem bei schlechten Lichtverhältnissen gerne mal einen Streich spielt. Manuell zu fokussieren nur mit dem Display ist freilich nicht ganz einfach und ebenso fehlerbehaftet. Dafür ist das an und für sich große Display wiederum zu klein. Die Konzentration aufs Bild und die Vergrößerung durch die Displaylupe helfen enorm.
Und ein Kommentar von Desiree Salazar zu Angela Grants Beitrag läßt mich defintiv dran festhalten, mehr aus der Hand zu schießen:
My videography teacher would tell us day in and day out to use a tripod. I believe this was primarily because we were beginners and usually beginners are still struggling with using the cameras. After a few video packages I found that not using a tripod and actually making the effort to try and maintain still was where I received the best shots and angles. I found that I received better grades as well. When I wasn’t using a tripod I would stay on my subject for at least 2 minutes that way when I edited I could cut out the shakes and slim down to where I was still. My first experience without a tripod was when I was shooting mountain bikers. This was a hike and I was not about to drag my tripod up down and around a mountain so I free handed it. I was very proud. I think it just takes practice.
Ähnliche Beiträge:
- Hand vs Stativ Bei Video-Aufnahmen von bewegten Szenerien stellt sich schnell die Frage...
- Shit Happen-Z – Folge 1 Die Serie Shit Happen-Z berichtet in loser Folge von den...
- Multimedia-Packesel im Zeitraffer Der Backpack-Journalist beim Packen – starring: Kata 3N1-20 Slingshot Bag,...
- Werkstattbericht FR-Videoprojekte “Volltreffer!” und “Eintracht aktuell” Als Online- und Multimedia-Spezi produziere ich für die Frankfurter Rundschau...
- Workflow beim Ironman in Frankfurt 2009 Für mein Triathlon-Blog der Frankfurter Rundschau (Ironblog) habe ich zwei...



