Werkstattbericht FR-Videoprojekte “Volltreffer!” und “Eintracht aktuell”

Oliver

Als Online- und Multimedia-Spezi produziere ich für die Frankfurter Rundschau zwei Videoserien – seit vergangener Woche.

Montags erscheint von nun an der “Volltreffer!”, bei dem sich zwei Fußball-Redakteure über das Bundesliga-Wochenende unterhalten. Zur Hälfte über Eintracht Frankfurt, zur Hälfte über andere Bundesliga-Vereine. Natürlich können auch die Champions League und die Fußball-Weltmeisterschaft etc. Thema sein.
Donnerstags gehen ein Eintracht-Kenner und ich zu Pressekonferenz und Training der Eintracht in die Commerzbank Arena. Aus dem Material schneide ich einen Videofilm zusammen, der am Freitag vormittag veröffentlicht wird.

Anbei die ersten Produktionen – via privatem Vimeo-Account (die FR selbst benutzt den Dumont-eigenen Videodienstleister Brightcove, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Vimeo-Auslieferung besser ist als die von Brightcove – bei gleicher Quelldatei).

Und so sieht’s aus im Fall des “Volltreffers!”…

…und so im Falle von “Eintracht aktuell”:

Beim “Volltreffer!” sind die Ausgangsbedingungen weitgehend stabil. Die FR verfügt über einen modernen Newsroom, der in Fachblättern und anderen Medien zur Genüge vorgestellt worden ist. Über diesen führt eine Art Brücke – man kann von ihr auf den Newsroom (einem ehemaligen Straßenbahndepot) herabblicken. Und so wie die FR in ein Traditionsgebäude Frankfurts, eben das alte Sachsenhäuser Straßenbahndepot, gezogen ist, um dort in ultramodernen Räumlichkeiten zu arbeiten, so wollten wir die “Tradition & Moderne”-Metapher bemühen.

Ein Introtrailer zeigt also das Haus von außen (alte Fassade) und innen (Newsroom) und den Gang über die Brücke zu dem Raum, in dem gedreht wird. Über diesen Gang gehen dann die beiden Gesprächspartner und umreißen kurz das Thema der eigentlichen Sendung. Als Aufnahmeort dient einer der Konferenzräume, die quasi über dem Newsroom schweben – daher sieht man bei den beiden Einstellungen (eine zum Eintracht-Thema, eine zum allgemeinen Bundesliga-Thema) im Hintergrund die Großbildwände des Newsrooms bzw. Flachbildfernseher (die überall im Newsroom hängen), und die Brücke wiederum. Eine alte Reiseschreibmaschine dient bewusst als Retro-Icon und als Persiflage auf die Laptops, die man vor TV-Nachrichtensprechern sieht.

Das ganze Setting haben sich vier Sport-Redakteure bei einem Brainstorming spontan ausgedacht. Das ganze Vorhaben basiert natürlich auf dem wochen-, wenn nicht monatelangen Drängeln meinerseits – und der energischen Initiative maßgeblicher Kollegen in der vergangenen Woche, die Videoformate jetzt zügig umzusetzen. Wichtig auch: Der Workflow ist so geplant, dass die reine Videoproduktion bis 13.30 bis 14 Uhr erledigt sein muss, damit wir noch die Mittagspause der Online-User – eine der klickträchtigsten Tageszeiten – mitbekommen. Mit der Aufnahme beginnen wir zwischen 11.30 und 12 Uhr.

“Eintracht aktuell” stellt Szenen von Pressekonferenz und Training in den Vordergrund – und einen FR-Redakteur, der den Usern Hintergründe und Zusammenhänge erläutert. Das fertige Video wird im Laufe des Donnerstags produziert, publiziert wird es aber erst am Freitag – also direkt vor dem Bundesliga-Wochenende (und natürlich auch zu einer klickträchtigeren Zeit als am abendlichen Donnerstag). Folglich ist der Produktionsstress nicht ganz so hoch wie am Montag. Freilich: Das Grund-Setting ist in diesem Fall zwar auch stabil, allerdings gibt es viele Variablen im konkreten Ablauf drinnen und draußen, auf die ich mich und mein Equipment spontan einstellen muss.

“Mein Equipment” heißt tatsächlich mein privates, denn mit dem arbeite ich in jedem Fall lieber – vor allem wegen der Vertrautheit mit Kamera, Objektiven, Menü-Einstellungen, Hard- und Software. Die FR-Redaktion arbeitet mit Windows-PCs, ich favorisiere seit vielen Jahren Macs. Ich arbeite gerne mit iMovie und kann mit den ähnlichen Windows-Programmen nichts anfangen. Die Mac-Software kommt mit den .mov-Filmen, die meine Canon 5D Mk II liefert, auch bestens klar.

iMovie nutze ich gerne, weil der Workflow beider Videoprojekte eine kurze Produktionszeit vorsieht. “Keep it simple & stupid” ist ein gutes Motto für eine tagesaktuelle journalistische Videoproduktion – und die Möglichkeiten, die die jüngste iMovie-Version bietet, reichen dafür völlig aus. Das Spektrum an Video- und Audioanpassungen, der Präzisions-Editor für saubere Schnitte und die Möglichkeit, Verwacklungen herausrechnen zu lassen bei einfacher Bedienung lassen mich dieses Consumer-Programm den Profi-Boliden wie Final Cut vorziehen (für diese Art von Projekte; das gilt nicht notwendigerweise für Multimedia-Reportagen, aufwändige Porträts etc).

Über die Canon 5D Mk II will ich an dieser Stelle nicht allzuviele Worte verlieren – Profi-Blogs wie die von Vincent Laforet, Philip Bloom, DSLR News Shooter, planet5D, Canon 5D tips, WarShooter, Hurlbut Visuals (ich poste bei Gelegenheit mal meinen OPML-File, wenn Interesse besteht) – geben über ihre Hybrid-Qualitäten zur Genüge Auskunft. Für jemanden wie mich, der sich die Videofilmerei autodidaktisch aneignet und vom Schreiben & Fotografieren kommt, liegen ihre Vorteile auf gegenüber einer reinen Videokamera auf der Hand (auch dazu mehr in einem weiteren Post).

Generell verfolge ich Ansatz und Anspruch, als Multimedia-Journalist dem Gedanken des backpack-Journalism treu zu bleiben. Kurzum: Ich will das Equipment samt leichtem Manfrotto-Stativ in einem nicht zu großen Slingshot-Rucksack (Kata 3n1-20) transportieren können – 5D Mk II (Vollformat-Kamera!), Standard-Objektiv (28-135), ein Tele- und ein Ultraweitwinkelobjektiv, 2x-Extender. Dazu Sennheiser MKE 400-Richtmikro (wird auf den Blitzschuh gesteckt) und H2 Zoom-Audiorecorder für externe, von der Kamera unabhängige Tonaufnahmen (schraube ich meist auf einen Gorillapod und stelle oder klemme den irgendwohin). Zwei Akkus für die Kamera, eine 8-GB-, eine 4-GB, eine 2 GB-Compactflash-Speicherkarten (da die Videos ohnehin nur in 480px Breite in der Online-Ausgabe der FR abgespielt werden, verzichte ich auf die 1980px-Full-HD-Videoeinstellung. Das würde die Produktionszeit aufgrund der sprunghaft steigenden Datenübertragungs- und berechnungsdauern nur deutlich verzögern).

Mit der 5D Mk II kann man ganz gut aus der Hand filmen (kann man hier… sehen: am Ende des Filmchens renne ich neben der Skike-Fahrerin her und filme dabei), aber natürlich ist ein Schulterstativ beispielsweise beim Gang über die Brücke des “Volltreffers!” von Vorteil. Daher nutze ich ein einfaches, kostengünstiges Schulterstativ (60 Euro), das sich nicht im Entferntesten mit den Super-Profi-Rigs von Zacuto für hunderte Euro vergleichen läßt. Aber: Für “simple & stupid” beim journalistischen Tagwerk reicht das Ding aus. Was sicherlich hilfreich und die Kosten wert wäre, wäre der hochgelobte Z-Finder.

All dieses Zeug – samt Imagetank, Kleinkram wie Batterien für die Audio-Geräte etc. – passt in den genannten Rucksack, der auch eine Halterung für das Manfrotto-Stativ aufweist. Das Schulterstativ passt in eine Laptop-Umhängetasche, in der ich gegebenfalls mein MacBook mitführen kann. Läßt sich beides bequem tragen, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Meistens aber bin ich alleine mit Rucksack und Stand-Stativ unterwegs – so etwa bei meinem Großmarkthallen-Projekt (siehe hier und hier im Blog).

Die 5D MK II kann auch während des Filmens noch fotografieren – allerdings wird dann der Film unterbrochen. Aus diesem Grund trage ich eine Canon 350D umgehängt an der Seite (mit einem Telezoom bestückt), um die 5D MK II nicht verändern zu müssen, falls sich die Gelegenheit zu einem guten Schnappschuss bietet. Und, nein: Ich bin wirklich nicht so bepackt, wie das klingt!


6 Responses to “Werkstattbericht FR-Videoprojekte “Volltreffer!” und “Eintracht aktuell””

  • http://youtu.be/xS9uFrJhChU Says:

    I was just watching this on television last week.
    They talked about the same things you wrote about.

    Take a look at my blog post watch live cricket – http://youtu.be/xS9uFrJhChU,

  • Hoffi Says:

    Alles klar, Danke für deine Antwort. Dass die Kollegen durchaus in der Lage sind, fähig zu diskutieren, glaube ich auch. Genau darum fand ich die erste Volltreffer-Folge ja auch relativ verschenkt. Aber wie heißt es so schön: Gut Ding will Weile haben – und so solltet selbstverständlich auch ihr die Zeit bekommen, euch noch besser einzuspielen. Ich bin mir sicher, dass die Filme mit jeder neuen Ausgabe ein Stückchen an Qualität gewinnen werden.

    P.S.: Auf das Packesel-Foto warte ich immernoch. Ich mein ja nur… ;)

  • Oliver Says:

    @Hoffi: Beim jüngsten “Volltreffer” wurde die Inhalte des Gesprächs schon im voraus festgelegt, und die Jungs haben auch mal “probe-diskutiert”, während ich den ganzen Video- und Audiokram aufgebaut habe. Da haben sie sich ein bißchen zu sehr entlang gehangelt. Andererseits: Die meisten der FR-Sportredakteure haben durchaus Fernseh-Erfahrung (DSF-“Doppelpass”) – mit der Zeit spielt sich das gewiss ein und die werden lockerer.

    Ist halt was anderes, wenn noch mehr Leute im Raum sind und reden oder ob ein Objektiv aif einen ganz allein gerichtet ist.

    Meine Kollegen beweisen jeden Vormittag in der Sport-Konferenz ihren Sprachwitz und ihre Formulierungsfreude. Das sollte früher oder später auch im “Volltreffer!” bzw. im anderen Format “Eintracht aktuell” rüberkommen.

    Die Schreibmaschine ist so ein Objekt, dass Ab- oder Zuneigung auslöst. Das Feedback lautet entweder “toll” oder “bescheuert”.

    P.S.: Ein Foto vom Multimedia-(Pack)Esel im Einsatz liefere ich nach!

  • Hoffi Says:

    Achja und nach dem Anschauen der Videos: Der “Volltreffer” wirkt mir etwas arg bemüht und gekünstelt. Vor allem am Anfang sieht das so aus, als ob der Gesprächsfaden vorher extrem konkret festgelegt wurde. Mehr Spontanität würde dem Format sicher gut tun. Auch die Aktion mit der Schreibmaschine wirkt eher so naja – aber daran gewöhnt man sich vielleicht und eventuell bekommt das dann sogar irgendwann was kultiges. ;)
    Insgesamt aber gilt: Hut ab für die Experimentierfreude! Etwas, was der FR vor dem Relaunch sicher ganz gut tut.

  • Hoffi Says:

    Mich würde ja mal ein Foto von dir mit kompletter Ausrüstung interessieren. ;)

  • Marcus Says:

    Danke für die sehr interessanten Einblicke!

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