Zurück in der Zivilisation

Zu Marrakesh gibt es so viele Mythen und Legenden, Informationen und Beschreibungen… man bediene sich der Suchmaschine oder des Reiseführers eigenen Vertrauens! (Tipp: Lonely Planet).

Die Fahrzeuge stehen auf dem Campingplatz „Le Relais de Marrakech“ (unser erster und einziger Campingplatz mit der üblichen ADAC-gemäßen Versorgung). Wir stromern den ganzen Tag durch die Gerbereien & Färbereien (die übrigens eindrucksvoll, aber nicht so eindrucksvoll wie in Fès sind), durch den Souk und den Djamaa el-Fna… und lassen uns viel Zeit, Mitbringsel für einen selbst und die Daheimgebliebenen zu erhandeln.

Wir sind ja im Feilschen mittlerweile ganz gut und wissen natürlich das in Marrakesh das Zehnfache dessen verlangt wird wie in… Zagora etwa. Die Marrakshis spekulieren natürlich auf die eingeflogenen Touristen und darauf, dass man vor Abreise noch schnell Souvenirs erwerben will oder muss. Sie selbst kaufen die Ware auf Märkten weiter im Süden oder lassen sie von Handwerkern im Süden herstellen und schlagen eine ordentliche Spanne drauf.

Also eigentlich ist man schlau, wenn man sich im Süden seine Kauf-Wünsche erfüllt. Aber wenn nicht da, dann in Marrakesh. Denn was wiederum die Orient-Läden in Frankfurt etwa bieten, ist dann noch mal teurer.

Morgen ist Abreise – wozu da heute eilen? Im Gegenteil: noch mal rein ins pralle Leben…

Familien und Fürsten

Blick von der Kasbah auf Telouet

Blick von der Glaoui-Kasbah auf Telouet.

Wir übernachten bei einer Familie, die eine Plantage auf einer Hochebene des Anti-Atlas, irgendwo in der Provinz Quazarzate. Sie bewirten uns morgens mit einem Frühstück und zeigen uns Bewässerungsanlagen für ihren Frucht- und Gemüseanbau. Der ist überwiegend zur Selbstversorgung gedacht. Tatsächlich kommen die Einwohner nicht so recht mit der Algenbildung in ihrem großen Wasser-Auffangbecken klar – und fragen die europäischen Hobbygärtner in der Gruppe um Rat…

Bewässerungsanlage einer Plantage

Bewässerungsanlage einer Plantage.

Guide André von Eine Welt Reisen zeigt uns mit dieser Familie zum dritten Mal während dieser Marokko-Tour, wie tätige (Entwicklungs-)Hilfe vor Ort jenseits von den großen, mittleren und kleinen Organisationen funktionieren kann: Statt anonym für irgendwas zu spenden lieber einen lokalen Kontakt zu knüpfen und lokale Initiativen, Gruppen oder Familien zu unterstützen.

Das war der Fall bei der Berber-Familie bei Midelt gewesen (wo Mitfahrer Hubertus in die Ziegenaufzucht investierte) oder bei der Frauenkooperative in Tissergate (wo man handgewebte und -geknüpfte Teppiche und Taschen erwerben kann). Immer ging es dabei um ein faires Verhältnis – nicht einfach spenden, nicht einfach etwas schenken, sondern etwas erwerben. Menschen nicht zu Bittstellern, sondern zu Herstellern werden zu lassen bzw. sie dabei zu unterstützen, ein von Spenden und Almosen unabhängiges Leben zu führen.

Oder man fragt, was konkret die Familien brauchen können – viel von dem, was wir als Wohlstandsmüll wegwerfen oder entsorgen, hat beispielsweise in Marokko einen enormen Nutz-Wert. Den kann man dann beim nächsten Besuch mitbringen und Menschen geben, die und deren Lebenssituation man kennt. Weiterlesen

Sand und See

Ausgetrockneter See: Lake Iriki/Lac Iriqi.

Ausgetrockneter See: Lake Iriki/Lac Iriqi.

In Marokko gibt es zwei Wüstengebiete – Erg Chebbi und Erg Chegaga. „Erg“ bedeutet Sandwüste, und wie schon erwähnt: Diese ist in Marokko nicht sehr groß. Alle Geländewagen streben in diese Sahara-Ecken. Von Mhamid kann man durchaus in einem Tag nach Foum Zghuid fahren – dort geht es wieder aus der Wüste raus und in den Anti-Atlas rein.

Im Erg Chegaga gibt es Sandwüste, einige hohe Dünen und den ausgetrockneten See namens Lake Iriki/Lac Iriqi. Die Dimension klärt sich nach Klick auf den Link zu Google Maps…

Das Fahren im weichen, mal weniger, mal schlotterigen oder gerölligen Sand macht viel Spaß; ansonsten, denke ich, sprechen die Bilder für sich. Was soll man noch in Worte fassen…

Aber aus dem ausgetrockneten See führt eine furchtbare Geröll- und Wellblechpiste heraus – und, was wir zuvor schon auf einem ehemaligen Militärpiste in den Bergen gelernt und geübt haben, muss nun angewendet werden: Den Unimog mit einem brachialen Tempo vorwärts prügeln – den zu langsam ist schlimmer, zu schnell ist schlimmer.

Die Reifen müssen von Wellblechkamm zu Wellblechkamm „springen“ oder „fliegen“, ansonsten sind die Schläge ins Fahrwerk zu heftig. Das ideale Tempo muss jedes Gefährt selbst herausfinden, für unseren Unimog scheint es bei ca. 60 km/h zu liegen. Dabei hat unser Ex-Bundeswehr-Sanitäts-Lkw eine Höchstgeschwindigkeit von 80-82 Stundenkilometern… Weiterlesen

Erg Chegaga: Spielwiese Sanddünen

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Beate im Wüsten-Look.

Beate bereitet sich vor: Gegen Sand und Staub helfen Schutzbrille und Schal, denn heute vormittag ist Training angesagt. Dünen-Fahren mit den Offroad-Lkws!

Guide Holger, Rallye-erfahren, (erlebnis-offroad.com) hat einen Parcours die Dünen rauf und runter abgesteckt, mit vielen Schlängel-, Schräg- und Kippfahrten. Wir können uns und unsere Fahrzeuge in verschiedenen Fahrsituationen testen und – natürlich – die Erfahrung machen, dass das Fortbewegungsmittel mehr kann als Mann oder Frau am Steuer sich zutrauen.

Das Training hat mich an meine Segeltour vor Mallorca und die Sprüche des Skippers erinnert: Das Boot kann im Sturm mehr ab als die Insassen an Bord! Luft hat keine Balken, auf hoher See schwimmt einem selten was in den Weg – und in den Sanddünen besteht nur die Gefahr, dass ein 7,5-Tonner umkippt (der zwangsläufig im Gegensatz zu einem Land Rover schwerer wieder auf seine Füße zu stellen ist). Daher kann man recht unbefangen im Sand rumwühlen – man kann kaum irgendwo anstoßen!

Magirus-Fahrer Rolf liegt indes mit schwerer Gedärmproblematik ob der Rühreier vom Vortag flach und kann den Freuden des Sandfahrens nicht frönen. Aber der Iveco, der ein auf Allrad und Geländegängigkeit umgebauter Daily-Transporter ist, schlägt sich wacker und wird von Fahrer Hubertus beherzt durch den Sand getrieben. Und weil er leicht ist, teilweise besser und flotter als der Unimog. Der aber ebenso alle Passagen ungerührt und unbeeindruckt absolviert.

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Wabbelmasse und Weichteile

Karte: Zagora - Mhamid - Foum Zhguid

Karte: Zagora – Mhamid – Foum Zguid

Marokko ist unter Wüstenfahrern deswegen so beliebt, weil Nordafrika durch beständige Unruhen und Kriege kaum noch Möglichkeiten für weiße Europäer bietet… Freilich hat Marokko einen Nachteil: Es hat nur einen fast winzigen Teil der riesigen Sahara abbekommen. Mauretanien, Mali, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten – da spielt sich Sahara ab.

Aber immerhin: die Sahara-Ausläufer, die auf marokkanischem Staatsgebiet liegen, sind groß genug, um sich darin zu verlaufen oder zu verfahren. Und Sandberge und Dünen bis zum Horizont bieten sie schon – zumindest wenn man mittendrin ist.

Zur Bewegung mit Autos gibt es natürlich Alternativen: Zu Fuß oder per Kamelen… etwa mit Renard Bleu Touareg, zu denen wir im Riyadh in Tissergate Kontakt haben. Wie das Riyadh Le Sauvage Noble“ ein Versuch sanften Tourismusses, der den Ortsansässigen und der Wüste zugute kommt. Deutschsprachig – daher unser uneingeschränkter Tipp. Sprecher und Kontaktmann Abdellah hat Anthropologie studiert: mehr dazu hier… (BTW: Zagora verfügt über einen – kleinen – Flughafen).

Von Zagora aus muss man erst einmal einige Kilometer auf einer maroden Straße mit problematischem Begegnungsverkehr hinter sich bringen, wobei Größe, Gewicht und Rammschutz unserer Fahrzeuge gewisse psychologische Vorteile mit sich bringen. In Mhamid beginnt dann wirklich die Sand-Wüste… Weiterlesen